"Licht aus!" Aktion könnte Stromnetz lahmlegen


Fünf Minuten lang sollen am 8.12. alle das Licht ausschalten. Nette Idee - doch schon hagelt es Schelte. Die Aktion, die rein symbolischen Charakter hat, könnte die Stromnetze lahmlegen. Wie das möglich ist.

Das Brandenburger Tor liegt im Schatten, die Lichter am Schloss Neuschwanstein erlöschen, der Kölner Dom ist in Dunkelheit getaucht: Um 20 Uhr sollen am Samstag, dem 8.12., die Lichter in ganz Deutschland ausgehen. Um 20.05 Uhr, so der Plan, schalten dann alle das Licht wieder an. Eigentlich eine schöne Idee, die sich Greenpeace und mehrere andere Verbände und Medien anlässlich des Weltklimatags ausgedacht haben. "Licht aus!" soll die Bürger und die auf der indonesischen Insel Bali tagenden Delegierten zum Klimaschutz aufrufen. Die Aktion hat jedoch einen Haken: Wenn sich genug Teilnehmer finden, könnte es zu Störungen im europäischen Stromnetz kommen.

Leistungs-Schwankungen im Netz bis zu 3000 Megawatt können die Energieversorger nach eigenen Angaben zwar ohne Schwierigkeiten ausgleichen. Größere Schwankungen sind bei der Aktion aber nicht auszuschließen. Nach einer Berechnung des Wissenschaftlers Hans-Jürgen Haubrich, die die Zeitung "Welt" veröffentlichte, würde es reichen, wenn in zehn Millionen Haushalten je drei Glühbirnen gleichzeitig aus- und angeschaltet werden. Dann wäre die 3000-Megawatt-Grenze durchbrochen und ein Blackout möglich.

Klimaexperte Jörg Feddern von Greenpeace sieht dem Ereignis gelassen entgegen: "Die Aktion ist seit langem angekündigt. Die Netzbetreiber wissen, was auf sie zukommt und konnten sich vorbereiten." Die Energieversorger müssten per se auf Schwankungen vorbereitet sein - etwa "wenn zum Fußball-WM-Finale alle gleichzeitig den Fernseher an- und ausschalten". Er betont den symbolischen Charakter der Aktion: Wer teilnimmt, solle in den fünf Minuten darüber nachdenken, was er selbst zum Klimaschutz betragen kann.

bub

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