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Kolumne "Kopfwelten": Übung macht den Lügner

Uns macht so schnell keiner ein X für ein U vor, glauben wir gern. Doch nach einem Blick in die Forschung sollten alle Alarmglocken läuten.

Von Frank Ochmann

Was stimmt? Was nicht? Im Alltag ist das nicht immer auf Anhieb leicht zu erkennen.

Was stimmt? Was nicht? Im Alltag ist das nicht immer auf Anhieb leicht zu erkennen.

Am liebsten würden wir doch in einer Welt voller Gewissheiten leben – von Glück bringenden und darum jederzeit willkommenen Überraschungen einmal abgesehen. In einer solchen Welt wäre unser Lebensweg so leicht und sicher wie nur möglich. Schon deshalb möchten wir natürlich nicht getäuscht und belogen werden. Denn das könnte unsere kommode und so vorhersehbare Welt gewaltig erschüttern. Trotzdem geschieht das Tag für Tag. Immerhin gehört aber zur Volksweisheit die Erkenntnis, dass Lügen kurze Beine haben. Eine bewusst aufgetischte Unwahrheit, soll das wohl heißen, bleibt nicht lange unentdeckt und der Lügner nicht ohne Strafe. Entscheiden Sie selbst, ob sich das mit Ihrer eigenen Überzeugung deckt. Wenn ja, sind Sie in großer Gefahr.

Wissenschaftlich ist nämlich schon lange klar, dass wir auch im besten Fall nur gut die Hälfte aller Lügen, mit denen wir es tagtäglich im Dutzend zu tun bekommen, auch als solche erkennen. Natürlich ist das besser als nichts. Es bedeutet auf der anderen Seite aber eben auch, dass wir bei fast jeder zweiten Lüge wirklich hereingelegt werden. Selbst Profis wie Polizisten oder Psychiater tun sich sehr schwer, eine bessere Quote zu erzielen. So ist es nur verständlich, dass Psychologen schon länger nach Methoden suchen, mit denen Lügner treffsicher entlarvt werden können.

Lügner werden nervös? Von wegen!

Müssten die zum Beispiel nicht wenigstens ein bisschen nervös werden? Schließlich sollten sie doch fürchten, sich im Gestrüpp der Unwahrheiten zu verheddern und sich so selbst zu entlarven. Zumindest früher glaubten das offenbar auch arabische Beduinen und Chinesen und entwickelten eine eigene Art von Lügendetektoren. Wer nervös ist, so war ihre Erfahrung, produziert weniger Speichel. Also ließen sie einen, dem sie nicht trauten, im einen Fall an einem heißen Eisen lecken und im anderen Fall Reispulver kauen und wieder ausspucken. Verbrannte sich der Verdächtige die Zunge oder kam der Reis zu trocken aus seinem Mund, galt derjenige der Lüge überführt.

Heute allerdings ist klar, dass die Lüge den Lügner keineswegs emotional schwer belasten muss. Die beschriebenen Speicheltests sind darum so wenig verlässlich wie der Glaube an den unsicheren Blick dessen, der die Unwahrheit sagt. Es gibt mehr als genug Trickser und Täuscher, die ihr Opfer ungeniert anstarren und keinem prüfenden Auge weichen. Charles Dickens, der geistige Vater von Oliver Twist und David Copperfield, hatte diese Erfahrung schon vor rund 150 Jahren gemacht: "Ich habe gewaltigen Unsinn darüber reden hören, dass schlechte Menschen einem nicht ins Gesicht sehen. Trauen Sie dieser verbreiteten Auffassung bloß nicht!"

Die Last der Lüge

Wenn es entgegen landläufiger Meinung also nicht unkontrollierbare Gefühle sind, die den Lügner verraten – das "schlechte Gewissen" –, was bleibt dann noch? Sein Denken, so fanden Psychologen unserer Tage. Denn auf die Gedanken können Lügen eine gewisse Bremskraft ausüben. Die konnte auch schon gemessen werden, und sie ist verhältnismäßig leicht zu verstehen: Lügner müssen sich in ihrem Kopf nämlich mit zwei Welten gleichzeitig befassen: mit jener, die sie selbst für gegeben und "wahr" halten, dazu aber noch mit der, die sie anderen vorgaukeln wollen. Bevor ein Satz den Mund des Lügners verlässt, muss er also gleich doppelt überprüft werden: In der zusammengelogenen Fantasiewelt soll dieser Satz sinnvoll sein, zugleich aber darf er in der "wirklichen" Wirklichkeit nicht so quer liegen, dass das Opfer Verdacht schöpft. Diese doppelte Aufgabe beim Lügen, so die Theorie, schafft eine "kognitive Last". Und eben die bremst den Gedankenfluss.

Da wäre er also endlich, der theoretische Ansatzpunkt für eine verlässliche Enttarnung der Lügner unter uns! Wie aber zeigt sich diese "kognitive Last" praktisch? Im Alltag gar nicht, ist die erste unbefriedigende Antwort. Denn wir befinden uns bei diesen Bremseffekten im Bereich von Millisekunden. Wäre es anders und die Lüge offensichtlicher, gingen wir Täuschern ja kaum noch in rund fünfzig Prozent der Fälle auf den Leim.

Gewohnheit macht den Meister

Die zweite, mindestens so schwere Enttäuschung lieferte jetzt ein belgisch-niederländisches Team der Universitäten von Gent, Amsterdam und Maastricht. Danach ist die geistige Last der Lüge keine Konstante, wie zuvor angenommen worden war. Vielmehr kann sie mit ein bisschen Übung deutlich verringert werden. Das zeigten die jetzt publizierten Versuche, bei denen die Probanden lange Fragenkataloge möglichst spontan abarbeiten mussten. Mal hatten sie dabei nach bestem Wissen und Gewissen zu verfahren, mal in der bewussten Absicht zu lügen. Die jeweils gemessenen Reaktionszeiten sollten dann verraten, wie schwer sich die Versuchsfreiwilligen mit den unterschiedlichen Aufgaben getan hatten. Je größer die Last der Lüge, so war zu vermuten, desto länger würde die Beantwortungszeit ausfallen. Das wurde auch beobachtet – allerdings auch, dass die Lüge mit der Gewohnheit erheblich leichter wurde.

Es soll nicht verschwiegen werden, dass die Wissenschaftler auch den umgekehrten Effekt fanden. Wo von den Probanden also zunächst immer wieder Ehrlichkeit verlangt wurde, fiel ihnen anschließend das Lügen deutlich schwerer als einer untrainierten Vergleichsgruppe oder gar den geübten Lügnern. Am ernüchternden Gesamtergebnis dieser Untersuchungen aber ändert das nichts: Demnach wird zwar der Ehrliche mit der Zeit ehrlicher, der notorische Lügner aber nur noch verlogener.

Literatur

  • Kassin, S. M. 2012: Paradigm shift in the study of human lie-detection: Bridging the gap between science and practice. Journal of Applied Research in Memory and Cognition 1, 118–119
  • Ochmann, F. 2011: Verführt – verwirrt – für dumm verkauft. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus
  • Van Bockstaele, B. et al. 2012: Learning to lie: effects of practice on the cognitive cost of lying. Frontiers in Psychology 3, doi: 10.3389/fpsyg.2012.00526
  • Verschuere, B. et al. 2011: The ease of lying. Consciousness and Cognition 20, 908–911
  • Vrij, A. 2008: Detecting Lies and Deceit – Pitfalls and Opportunities (2nd Ed.). Chichester: Wiley
  • Vrij, A. 2011: Outsmarting the Liars: Toward a Cognitive Lie Detection Approach. Current Directions in Psychological Science 20, 28-32
Themen in diesem Artikel
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Ich wohne in Baden-Württemberg und plane auf meinem Grundstück einen alten Schuppen durch ein neues Gerätehaus (kein Aufenthaltsraum, keine Feuerstätte im Gebäude!) mit den Grundmaßen 3,50 m x 2,50 m und Firsthöhe von 2,21 m zu ersetzen. Da die neue Anlage etwa 60 cm in einer Geländestufe aufgestellt wird, ist die Wand gegenüber dem Nachbarn tatsächlich nur ca. 1,6 m gegenüber der OK des Gartens hoch. Es soll eine verfahrensfreie Umsetzung in einer Grenzbebauung durchgeführt werden. Auf dem Nachbargrundstück ist eine ca. 3m hohe Thuja Hecke, die geringfügig über die Grenze herüber ragt. Nun hat das geplante Gerätehaus einen umlaufenden Dachüberstand von ca. 20 cm, sodaß die Außenmasse des Fundaments etwa 20 cm von der Grundstücksgrenze entfernt ist. Damit ist sichergestellt, dass der Dachüberstand nicht mit dem Nachbargruzdstück überlappt. Wie sieht es nun entsprechend der LBO Baden-Würtenberg mit der Regelung zum Mindestabstand gegenüber der Grenze des Nachbarn aus? Ich sehe 3 Möglichkeiten: a) es gilt als Grenzbebauung. Die überhängende Thuja-Hecke stört mich nicht. b) es müssen 50 cm Mindestabstand eingehalten werden. c) der Überstand am Gerätehaus an der Grenze zum Nachbarn muss entfernt werden, damit der Aufbau als Grenzbebauung anerkannt wird. PS: Zusammen mit der Länge der Garage des Nachbarn wird eine Grenzbebauung von 9m nicht überschritten. Mit der Bitte um eine Rückmeldung, sodaß ich meinen Plan vernünftig abschließen kann. mfg
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