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Kopfwelten: Ätzende Einsamkeit

Vereinzelung macht zunächst nur denen das Leben schwer, die sich von Familie, Freunden und Gesellschaft nicht mehr getragen glauben. Doch dabei bleibt es nicht. Vielmehr greift das Gefühl der Verlassenheit wie eine ansteckende Krankheit um sich. Schließlich sind ganze Gemeinschaften bedroht.

Von Frank Ochmann

Auch inmitten der Menge fühlen sich Menschen einsam

Auch inmitten der Menge fühlen sich Menschen einsam

Einsamkeit ist nicht Alleinsein. Sie ist keine Erlösung vom nervenden Trubel und hat darum nichts mit menschenleeren Räumen oder weiten, unverbauten Landschaften zu tun, in denen mancher überhaupt erst zur Ruhe kommen und Erholung finden kann. Wenn wir einsam sind, fehlen uns die Menschen im Kopf, nicht auf der Straße, im Bus oder am Tisch. Wenn wir einsam sind, mangelt es an Menschen, die zu uns gehören und zu denen wir gehören. Menschen, mit denen uns Vertrauen verbindet, mit denen wir Freude und Schmerz gemeinsam erlebt haben und weiter erleben wollen. Menschen, die uns schätzen und kritisieren, lieben und fordern. Menschen, für die wir nicht austauschbar sind. Solche Nähe erfahren zu können, ist der Grundstoff für ein glückliches Leben. Wird er knapp, befällt die Seele entsetzlicher Hunger. Echte Einsamkeit hat keine positiven Seiten. Sie macht einfach nur krank.

Ein Wissenschaftler, der sich in den vergangenen Jahren besonders eingehend mit diesem inneren Zustand und seinen Folgen befasst hat, ist der Psychologe John T. Cacioppo von der University of Chicago. Zusammen mit Kollegen der University of California in San Diego und der Harvard University machte sich Cacioppo Daten zunutze, die erstmals 1948 in der westlich von Boston gelegenen Kleinstadt Framingham erhoben wurden. Damals stimmten gut 5000 Einwohner dieser Stadt im Alter von 30 bis 62 Jahren zu, sich regelmäßig untersuchen und auf ihre Lebensgewohnheiten hin befragen zu lassen. So wollten Mediziner den Ursachen und möglichen Risikofaktoren von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf die Spur kommen.

Negative Folgen für die Gesellschaft

Die Studie wurde mehrmals verlängert und um Nachkommen und Lebenspartner der Freiwilligen erweitert, so dass es in Framingham inzwischen sechs verschiedene "Kohorten" mit insgesamt 12.000 Teilnehmern gibt, die buchstäblich auf Herz und Nieren untersucht werden können. Doch nicht nur die über längere Zeit gewonnenen medizinischen Daten stehen den Forschern zur Analyse zur Verfügung. Auch die Lebensgewohnheiten und sozialen Bindungen der Teilnehmer können zum Teil über Generationen verfolgt werden. Alle zwei bis vier Jahre jeweils wurden neue Daten ermittelt und mit den alten verglichen. Für die jetzt veröffentlichte Einsamkeitsstudie stand die zweite Framingham-Generation im Mittelpunkt des Forscherinteresses.

Eine erste Beobachtung entspricht wahrscheinlich dem, was auch Nichtfachleute aus ihrer Lebenserfahrung heraus erwartet hätten: Innerhalb eines sozialen Netzes wandern die zunehmend unter Einsamkeit Leidenden immer weiter an den Rand der betreffenden Gruppe. Eine Bindung nach der anderen geht verloren. Sie fühlen also nicht nur, dass sie kaum noch zum Leben der anderen dazugehören. Der Blick der Wissenschaftler von "außen" bestätigt den düsteren persönlichen Eindruck. Sogar Beobachtungen in Affengruppen zeigen dasselbe Bild: Versuche, vereinsamte, ausgestoßene Tiere in das Leben einer Gruppe wieder einzubinden, scheitern fast immer. Ist das schon schlimm genug für den Einzelnen, lassen die weiteren Ergebnisse Cacioppos und seiner Kollegen erhebliche negative Folgen für eine ganze Gesellschaft befürchten.

In den Einsamkeitsstrudel geraten

Einsamkeit ist ansteckend, so könnte man die weiteren Resultate zusammenfassen. Demnach wirkt die Isolierung Einzelner auch auf das gesamte Umfeld. Auch diesen Menschen mangelt es nämlich an sozialen Bindungen, so zeigen die Daten. Nun könnte es natürlich sein - "Gleich und Gleich gesellt sich gern" -, dass sich Einsame, wenn überhaupt noch zu jemandem, besonders zu Leidensgenossen hingezogen fühlen. Vielleicht weil die aus eigener Erfahrung am besten verstehen können, was einer durchmacht, der sozial in dünner Luft leben muss. In diesem Fall wäre es selbstverständlich, dass sich ganze "Cluster" von Einsamen bilden. Das wurde so auch beobachtet.

Aber noch ein anderer Effekt kommt dazu: Auch diejenigen in der Umgebung, die über viele vitale Beziehungen verfügen, können in eine Art Einsamkeitsstrudel geraten. Zwar kappen die an den Rand Gedrängten schließlich oft noch die letzten verbliebenen sozialen Bindungen. Vorher aber stecken sie andere mit ihrer Einsamkeit an. Freunde sind eher betroffen als Familienmitglieder, wie die Studie zeigte, und Frauen eher als Männer. So oder so greift das Gefühl der Verlassenheit und auch des wachsenden gegenseitigen Misstrauens immer weiter um sich. Und das von jedem Einzelnen gleich über drei Kontaktebenen hinweg: Auch Freunde von Freunden von Freunden können sich noch "anstecken" und zu einem neuen gefährlichen Keim werden. Am Ende kann eine komplette, einstmals lebendige Gemeinschaft von der emotionalen Zersetzung bedroht sein.

Reparatur von außen

Nur ein viel versprechendes Gegenmittel bietet sich auch nach etlichen Computersimulationen von sozialen Netzwerken an, die Cacioppo und seine Kollegen durchspielten: Die bedrohten oder ganz fehlenden zwischenmenschlichen Bindungen derer am Rand einer Gesellschaft müssen entschlossen und von außen repariert und ergänzt werden. So gibt es noch Hoffnung für die Isolierten selbst. Darüber hinaus aber lässt sich im besten Fall wie bei einer Impfung eine Art Schutzwall errichten, der eine mit Einsamkeit infizierte Gemeinschaft vor der Auflösung bewahrt.

Vielleicht können wir in Zeiten knapper Kassen und wachsender sozialer Spannungen auch das aus der Studie lernen: Soziale und/oder emotionale Nöte, selbst wenn sie anfangs nur wenige und nicht die Masse treffen, lösen sich nicht einfach auf, wenn die "Problemfälle" an den Rand der Gesellschaft geschoben werden. Denn dort werden aus wenigen viele.

Literatur:

Bering, J. M. 2008: Why Hell Is Other People: Distinctively Human Psychological Suffering. Review of General Psychology 12, 1-8
Cacioppo, J. T. & Hawkley, L. C. 2009: Perceived social isolation and cognition. Trends in Cognitive Sciences 13, 447-454
Cacioppo, J. T. et al. 2009: Alone in the Crowd: The Structure and Spread of Loneliness in a Large Social Network. Journal of Personality and Social Psychology (im Druck)
Heinrich, L. M. & Gullone, E. 2006: The clinical significance of loneliness: A literature review. Clinical Psychology Review 26, 695-718
Jaquish, C. E. 2007: The Framingham Heart Study, on its way to becoming the gold standard for Cardiovascular Genetic Epidemiology?. BMC Medical Genetics 8, 63. Informationen zur Geschichte und zum Design der Framingham-Studien seit 1948

18jähriger Kater und Welpe geht das?
Hallo, wir haben einen 18-jährigen Kater der aber noch recht fit ist. Er ist zwar eigentlich nur zu meiner Mutter anhänglich also kommt immer am Abend auf die Couch und lässt sich streicheln von ihr sonst ist er eigentlich den ganzen Tag in seinem Bett im Keller oder oben auf einer Decke die im Schrank liegt. Erzieht sich also zurück. Nun ist der Wunsch nach einem Welpen doch sehr groß und der einzige Grund der dagegen spricht oder der infrage kommt warum wir keinen holen würden wäre unser Kater. Habt ihr Erfahrung mit alten Katzen und welchen gemacht? Unser Kater ist nämlich Hallo, wir haben einen 18-jährigen Kater der aber noch recht fit ist. Er ist zwar eigentlich nur zu meiner Mutter anhänglich also kommt immer am Abend auf die Couch und lässt sich streicheln von ihr sonst ist er eigentlich den ganzen Tag in seinem Bett im Keller oder oben auf einer Decke die im Schrank liegt. Erzieht sich also zurück. Nun ist der Wunsch nach einem Welpen doch sehr groß und der einzige Grund der dagegen spricht oder der infrage kommt warum wir keinen holen würden wäre unser Kater. Habt ihr Erfahrung mit alten Katzen und welchen gemacht? Unser Kater ist nämlich eigentlich nicht So gut auf Hunde zu sprechen also wenn ein Hund an seinem Garten vorbeigeht springt er schon hinterm Zaun ein bisschen hoch und fängt an zu fauchen. Denkt ihr nicht das Man wird vorsichtiger Eingewöhnung es schaffen könnte dass die beiden sich verstehen? LG und danke im Voraus