Contergan-Opfer "Man wollte etwas reparieren, was nicht zu reparieren war"

Er ist ein echter Naturbursche: Walter Edinger arbeitet beim Forstamt, werkelt jede freie Minute in seinem Garten und bringt sämtliche Samen und Kerne zum Sprießen. Seit mehr als 20 Jahren lebt er mit seiner Ehefrau Anna zusammen, und seine Zwillingssöhne sind inzwischen fast erwachsen.

Er liebt Bäume und Sträucher. Walter Edinger ist ein echter Natur-Bursche und hat ein Händchen für Pflanzen. "Jeden Kern und jeden Samen, den ich zwischen die Finger bekomme, säe ich aus und meistens wächst was draus", sagt der 47-Jährige. Edinger lebt in Spechbach bei Heidelberg, arbeitet beim Forstamt und unternimmt gerne ausgiebige Spaziergänge mit seinem Hund Socke. In jeder freien Minute werkelt er in seinem Garten, pikiert Setzlinge, topft um, beschneidet Hecken und Reben. Seine verkürzten Arme - Folge des Schlafmittels Contergan, das seine Mutter während der Schwangerschaft eingenommen hatte - sind dabei kein Hindernis.

"Ich hatte eine schöne Kindheit", erzählt Edinger. Nur die vielen Operationen an den Armen, die Krankenhaus-Aufenthalte, und die damit verbundenen Trennungen von den Eltern hat er noch in schrecklicher Erinnerung. "Da wollte man an meinen Armen etwas reparieren, was nicht zu reparieren war", sagt er.

Seit 21 Jahren ist Walter Edinger mit seiner Frau Anna verheiratet, vor 19 Jahren wurde er Vater. Contergan konnte zwar seinen Körper schädigen, aber nicht sein Erbgut. Das Ehepaar hatte sich bei den Ärzten erkundigt, bevor es sich entschloss, Kinder zu kriegen. Damals, im Krankenhaus von Heidelberg, durfte Walter Edinger gleich nach dem Kaiserschnitt zu seiner Frau. Er wusste, was ihn erwarten würde. Anna Edinger hatte eineiige Zwillinge geboren: Simon und David. Beide hatten Arme, Hände, Finger und Beine. Beide waren kerngesund. "Den Umgang mit den Babys habe ich schnell rausgehabt und je älter die Kinder wurden, desto besser ging es", sagt er.

Vor sieben Jahren erlitt Walter Edinger einen Schlaganfall. Seine rechte Körperhälfte war gelähmt. Es stellte sich heraus, dass er an einer Bluterkrankung leidet, die den Schlaganfall ausgelöst hatte. Nur ganz allmählich ging es ihm besser. Zwei Jahre lang konnte er nicht arbeiten. Eine schlimme Zeit, die Edinger im Nachhinein so zusammenfasst: "Auch das habe ich überstanden. Und: Hurra, ich lebe noch. Meine Erfahrungen im Leben haben mir gezeigt, dass sich alles irgendwie regelt."

Anika Geisler

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