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Artenschutz: Asyl ist letzte Hoffnung für Chinas Tiger

Mit einer ungewöhnlichen Idee versucht eine Chinesin, die letzten Tiger Chinas zu retten: Sie wildert die Jungtiere aus - in Südafrika. Doch das Projekt ist nun gefährdet.

In Afrika wird derzeit die alte Schulweisheit auf den Kopf gestellt, dass es dort keine Tiger gibt. Verantwortlich dafür ist die ebenso ungewöhnliche wie ehrgeizige britische Initiative "Rettet Chinas Tiger". Die Gründerin des privat finanzierten Projektes, Li Quan, brachte 2003 zwei der in ihrer Heimat vom Aussterben bedrohten Tiere vom Zoo in Schanghai in ein Naturreservat in Südafrika. Seitdem trainierten die Jungtiger "Hope" und "Cathay" in der Hügellandschaft Südafrikas für ein Leben in der chinesischen Wildnis.

"In freier Wildbahn gibt es weltweit nur noch 30 chinesische Tiger", erklärt Li Quan ihr Engagement. Der weltweite Bestand wird auf weniger als 100 Tiere geschätzt. Ziel ihrer Initiative ist es, mit der Zucht junger Tiger die letzten chinesischen Großkatzen und damit ein Symbol Chinas zu retten. Li Quan hatte sich einen engen Zeitplan gesteckt: Rechtzeitig zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking wollte sie mit ihren Tigern nach China zurückkehren und sie in noch zu schaffenden Naturreservaten aussetzen. Doch dieses Ziel scheint jetzt in weite Ferne gerückt. Im August starb - kurz vor der Geschlechtsreife - das männliche Jungtier mit dem beziehungsreichen Namen "Hope" - Hoffnung.

"TigerWoods" ist noch zu jung

Trotz des Rückschlags ist Li Quan weiter optimistisch: "Wir glauben fest daran, dass wir unser Ziel Peking 2008 auch nach dem Tod von 'Hope' noch erreichen können." Nachkommen wird es allerdings vorerst nicht geben: Das einzige andere Tiger-Männchen in dem 33.000 Hektar großen Areal, "TigerWoods", ist mit 18 Monaten noch zu jung für "Hopes" verwitwete Partnerin "Cathay" - die Großkatzen werden erst mit dem dritten Lebensjahr geschlechtsreif. "Wir müssen Geduld haben, denn eine andere Möglichkeit zur Zucht haben wir nicht", sagt Li Quan. Pläne zum Import weiterer junger Tiger bestehen, sind aber bisher noch eher vage.

Einen ausgewachsenen Tiger für die Zucht nach Südafrika zu holen, wäre für das Tier zu riskant. Es würde den Transport wahrscheinlich nicht überleben. Im Augenblick liegt daher nun alle Hoffnung auf Tigermännchen "TigerWoods".

China plant Tigerreservat

Die Anregung zu dem Projekt hatte Li Quan bei ihren zahlreichen Reisen gefunden. Sie war in Südafrika so von der Expertise dortiger Wildhüter beeindruckt, dass ihr spontan die Idee kam, einige der rund 60 in Zoos gehaltenen chinesischen Tiger auszuwildern. Ihr Ansatz setzt auf Unterstützung der südafrikanischen wie der chinesischen Regierung.

Kritiker halten dem Projekt vor, die Umgebung entspreche nicht dem natürlichen Lebensraum der Tiere und Tiger hätten nichts in Afrika zu suchen. Li Quan weist die Kritik zurück. "In China wird noch immer darüber verhandelt, wo das erste Naturreservat für die ausgewilderten Tiger entstehen soll. Erst im Dezember fällt die Entscheidung über das Pilotprojekt. Aber wir müssen sofort etwas für die Tiger tun. In welchem Land spielt für die Tiere keine Rolle."

Ilka Kreutzträger/DPA / DPA