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Planeten: Da waren's nur noch acht

Am Ende rollten Köpfe: Pluto, kleinster Planeten-Outsider unseres Sonnensystems, ist kein Planet mehr. Das beschloss die Internationale Astronomische Union im August. Auch die drei Anwärter Ceres, Xena und Charon hatten keine Chance.

Pluto hat seinen Status als neunter Planet des Sonnensystems verloren. Nach einer hitzig geführten Debatte in Prag stimmten 2500 Wissenschaftler und Astronomen dafür, den Himmelskörper in die neu geschaffene Kategorie der "Zwergplaneten" einzuordnen. Damit gibt es plötzlich nur noch acht Planeten: Merkur, Venus, die Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun.

Die Entscheidung wurde auf der Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union (IAU) getroffen, die damit zugleich erstmals formell definierte, was ein Planet ist. Pluto war seit seiner Entdeckung 1930 traditionell zu den Planeten gezählt worden. Nach der neuen Definition fällt er aus dieser Gruppe jedoch heraus. Ein Planet muss demnach um einen Stern kreisen, darf dabei aber selbst kein Stern sein. Er muss groß genug sein, dass die eigene Schwerkraft ihn in eine Kugelform zieht. Zudem muss er genug Masse haben, um seine Umlaufbahn von anderen Objekten freigeräumt zu haben. Letzteres trifft auf Pluto nicht zu.

Pluto wird Zwergplanet

"Pluto ist tot", kommentierte Mike Brown vom California Institute of Technology lapidar die Neudefinition. Er hatte die Debatte maßgeblich mit angestoßen, als er 2003 den Himmelskörper UB313 - besser bekannt unter seinem Spitznamen Xena - entdeckte. Xena ist größer als Pluto. Die Frage, ob sie zu den Planeten gezählt werden sollte, lag somit auf dem Tisch. Doch es wurde entschieden, dass sie künftig wie Pluto zu den Zwergplaneten gezählt wird.

"Ich denke, was wir getan haben, ist eine gute Sache", sagte Philip Diamond, Professor an der Universität von Manchester und einer der Delegierten der IAU. "Wir haben praktisch die Zahl der Planeten in unserem Sonnensystem erhöht, sie aber nun auf zwei Kategorien verteilt." Die Neuordnung sei notwendig geworden, weil immer mehr Himmelskörper entdeckt würden - und viele seien größer als Pluto. Dessen Durchmesser beträgt etwa zwei Drittel von dem des Erdenmondes.

Insgesamt sei die Neudefinition und insbesondere die Anpassung von Plutos Status für Wissenschaftler "keine große Sache", sagte Richard Miller von der Universität von Chicago. "Das ist hauptsächlich ein Thema für die Öffentlichkeit. Einige werden sich vielleicht aufregen, aber wir haben Pluto schon seit langem als einen kleinen Planeten betrachtet."

Auch die 94-jährige Witwe des Pluto-Entdeckers Clyde Tombaugh sagte, ihr Ehemann hätte Verständnis für den Schritt der Wissenschaftler gezeigt - auch wenn er zu Lebzeiten die Debatte um Plutos Status nicht unbedingt begrüßt hatte. Ihr Mann sei ein guter Forscher gewesen und habe stets die Ansicht vertreten, dass sich die Wissenschaft nun einmal weiter entwickelt, sagte Patricia Tombaugh.

Ceres, Xena und Charon bleibt der Planetenstatus verwehrt

Das Plenum der IAU-Vollversammlung hatte die Planetendefinition bis zum Schluss intensiv debattiert und immer wieder abgewandelt. Planeten unseres Sonnensystems sind dem verabschiedeten Text zufolge nun Himmelskörper, die...
* die Sonne umkreisen
* genug Masse haben, damit ihre eigene Schwerkraft sie zu annähernd kugelförmiger Gestalt zusammenpresst
* die ihre kosmische Nachbarschaft von anderen Objekten freigeräumt haben.

Letzteres trifft auf Pluto nicht zu, der sich im so genannten Kuiper-Gürtel mit zahlreichen anderen Himmelskörpern bewegt. Pluto soll daher künftig ein Zwergplanet sein.

Um einmal die Sonne zu umrunden, braucht Pluto 248 Jahre in einer Umlaufbahn, die die des Neptuns kreuzt. Zwischen 1979 und 1999 war er daher der Sonne näher als der Neptun. Plutos Durchmesser ist etwa zwei Drittel von dem des Erdenmondes. Bislang hat keine Raumsonde den neuen Zwergplaneten besucht. Im Januar 2006 wurde jedoch die Nasa-Sonde "New Horizons" gestartet, die im Juli 2015 bei Pluto ankommen soll.

Zu der voraussichtlich rasch wachsenden Gruppe der Zwergplaneten gehören auch Ceres aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter sowie das Objekt 2003 UB313 jenseits der Plutobahn, das von seinen Entdeckern vorläufig Xena getauft worden war. Plutos Begleiter Charon bleibt dagegen der Planetenstatus verwehrt.

In der jüngeren Vergangenheit hatten bereits mehrere Forschergruppen die Entdeckung eines zehnten Planeten für sich reklamiert. Die offizielle Benennung und Einteilung der Himmelsobjekte behält sich jedoch die 1919 gegründete IAU als Weltverband der Astronomen vor.

lub/DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters