"Planet Erde" Zwei Monate bei minus 25 Grad


Nie gesehene Jagdszenen, anrührende Nahaufnahmen - die BBC-Produktion "Planet Erde" zeigt noch spektakulärere Bilder als ihr Vorgänger "Unser blauer Planet". Möglich wurde dies durch Kameratechnik aus Hollywood.
Von Thomas Krause

Eine Eisbärin streckt ihren Kopf aus der Schneehöhle, in der sie überwintert und ihre Jungen zur Welt gebracht hat. Noch bevor die zwei Jungtiere ihr aus der Höhle ins Licht folgen können, legt sie sich auf die Seite und rodelt den schneebedeckten Hang herunter. Der Nachwuchs folgt mit noch tapsigen Schritten.

Die Bilder, die die BBC mit der Produktion "Planet Erde" von 200 Drehorten weltweit dank der ARD nun auch in deutsche Wohnzimmer schickt, sind spektakulär. Extreme Nahaufnahmen von Tieren und ihrem Verhalten wechseln mit Satellitenbildern ganzer Erdteile. Die Dreharbeiten waren extrem aufwändig: In fünf Jahren Produktionszeit drehten 40 Kamerateams 10.000 Stunden Filmmaterial.

Nie gesehene Jagdszenen

"Wir wollten versuchen, ein episches Werk zu schaffen, und uns an Hollywood-Produktionen messen", sagt Hew Cordey, einer der Produzenten der Naturdokumentation. Dabei setze die BBC besonders auf die Technologien der Traumfabrik. Für die Luftaufnahmen wurde eigens ein eigenes Kamerasystem entwickelt, das Nahaufnahmen auch aus einer Höhe von 1000 Metern ermöglicht.

So konnte eine Jagd von afrikanischen Wildhunden auf Impalas - eine afrikanische Antilopenart - gefilmt werden, ohne die Tiere durch einen tief fliegenden Hubschrauber zu irritieren. Zum ersten Mal wurde dabei die Jagdtechnik der Wildhunde deutlich: Ihre Gruppe teilt sich so auf, dass sie die Impalas umstellen. Dann versuchen die Raubtiere, einzelne Antilopen in die Fänge anderer Wildhunde zu treiben.

Zwei Monate Warten für wenige Minuten Film

Nur mit Hilfe dieser neuen Technik konnte das Filmteam auch zeigen, welch gigantische Ausmaße Vogelschwärme oder Herden wandernder Karibus annehmen können. Allerdings waren nicht nur die Technik, sondern auch der Etat nah am Hollywood-Niveau: Umgerechnet kostete die Produktion von elf Folgen "Planet Erde" mehr als 23 Millionen Euro.

Manchmal waren es aber auch die Tiere, die den Aufwand und damit die Kosten in die Höhe trieben. Eine nur in der Wüste Gobi lebende Kamelart machte dem Filmteam wochenlang das Leben schwer. Die Tiere verfügen über ausgezeichnete Sinnesorgane und eine hervorragende Kondition. "Sobald sich das Filmteam den Kamelen auf unter vier Kilometer genähert hatte, traten diese die Flucht an und blieben erst 70 Kilometer weiter wieder stehen", sagt Cordey. So vergingen zwei Monate, die die Mannschaft bei minus 25 Grad Celsius in der Wüste ausharrte, ehe verwertbare Filmaufnahmen gelangen.

"Lerneffekt durch faszinierende Bilder"

Die ersten fünf Folgen der außergewöhnlichen Naturdokumentation zeigt die ARD ab dem 4. September immer montags um 21 Uhr. Den Grund für das Engagement vor allem des Westdeutschen und des Bayerischen Rundfunks erklärt ARD-Chefredakteur Thomas Baumann nicht nur mit dem enormen Erfolg der Vorgängerserie "Unser blauer Planet". "Ich glaube, dass die Zuschauer gerade wegen der faszinierenden Bilder einen enormen Lerneffekt haben werden", sagt Baumann. Die verbleibenden sechs Folgen sollen spätestens Anfang 2007 fertig gestellt und dann ebenfalls in der ARD gezeigt werden.

"Planet Erde" kann sich durchaus mit Hollywood-Produktionen messen. Spektakuläre Bilder und Kameraeinstellungen, Zeitraffer und ähnliche filmische Tricks zeigen, wie spannend Naturdokumentationen gestaltet werden können. Auf Computeranimationen wurde komplett verzichtet. Dennoch sind sich die Macher von "Planet Erde" durchaus bewusst, dass sie ihr Ziel erreicht haben: Im Herbst 2007 soll der Film "Planet Erde" in die Kinos kommen.


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