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Frühe Vorfahren des Menschen: Baumrinde, nicht nur in Notzeiten

Vor zwei Millionen Jahren in Afrika: Zwei menschliche Vorfahren werden von Erdmassen verschüttet. Das konservierte ihre Zähne so gut, dass Forscher heute sagen können, was die beiden aßen.

Was Zahnstein alles verrät: Unsere frühen menschlichen Vorfahren ernährten sich auch von Baumrinde, Blättern, Gräsern und Früchten. Ihr Speiseplan war damit reichhaltiger als bisher angenommen. Das hat ein internationales Forscherteam um Lee Berger von der Universität von Witwatersrand in Johannesburg/Südafrika herausgefunden, indem es die Zähne von zwei Menschenvorfahren, sogenannten Homininen, untersuchte.

Die Zähne gehörten einem älteren Weibchen und einem jüngeren Männchen der Art Australopithecus sediba. Sie waren vor zwei Millionen Jahren in einen Erdrutsch geraten und von Sand und Gestein verschüttet worden. Dabei wurden die beiden Homininen zum Teil von einem schützenden Luftkissen umgeben. Das konservierte sie, so dass bis heute gut erhalten sind. Die Homininen-Art Australopithecus sediba war erst vor wenigen Jahren neu entdeckte worden. Ihre Vertreter lebten in Malapa in Südafrika.

Baumrinde konnte bisher bei anderen frühen Homininen nicht als Nahrungsmittel nachgewiesen werden. Die Essgewohnheiten von Australopithecus sediba unterschieden sich von anderen ähnlich alten afrikanischen Homininen, berichten die Wissenschaftler im Fachjournal "Nature". Sie glichen eher denen von Schimpansen.

Unter den fossilen Funden früher menschlicher Überreste sei diese Entdeckung einmalig. "Es handelt sich um den ersten direkten Beweis dafür, was unsere frühen Vorfahren in den Mund nahmen und kauten - was sie aßen", sagte Berger.

Pflanzenreste im Zahnstein

Vor allem im Zahnstein der beiden Homininen wurden die Wissenschaftler fündig und entdeckten versteinerte Überreste von Pflanzen, sogenannte Phytolithen. "Mithilfe zweier Kollegen, die diese Phytolithen in heute lebenden südafrikanischen Arten untersucht hatten, identifizierten wir die Pflanzen, von denen die uralten Phytolithen stammten", berichtete Amanda Henry vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Es überraschte die Forscher, dass die frühen menschlichen Vorfahren Baumrinde aßen. Zwar sei seit einigen Jahren bekannt, dass Primaten und auch Menschenaffen Baumrinde als eiserne Reserve in Notzeiten essen. Sie hätten sie aber nicht auf dem Speiseplan von Homininen vermutet. "Wir glauben, dass dies hier ein Beispiel dafür ist, wie frühe Homininen sich in einer Vielzahl unterschiedlicher Umgebungen ausgebreitet haben", sagte Henry. Es sei ziemlich sicher, dass die meisten anderen Homininen derselben Zeitperiode mehr oder weniger dasselbe Habitat genutzt haben, die offene Savanne.

Die neuen Erkenntnisse zeigten jedoch, dass es innerhalb des Habitats mehr Nischen gab, in denen frühe menschliche Vorfahren lebten, genauso wie eine größere Vielfalt an Verhaltensweisen. "Vielleicht war dies eine Möglichkeit für Australopithecus sediba der Konkurrenz zu anderen Homininen aus dem Weg zu gehen? Vielleicht war es eine Reaktion auf Umweltveränderungen? Wir wissen es nicht", sagte Henry. Zukünftige Studien müssten die Frage beantworten, wie diese Homininen-Art ihre Landschaft nutzte.

maj/DAP
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