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Erbgut-Check für Ungeborene: Regierungsexperte will umstrittenen Bluttest stoppen

Mit einer Blutprobe prüfen, ob das Baby an Trisomie 21 leidet - das könnte bald möglich sein. Doch der Test ist umstritten. Er gefährde ungeborenes Leben, kritisiert der Bundes-Behindertenbeauftragte.

Von Martina Janning

Der neue vorgeburtliche Bluttest auf Trisomie 21 der Firma Lifecodexx ist nach Ansicht eines Gutachtens illegal. Das Rechtsgutachten entstand im Auftrag des Bundesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen. Demnach verstößt der Trisomie-21-Bluttest gegen das Gendiagnostikgesetz. Laut Gutachten handelt es sich bei dem "Praena-Test" nicht um ein verkehrsfähiges Medizinprodukt, da es die Sicherheit und Gesundheit der Ungeborenen gezielt gefährdet. Der Bundesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, forderte die Bundesländer zum Verbot des Bluttests auf das Down-Syndrom auf.

Der Test diene weder medizinischen noch therapeutischen Zwecken. Nach dem Gendiagnostikgesetz müssten aber gerade diese Zwecke für eine zulässige vorgeburtliche Untersuchung vorliegen, erklärte Hüppe. "Es geht beim Bluttest fast ausschließlich um die Selektion von Menschen mit Down-Syndrom. Er diskriminiert damit Menschen mit Down-Syndrom in der schlimmsten Form, nämlich in ihrem Recht auf Leben", sagte er. Bereits heute werde häufig abgetrieben, wenn ein Down-Syndrom beim Kind diagnostiziert wird. Das Down-Syndrom ist weder therapierbar, noch heilbar. Betroffene sind in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung gestört. Typisch für das Down-Syndrom sind bestimmte Merkmale im Körperbau wie ein flaches Gesicht und schräg nach oben stehende Augenaußenseiten.

Der Test spürt DNA-Schnipsel des Kindes im Blut der Mutter auf. Diese geben Hinweise auf das Chromosom 21. Sind davon drei statt zwei Kopien vorhanden, hat das Ungeborene eine Trisomie 21. Die Treffsicherheit der Untersuchung liegt nach Angaben des Herstellers bei über 98 Prozent. Das Bundesforschungsministerium hatte die Entwicklung des Bluttests mit rund 230.000 Euro gefördert. Der Bluttest könnte die bisher gebräuchlichen Fruchtwasseruntersuchung oder eine Punktion des Mutterkuchens ersetzen, die beide mit dem Risiko einer Fehlgeburt verbunden sind.

Hitzige Debatte über die Folgen

Schon im Vorfeld der Markteinführung hat der neue Trisomie-21-Test eine heftige Diskussion ausgelöst. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe und Down-Syndrom-Organisationen in Deutschland kritisierte, der Tests stelle das Lebensrecht von Menschen mit Down-Syndrom in Frage. Derzeit leben in Deutschland rund 50.000 Menschen mit dem Syndrom.

Hersteller Lifecodexx weist die Kritik zurück. Der Praena-Test untersuche grundsätzlich nichts Neues. Er sei eine risikofreie Alternative zu den herkömmlichen risikoreichen invasiven Untersuchungsmethoden. Nur, weil die Trisomie-Diagnose per Bluttest schmerzfrei und risikolos sei, entscheide sich eine Schwangere nicht leichter gegen ihr ungeborenes Kind, heißt es beim Hersteller.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sieht in dem Test "keinen ethischen Dammbruch", auch sei keine sprunghafte Zunahme von Schwangerschaftskonflikten zu befürchten. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sprach sich für den Bluttest aus. Im Kern der Debatte geht es nach seiner Meinung nicht um den neuen Test, sondern vielmehr "um die Pränatal-Diagnostik und ihre Konsequenzen insgesamt". Mit den vielen offenen Fragen rund um die Gendiagnostik befasst sich derzeit der Deutsche Ethikrat, der im Auftrag der Bundesregierung dazu eine Stellungnahme erarbeiten soll.

Neue Generation von Gentests

Der Bluttest auf Trisomie 21 steht für eine neue Generation von Gentests. Mehrere US-Wissenschaftler haben kürzlich sogar das gesamte Erbgut von ungeborenen Kindern analysiert, ohne den bislang nötigen Eingriff in den Mutterleib. Einem Forscherteam gelang dies mit Blut der Mutter und einem Abstrich aus dem Mund des Vaters, dem anderen sogar nur mithilfe einer Blutprobe der Mutter. Beide Genanalysen beruhen auf dem gleichen Prinzip wie der neue Trisomie-21-Test und greifen auf kindliche DNA-Stückchen im Blut der Schwangeren zurück.

Von Martina Janning mit AFP