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Neue Studie: Hormonpräparat Duogynon - Neue Hinweise auf Fehlbildungen bei Kindern

Noch immer kämpfen die Geschädigten des Duogynon-Skandals in Deutschland um Gerechtigkeit. Die Bundesregierung verweigert die Aufklärung und Gespräche mit Opfern.

Eine Hebamme hört die Herztöne eines Babys ab. Das Hormonpräparat Duogynon wurde seit den 60er Jahren hierzulande als Schwangerschaftstest eingesetzt und erst 1981 vom Markt genommen.

Eine Hebamme hört die Herztöne eines Babys ab. Das Hormonpräparat Duogynon wurde seit den 60er Jahren hierzulande als Schwangerschaftstest eingesetzt und erst 1981 vom Markt genommen.

DPA

Das Hormonpräparat Duogynon steht schon lange im Verdacht, bei Kindern schwere Missbildungen verursacht zu haben. Duogynon wurde ab den sechziger Jahren durch den Pharmahersteller Schering vertrieben und erst 1981 in Deutschland vom Markt genommen. Wie im Fall Contergan drängte sich der Zusammenhang zwischen der Einnahme des hormonellen Schwangerschaftstests und Missbildungen auf. 

Doch bis heute gelang es den Duogynon-Opfern nicht, den Pharmakonzern Bayer, der Schering übernahm, und die Bundesregierung zu Gesprächen zu bewegen. Dabei zeigt eine gerade veröffentlichte Studie des Wissenschaftlers Paul Heneghan von der University of Oxford, dass sehr wohl ein erhöhtes Risiko für Missbildungen bestand, wenn in der Schwangerschaft Duogynon eingenommen wurde. Heneghan wertete Berichte von 71.330 Frauen aus jenen Jahrzehnten aus.

Kleine Anfrage zu Duogynon

In einer aktuellen Kleinen Anfrage konfrontieren die Abgeordneten Stephan Pilsinger (CSU), Martina Stamm-Fibich (SPD) und Maria Klein-Schmeink (Die Grünen) die Bundesregierung mit Fakten, die sich aus lange nicht zugänglichen Akten des Landesarchivs Berlin ergeben. Die Regierung sieht "keine Veranlassung, weitere aufwendige Untersuchungen alter Aktenbestände durchzuführen", kritisiert Klein-Schmeink. 

Der Pharmakonzern Bayer streitet bis heute jeden Zusammenhang ab. Die 7000 Seiten Prozess-Akten zeigen jedoch, dass Verdachtsmomente seitens Schering gezielt unterdrückt wurden, Mitarbeiter des damaligen Gesundheitsministeriums den Pharmahersteller sogar darin unterstützen, das Risiko nicht bekannt werden zu lassen. Noch 1978 versuchte Schering, die Berichterstattung im stern, der früh über das Schicksal der betroffenen Frauen und Kinder schrieb, zu behindern und die Auslieferung des Heftes in Großbritannien zu stoppen.

Dort startet Ende November ein Untersuchungsausschuss in Sachen Duogynon, Hunderte Seiten Akten aus dem Berliner Landesarchiv wurden dazu ins Englische übersetzt. 

"Man muss sich schon anstrengen, die Augen zu verschließen", kritisiert die Grünen-Politikerin Klein-Schmeink. Dass die Bundesregierung noch immer untätig bleibt, sei eine Missachtung aller Opfer von Duogynon.

Nicola Kuhrt / Doris Schneyink /anb

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