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Verwirrung um Staatsangehörigkeit: Ist der neue Nobelpreisträger noch Deutscher?

Mit Stolz wurde die Neuigkeit hierzulande aufgenommen: Thomas Südhof ist der nächste deutsche Nobelpreisträger. Doch der gebürtige Göttinger weiß selbst nicht, ob er noch deutscher Staatsbürger ist.

Um die deutsche Staatsangehörigkeit des in Göttingen geborenen Medizin-Nobelpreisträgers Thomas Südhof hat am Montag Verwirrung geherrscht. Er selbst war sich am Tag der Verkündung nicht sicher, ob er neben der amerikanischen auch noch die deutsche Staatsbürgerschaft habe. "Ich bezweifle, dass ich juristisch gesehen deutscher Staatsbürger bin, aber ich weiß es nicht", sagte er der Nachrichtenagentur DPA. Von deutschen Behörden kamen widersprüchliche Aussagen.

Südhof lebt seit 1983 in den USA und hat inzwischen die US-Staatsbürgerschaft angenommen. Deutschland fühle er sich aber noch immer verbunden: "Ich bin gerne Deutscher, aber ehrlich gesagt, um solche Sachen habe ich mich nie so richtig gekümmert." Geboren 1955 in Göttingen wuchs der Neurochemiker in seiner Geburtsstadt und in Hannover auf. Er machte an einer Waldorfschule Abitur und studierte danach in Aachen und Göttingen. Dort schloss er auch 1982 seine Doktorarbeit ab, bevor es ihn in die USA zog, wo er nun an der Stanford University lehrt und arbeitet.

"Staatsangehörigkeit kann nicht aberkannt werden"

Eine Mitarbeiterin der deutschen Botschaft in Washington hält es für fraglich, dass Südhof neben der amerikanischen weiterhin die deutsche Staatsbürgerschaft hat. "Wenn er vor 2000 US-Bürger geworden ist, ist es extrem unwahrscheinlich, dass er die deutsche Staatsangehörigkeit behalten konnte." Nach 2000 hätte er eine Beibehaltungsurkunde bei den deutschen Behörden beantragen müssen, sagte sie. Südhof hat dieses Dokument nach eigenen Worten aber nie beantragt. "In der Zeit meines Lebens hatte ich andere Sachen im Kopf."

Dagegen hatte ein Sprecher des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zuvor mitgeteilt: "Die deutsche Staatsangehörigkeit kann nicht aberkannt werden." Wenn Südhof die deutsche Staatsangehörigkeit nicht selbstständig abgelegt habe, sei er weiter deutscher Staatsbürger.

"Deutschland freut sich"

Ungeachtet dieser skurrilen Diskussion gratulierte Bundespräsident Joachim Gauck Südhof. "Deutschland freut sich mit Ihnen darüber, dass Ihre exzellenten Leistungen mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet werden." Auch Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) fühlte sich zu einer Reaktion aufgefordert. Der Nobelpreis für Südhof sei zugleich "Anerkennung und Ansporn für alle deutschen Wissenschaftler, die sich in der Gesundheitsforschung engagieren."

dho/DPA / DPA