HOME

Chemikalien: Mineralwasser mit Hormonwirkung

Im Mineralwasser finden sich Chemikalien, die wie Sexualhormone wirken. Eine erhöhte Konzentration wiesen Forscher bei mehr als der Hälfte der untersuchten Sorten nach. Ursache könnten die PET-Flaschen sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht das anders.

Von Nina Bublitz

In einigen Mineralwasser-Sorten haben Forscher erhöhte Konzentrationen von Umwelthormonen gemessen

In einigen Mineralwasser-Sorten haben Forscher erhöhte Konzentrationen von Umwelthormonen gemessen

Wir nehmen über die Nahrung Substanzen auf, die die Körperchemie beeinflussen, weil sie wie Hormone wirken - diese Erkenntnis ist nicht neu. Milch und Milchprodukte gelten als die Lebensmittel mit der stärksten Belastung; denn in ihnen befinden sich von der Kuh ausgeschiedene Östrogene, weibliche Sexualhormone. Dass noch ganz andere Lebensmittel mit hormonell aktiven Substanzen verunreinigt sein können, zeigte vor kurzem eine Studie von Frankfurter Forschern: 12 von 20 Mineralwasser-Sorten, die Ökotoxikologe Martin Wagner untersuchte, waren mit Umwelthormonen (siehe Kasten) verunreinigt - und zwar deutlich.

Ein möglicher Grund dafür könnten PET-Flaschen sein, meint Wagner, der im Experiment Wasser aus Glas- und PET-Flaschen sowie aus Getränkekartons untersucht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das jetzt eine Stellungnahme zum Thema veröffentlicht hat, bezweifelt das: Aus den Daten ließen sich keine Unterschiede in Bezug auf die Verpackung (Glas gegenüber PET) ableiten, heißt es dort.

Hefe, Schnecken und die menschliche Gesundheit

Laut der im Fachjournal "'Environmental Science and Pollution Research'" veröffentlichten Studie war in einem ersten Experiment die östrogene Belastung in drei von neun Wassern aus Glasflaschen erhöht, sowie in sieben von neun Proben aus PET-Flaschen. Dazu kamen noch zwei Wassersorten, die in Getränkekartons verkauft werden: Sie waren beide mit Umwelthormonen belastet. Bei dem Versuch hatte Wagner die Östrogen-Wirkung mithilfe einer genetisch verändertet Hefe, die stark auf Östrogen anspricht, gemessen.

In einem zweiten Versuch züchtete Wagner Schnecken in Glas - bzw. Plastikflaschen. Die so genannten neuseeländischen Deckelschnecken reagieren sehr empfindlich auf Östrogene und vermehren sich dann stärker. Alle Schnecken bekamen in diesem Experiment das gleiche Wasser, nur die Flaschen unterschieden sich. Hier zeigte sich: In sämtlichen Einweg-PET-Flaschen vermehrten sich die Tiere stärker, in den Glasflaschen sowie in wieder verwendbaren PET-Flaschen stieg die Vermehrungsrate dagegen nur leicht an. "Ob dieses Testsystem überhaupt relevante Aussagen zum gesundheitlichen Risiko des Verbrauchers zulässt, ist eher zweifelhaft", heißt es dazu beim BfR. "Natürlich hat die Vermehrungsrate von Schnecken wenig mit der menschlichen Gesundheit zu tun. Aber der Versuch zeigt eine erhöhte Hormonbelastung des Wassers in PET-Flaschen im Vergleich zu dem in Glasflaschen", sagt Wagner.

Möglicherweise kommen die Verunreinigungen auch während des Herstellungs- und Abfüllprozesses in das Wasser - das zieht das BfR ebenso in Betracht wie Wagner in seiner Studie.

Vertrauen in die Grenzwerte

Bislang hat der Toxikologe nicht untersucht, welche Chemikalien für die Hormon-Wirkung verantwortlich sind, sondern eben nur wie stark diese ist. In einer weiteren Studie will er klären, was für Substanzen dort am Werk sind. Dann erst kann man abschätzen, ob ein Risiko für den Menschen besteht. "Ich nehme an, dass wir keine große Menge einer einzelnen Chemikalie finden werden", meint Wagner. "Wahrscheinlich sind es mehrere, die jeweils nur in geringer Konzentration vorhanden sind." Dass diese zusammen eine durchaus messbare Wirkung entfalten, ist als "Cocktail-Effekt" bekannt. Ein chemisches Phänomen, das die Behörden vor eine knifflige Situation stellt. "Die Behörden vertrauen auf ihre Grenzewerte, doch wir haben es hier mit Effekten zu tun, die sich außerhalb dieser Grenzwerte bewegen. Man sollte mehr auf Kombinations-Effekte achten", meint Wagner.

Er stellt sich auch die beunruhigende Frage, ob das Studienergebnis vielleicht nur die Spitze des Eisbergs darstellt. "Andere Lebensmittel-Verpackungen sind zwar nicht aus PET, aber es finden sich überall Kunststoff-Additive - Weichmacher, Konservierungsstoffe usw. -, über die wir vergleichsweise wenig wissen."

Welche Wassersorten wurden getestet?

Für Verbraucher stellt sich indes eine dringendere Frage: Welche Wassersorten schnitten eigentlich gut oder schlecht ab? Das verrät Martin Wagner jedoch nicht. "Mich haben die Marken aus wissenschaftlicher Sicht überhaupt nicht interessiert. Aus Verbraucherschutzsicht ist das relevant, aber wir können nach einer Studie mit zwanzig Wassersorten keine generellen Aussagen treffen. Das ist dann Aufgabe der Behörden oder der Verbraucherzentralen." Laut BfR muss man sowieso nicht anders einkaufen. "Aus den Ergebnissen der Studie ergibt sich nach Ansicht des BfR für die Verbraucher keine Notwendigkeit, auf Mineralwasser aus PET-Flaschen zu verzichten und auf glasverpackte Produkte auszuweichen."

Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.