HOME

Hirnforschung: Teurer Wein schmeckt besser

Sind es die fruchtigen Aromen? Die feine Holznote? Oder der stolze Preis? Ob ein Wein besser mundet, wenn er mehr kostet, haben kalifornische Wissenschaftler in einer Studie ergründet.

Guter Wein hat seinen Preis, da sind sich die meisten Verbraucher sicher. Und so gilt die günstige Flasche aus dem Supermarkt zwar als akzeptabel, deutlich mehr Genuss versprechen aber nur kostspieligere Weine. Kalifornische Hirnforscher haben nun untersucht, wie stark der Preis eines Weines die Reaktion des Trinkenden beeinflusst. Dazu ließen sie 20 Probanden mehrere Weine trinken, während sie per Magnetresonanztomograf die Hirnaktivität beobachteten. Das Ergebnis der Studie veröffentlichten die Wissenschaftler um Antonio Rangel vom California Institute of Technology in Pasadena im Fachblatt "PNAS".

Vor dem Versuch erzählten die Forscher den Teilnehmern, es ginge darum, mehr über das Schmecken herauszufinden, und dass die einzelnen Weine über die Höhe ihre Verkaufspreises unterschieden würden. Tatsächlich ließen die Forscher ihre Probanden aber nur drei verschiedene Weine verköstigen - zwei davon doppelt mit jeweils unterschiedlichen Preisangaben.

Was alles den Geschmack beeinflusst

Grundsätzlich beurteilten die Versuchsteilnehmer die vermeintlich teuren Weine geschmacklich besser als die günstigen. Im Gehirn zeigte sich dies durch eine höhere Aktivität im sogenannten medialen orbitofrontalen Cortex. Diese Region ist an der individuellen Beurteilung von Gerüchen, dem Geschmack von Essen oder auch von Musik beteiligt. Allein der Preis des Weines reiche aus, um die Aktivität in dieser Hirnregion zu verändern und so das individuelle Geschmacksurteil zu beeinflussen, schreiben die Wissenschaftler. Vermutlich hätten andere Angaben, welche die Erwartungen an die Produktqualität betreffen, ähnliche Auswirkungen im Gehirn, etwa Angaben zur Herkunft des Produkts, seinen Inhaltsstoffen, der Markenname oder das Qualitätsurteil eines Experten.

Zahlreiche Experimente haben bereits gezeigt, dass der Erfolg eines Produkts nicht nur von seiner Qualität bestimmt wird, sondern auch von den Erwartungen der Verbraucher und von ihrer jeweiligen Stimmung. So kommt es zum Beispiel, dass in entsprechenden Experimenten Produkte einer bestimmten Marke besser beurteilt werden als markenlose Konkurrenzprodukte - auch wenn die Kennzeichnung der Produkte absichtlich gefälscht wurde. In einem Experiment wiesen Forscher sogar nach, dass allein der Preis eines Energy Drinks die Fähigkeit der Probanden mitbestimmte, Rätsel zu lösen.

DDP / DDP
Themen in diesem Artikel