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CO2-Killer: Mit Algen das Klima retten

Im Kampf gegen den klimaschädlichen CO2-Ausstoß glauben Bremer Forscher, eine Art Wunderwaffe mit dreifacher Wirkung gefunden zu haben: Algen. In Bioreaktoren sollen sie CO2 aus der Luft filtern und gleichzeitig Biosprit und Baumaterial produzieren.

Zahlreiche Gletscher schmelzen, das Eis am Nordpol geht zurück. Als Ursache gilt der Klimawandel, angetrieben vor allem durch das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2). Politik wie Wissenschaft bemühen sich, den Ausstoß dieses Gases zu reduzieren. Gefragt sind regenerative Kraftstoffe, nicht zuletzt auch weil die Vorräte an Erdöl und -gas zur Neige gehen. Was läge also näher, als das unerwünschte CO2 in Biosprit umzuwandeln? Dieser Frage haben sich Wissenschaftler aus Bremen gewidmet. Forscher der privaten Jacobs Universität arbeiten an einem Projekt, bei dem Meeresalgen die CO2- Abgase von Kraftwerken auffangen und später zu Biosprit verarbeitet werden sollen.

"In zehn Jahren, an der Mittelmeerküste, könnte es Flächen von 20 bis 30 Quadratkilometern geben, die in großem Maßstab CO2 reduzieren", stellt sich Professor Laurenz Thomsen von der Jacobs Universität die Zukunft der Algen-Bioreaktoren vor. Die CO2-haltigen Abgase von Kraftwerken werden dabei durch ein Gemisch aus Algen und Meerwasser geleitet. Die Algen ziehen nicht nur das Kohlenstoffdioxid aus der Luft, sondern bilden gleichzeitig Biomasse. Diese ist verwendbar zur Gewinnung von Öl und Bioethanol, die als Kraftstoffe in Fahrzeugen eingesetzt werden könnten.

Mit Algen Häuser bauen

Doch Thomsen hat noch weitere Pläne: Maximal die Hälfte der Biomasse will er in Treibstoffe umwandeln - der Rest könnte eine Zukunft als Baustoff haben. Dieser könnte als Isolationsmaterial, zum Fundament- oder sogar zum Häuserbau genutzt werden. "Da gibt es aber noch Forschungsbedarf", sagt der Geowissenschaftler.

Der Kraftwerksbetreiber Stadtwerke Bremen (swb) verfolgt das Projekt aufmerksam. Es gebe ja bereits die Möglichkeit der Einlagerung von CO2 unter die Erde, sagt Unternehmenssprecherin Petra Gaebe. "Aber es ist deutlich charmanter, dass es durch die Algen vernichtet wird." Wenn das Projekt Marktreife habe, sei eine Zusammenarbeit durchaus interessant. Schwierigkeiten sieht Gaebe aber beim Platzbedarf. Das weiß auch Thomsen. Deswegen und weil die Algen viel Sonne brauchen, will er die Anlagen auf landwirtschaftlich unbrauchbaren Flächen beispielsweise in Südspanien aufbauen. Von der Beschaffenheit des Bodens sind die Bioreaktoren unabhängig, weil sich die Algen zusammen mit dem Meerwasser in Rohren befinden. Nähe zu Wasser oder fruchtbarer Erde ist nicht notwendig.

"Wir brauchen erstmal eine Demonstrationsanlage"

Die Bioreaktoren können nie die einzige Maßnahme gegen einen übermäßigen Klimawandel sein, sagt Thomsen. "Aber sie sind ein weiteres Bausteinchen." Derzeit ist die Technologie noch zu teuer. "Und die Energiekosten sind zu hoch", sagt Thomsen. Noch würde für eine Algenanlage zu viel CO2 wieder in die Luft geblasen. Aber auch hier bahnt sich eine Lösung an. Die Jacobs Universität arbeitet mit einer Firma zusammen, die sich mit der Reinigung von Ballastwasser bei Schiffen befasst. "Die Methode, das Schiffswasser von Algen zu reinigen, hilft uns jetzt bei unserer Technologie", erläutert Thomsen. Mit der Zusammenarbeit könnten Energie- und Produktionskosten gesenkt werden, so dass sich ein Bioreaktor bald lohnen könnte. "Wir brauchen jetzt erstmal eine Demonstrationsanlage, um das zu beweisen", sagt Thomsen. "Aber im Grunde ist es nur noch eine Frage der Zeit."