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Kopfwelten: Wenn alte Wunden den Frieden verhindern

Bomben fallen auf Gaza, Raketen werden auf Israel abgeschossen. Das Hin und Her blutiger Gewalt im Nahen Osten scheint kein Ende zu nehmen. Wenn das Töten aufhören soll, sagen Psychologen, müssen nicht die Gegner, sondern die Ängste auf beiden Seiten der Front besiegt werden.

Von Frank Ochmann

Wer zählt noch die Toten, Verwundeten, Traumatisierten im seit Jahrzehnten wieder und wieder aufflackernden Krieg zwischen Israelis und Palästinensern? Wer glaubt noch, dass in diesem Gebiet von kaum 500 Kilometern Länge jemals wirklicher Frieden einkehren wird? "Positiver Frieden", wie Sozialpsychologen sagen, wenn nicht nur die Waffen schweigen, sondern dazu ein Klima sozialer Gerechtigkeit herrscht, in der nicht eine Gruppe das Leben der anderen beschneidet oder bedroht. Wie soll das möglich sein in einer Situation, die so verfahren ist, wie es die gegenwärtigen Kämpfe in und um Gaza wieder einmal vor Augen führen?

Hier ist nicht der Platz für tagesaktuelle politische Analysen. Wohl aber für die Frage, ob die psychologische Forschung helfen kann, etwas besser zu verstehen, warum es so schwer ist, sich ein friedliches Zusammenleben der Menschen auch nur vorzustellen. Niemand wird glauben, dass Professor X oder Studie Y ein verlässliches Rezept böten. Aber besser zu verstehen, was dort vor sich geht, ist auch ein Schritt hin zur Versöhnung.

Obwohl das psychologische Interesse an Friedensprozessen in den vergangenen zwanzig Jahren gestiegen ist, liegt der Schwerpunkt derartiger Forschung auch heute eher bei den Ursachen und Folgen der Gewalt. Immerhin bieten sich dadurch aufschlussreiche Einblicke in einen blutigen Konflikt, der jede menschliche Vernunft vermissen lässt. Aber das ist sicher schon die erste falsche Annahme: zu glauben, dass wir es in einer solchen Auseinandersetzung vor allem mit rationalen Entscheidungen zu tun hätten. Die Erfahrungen der historischen Verletzungen haben sich vielleicht zu tief in die Seelen eingegraben.

Die Brille der Erfahrung verzerrt das Bild

Solche Opfergefühle können sich zu einem gewaltigen Hindernis für den Frieden türmen, wie eine kürzlich publizierte Untersuchung der Psychologen Michael Wohl und Nyla Branscombe auch im Experiment aufzeigt. Denn die Geschichte wirkt über kollektive Emotionen bis in die Gegenwart. Anders gesagt: Die Brille der Erfahrungen kann den Blick auf das Heute gefährlich verzerren. So wird jede Bedrohung Israels, jede Kassam-Rakete zum Symbol einer möglichen Wiederholung des Holocaust. Und jeder Anblick einer israelischen Uniform oder eines Panzers weckt unter Palästinensern die schmerzlichen Erinnerungen an die Vertreibung von 1948, die sie bis heute "Al-Nakba", die "nationale Katastrophe", nennen.

So stehen sich zwei tief verletzte Gruppen gegenüber - und das ist die zentrale Aussage der Studie -, denen die schmerzliche Erinnerung als Rechtfertigung dienen kann, Gewalt gegen "die anderen" zu üben oder wenigstens zu dulden. Das einst erfahrene Trauma kann so zur Quelle für neue Gewalt werden. Jeder moralische Einwand dagegen wird mit einem Verweis auf die erlittenen Wunden gekontert: Sollten wir denn nicht das Recht haben, uns zu verteidigen bei all dem, was wir schon durchgemacht haben? Und jeder Gedenktag und jede Feier frischt die Erinnerung an das unbestreitbar erduldete Leid auf.

Könnte es nicht wenigstens helfen, sich darauf zu besinnen, dass die Not auf beiden Seiten gleich groß ist? Dass Eltern ihre toten Kinder auf beiden Seiten der Front gleich tief betrauern? Dass gewaltsamer Tod immer nur weiteren Tod bringt, wenn nicht einer zuerst das Töten beendet? Sind nicht alle zuerst Menschen, die leben wollen und lachen und lieben?

Der Tod eines Gegners beruhigt die eigene Seele

Eine ebenfalls erst vor kurzem veröffentlichte Studie der kanadischen Universität von Alberta in Edmonton trübt leider auch diese Hoffnung. Joseph Hayes und seine Kollegen wollten wissen, ob die jedem Menschen eigene Gewissheit des Todes, die "ultimative Frustration des Lebenswillens", nicht helfen kann, Konflikte zu überwinden. Ist nicht jeder Tod eines anderen eine Erinnerung an die Endlichkeit des eigenen Lebens? Offenbar kommt es darauf an, wer stirbt. Was wir vielleicht schon vermutet haben, konnte das kanadische Team experimentell bestätigen: Der Tod des Gegners beruhigt die Seele derer, die sich als potenzielle Opfer sehen.

Wenn es stimmt, was zum Beispiel die zitierten Arbeiten zutage gefördert und an bestehenden Befürchtungen bestätigt haben, dann ist die entscheidende Frage in Konflikten wie dem zwischen Israelis und Palästinensern nicht die nach der Stärke, sondern vielmehr die nach den Ängsten auf beiden Seiten. Mit den Worten der kanadischen Autoren: "Frieden wird kaum zu erreichen sein, bevor nicht beide Seiten es schaffen, ihre Ängste zu beherrschen, ohne weitere Gewalttaten zu begehen." Solange aber jeder nur mit dem Finger auf den anderen zeigt und der Tod weiter mit Tod bekämpft wird, gibt es dafür keine Hoffnung.

Literatur:

Atran, S. et al. 2007: Sacred Barriers to Conflict Resolution, Science 317, 1039-1040
Christie, D. J. et al. 2008: Peace Psychology for a Peaceful World, American Psychologist 63, 540-552
Cohrs, J. C. & Boehnke, K. 2008: Social Psychology and Peace - An Introductory Overview, Social Psychology 39, 4-11
Denson, T. F. et al. 2006: The Roles of Entitativity and Essentiality in Judgments and Collective Responsibility, Group Processes & Intergroup Relations 9, 43-61
Gómez, Á. et al. 2008: The Other Side of We: When Outgroup Members Express Common Identity, Personality and Social Psychology Bulletin 34, 1613-1626
Hayes, J. et al. 2008: Fighting Death with Death - The Buffering Effects of Learning That Worldview Violators Have Died, Psychological Science 19, 501-507
Wohl, M. J. A. & Branscombe, N. R. 2008: Remembering Historical Victimizations: Collective Guilt for Current Ingroup Transgressions, Journal of Personality and Social Psychology 94, 988-1006

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(