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Alternative Energien: Strom aus der Tiefe

Theoretisch könnte Deutschland seinen gesamten Energiebedarf durch Geothermie decken. Bisher ist die Energieform jedoch noch ein Nischenprodukt. Das zweite Kraftwerk beginnt in dieser Woche mit dem Probebetrieb.

Dicke grüne und dünnere rote Rohre winden sich über ein ehemaliges Kasernengelände am Stadtrand von Landau in der Pfalz. In der Luft hängt ein Geruch wie in einem Thermalbad. Auch wenn das ganze Szenario insgesamt eher unspektakulär wirkt, beginnt am 21. November auf diesem Gelände eine neue Ära für die Stadt: Dann wird das industrielles Geothermiekraftwerk zur Wärme- und Stromversorgung eingeweiht - das zweite seiner Art in Deutschland.

Noch ist der Anteil der Geothermie oder Erdwärme an den Erneuerbaren Energien in Deutschland verschwindend gering. Im Jahr 2003 begann in einer Demonstrationsanlage in Neustadt/Glewe in Mecklenburg-Vorpommern die erste geothermische Stromproduktion in Deutschland. Das zweite Projekt in Landau soll nun rund 6000 Haushalte mit Strom und ca. 300 Haushalte mit Fernwärme versorgen.

Der heiße Ostrheingraben

Die südpfälzische Kleinstadt liegt in einer geothermisch begünstigten Zone, dem Oberrheingraben, der sich von Straßburg bis Worms erstreckt. Rein theoretisch könnte Deutschland seinen gesamten Strom- und Heizbedarf durch die Wärme aus der Tiefe decken. Tatsächlich bieten aber nur wenige Gebiete die geologischen Voraussetzungen dafür - und dazu gehört der Oberrheingraben. "Zwischen Straßburg und Worms finden sich Wärmeanomalien - in 2500 Meter Tiefe liegen die Temperaturen bei etwa 145 Grad Celsius, in 5000 Metern bei etwa 200 Grad", erklärt Peter Hauffe, Geschäftsführer der geox GmbH, die das Landauer Kraftwerk betreibt. Weil nicht so tief gebohrt werden muss, ist der Aufwand geringer als in vielen anderen Regionen. Auch in Orten in der Umgebung von Landau gibt es mehr oder weniger weit fortgeschrittene Geothermieprojekte.

Das Landauer Kraftwerk funktioniert nach dem hydrothermalen Geothermieverfahren, mit dem man Heißwasservorkommen aus tieferen Schichten bis rund 3000 Meter nutzen kann. Dabei wird das etwa 155 Grad warme Wasser über eine Förderbohrung an die Erdoberfläche gebracht und in einem zweistufigen Verfahren abgekühlt. Beim ersten Schritt gibt es seine Wärmeenergie in einen Stromerzeugungsprozess ab, im zweiten Schritt wird die Restwärme von etwa 72 Grad zur Fernwärmeversorgung genutzt. Danach wird das ausgekühlte Thermalwasser über eine zweite Bohrung, die so genannte Injektionsbohrung, wieder in den Untergrund zurückgeleitet, wo es sich über einen längeren Zeitraum wieder erwärmen kann.

15 Millionen Investition

Die Gesamtinvestition für das Projekt liegen bei etwa 15 Millionen Euro. Vom Bund gab es laut Hauffe rund 2,5 Millionen Euro Forschungsgelder, vom Land einen Erkundungszuschuss von 450.000 Euro, die aber zurückgegeben werden müssen, wenn man bei Bohrungen tatsächlich fündig wird. Die erste Schwierigkeit lag darin, eine geeignete Bohranlage zu finden. "Das ist die gleiche Technologie wie bei Erdöl, deswegen sind die Maschinen über Jahre ausgebucht", sagt Hauffe. Am 5. August 2005 konnte schließlich ein polnisches Unternehmen mit der ersten Bohrung beginnen, die 63 Tage dauerte und in 3300 Meter Tiefe reichte. Eine Bohrung kostet laut Hauffe fünf bis sechs Millionen Euro.

Am 5. November 2005 sprudelte nach Öffnung der Bohrung heißes Wasser heraus, das in den folgenden Tagen immer heißer wurde und schließlich als Dampfwolke sichtbar war. Am 22. Januar 2006 begann schließlich die zweite Bohrung in 3170 Meter Tiefe. Ab Juli 2006 wurden die Aufträge für den Kraftwerksbau vergeben, nach Zirkulationstests, dem Aufbau der Kühlung und eines Turbogenerators im Laufe des Jahres 2007 soll nun zum Jahresende der Betrieb beginnen. "Vielleicht kann sich Landau ja bald auch Bad Landau nennen", scherzt Hauffe - denn das gefundene Wasser hat sogar als Thermalwasser eine gute Qualität.

AP / AP