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Stimmen der Macht: Der Chef tönt tief

Wer eine tiefe Stimme hat, ist klar im Vorteil - zumindest im Wahlkampf. Kandidaten mit sonorem Bass haben bessere Wahlchancen, zeigt eine Studie. Künstlich senken sollte seine Stimme allerdings niemand.

Ob Mann oder Frau, Wähler bevorzugen Kandidaten mit tiefen Stimmen, wie eine im britischen Wissenschaftsmagazin "Proceedings" veröffentlichte Untersuchung von US-Wissenschaftlern ergab.

In der Studie forderten die Wissenschaftler die Teilnehmer auf, sich Stimmen von hypothetischen Kandidaten anzuhören, die sagten: "Ich bitte Sie dringend, im November für mich zu stimmen." Die Aufnahmen der Stimmen wurden digital manipuliert und so jede Stimme höher beziehungsweise auch tiefer gemacht. Zudem sollten die Teilnehmer die gehörten Stimmen hinsichtlich Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Kompetenz einzuschätzen. Auch hier schnitten die tieferen Stimmen besser ab.

In früheren Untersuchungen hatten Wissenschaftler die Stimmen von US-Präsidenten verwendet. Die Ergebnisse hätten also verzerrt sein können, weil die Teilnehmer der Studien die Stimmen womöglich erkennen konnten. Zudem waren weibliche Stimmen nicht Teil der Untersuchungen. Nun wurden die Stimmen von 17 Frauen und zehn Männern aufgenommen und für die Studie verwendet.

Nicht künstlich absenken

Studienleiter Casey Klofstad von der Universität von Miami verwies darauf, dass die Untersuchung für weibliche Kandidaten besonders aufschlussreich sei, weil Frauen in der Regel höhere Stimmen haben. "Frauen sind in Führungspositionen weltweit stark unterrepräsentiert", hob Klofstad hervor. Diskriminierung sei als Grund dafür bekannt - die Studie zeige nun aber, dass es auch biologische Gründe dafür geben könne, weshalb Frauen weniger gewählt würden.

Rindy Anderson von der Duke Universität, die sich auch an der Studie beteiligte, rät allerdings zu Vorsicht. Die höhere Stimmlage von Frauen sei nur einer von vielen Faktoren, der die Ungleichheit der Geschlechter in führenden Positionen erklären könne.

Wie tief jemand spricht, wird unter anderem von anatomischen Gegebenheiten wie der Größe des Kehlkopfes bestimmt. Bei Erwachsenen beträgt der Stimmumfang etwa zwei bis zweieinhalb Oktaven. In der sogenannten Indifferenzlage erfolgt das Sprechen mit dem geringsten Kraftaufwand. Wer unterhalb spricht, drückt oft künstlich auf seine Stimmlippen. Das erfordert wiederum mehr Anspannung, Heiserkeit kann eine Folge sein.

An der Studie waren Biologen und Politikwissenschaftler der Universität Miami und der Duke Universität in Durham im US-Bundesstaat North Carolina beteiligt.

fwe/AFP / AFP
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