HOME

Eichenprozessionsspinner: Eine atemberaubende Raupe

Der Eichenprozessionsspinner ist ein unscheinbarer Schmetterling. Nicht so seine Raupen: Sie fressen ganze Eichen kahl, und beim Menschen verursachen die feinen Härchen Juckreiz, Hautausschlag und sogar Asthma.

Giftige Raupen des Eichenprozessionsspinners machen derzeit Eichen und Menschen zu schaffen. "Die Härchen der Raupen können einen unangenehmen Juckreiz verursachen, dem ein Ausschlag folgt. Auch Reizungen der Augen und Atemwege bis hin zu Asthma-Anfällen können ausgelöst werden", sagt Alfred Wulf von der Biologischen Bundesanstalt (BBA) in Braunschweig. Die Raupen können Eichen total kahl fressen, andere Bäume stehen nicht auf ihrem Speiseplan. Insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg seien die Tiere derzeit zu Gange, aber auch in Hessen, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und in Sachsen-Anhalt seien einzelne Gebiete betroffen.

Die Raupen lieben Wärme

"Die Population ist seit dem langen, trockenen Sommer 2003 langsam gewachsen", sagt Wulf. Die Raupen bevorzugen trockenes, kontinentales Klima. In dichten Eichenwäldern tritt der Schädling allerdings kaum auf, eher in einzeln stehenden Bäumen oder an Waldrändern, wo ausgiebig die Sonne scheint. "Das ist ein Wärme liebendes Insekt", sagt der Fachgebietsleiter Waldschutz bei Hessen-Forst in Kassel, Ulrich Bressen. Befallen die Raupen eine Eiche an einem Campingplatz, einer Minigolfanlage oder in Parks, beginnen die Probleme für Menschen. In Dreieich in Südhessen musste die Stadt in diesem Jahr bereits einen Kindergarten und eine Schule wegen der Raupenplage zeitweise schließen.

Die mikroskopisch kleinen Brennhaare insbesondere der älteren Raupen bohren sich in die Haut und sondern ein Eiweißgift ab, das allergische Hautreaktionen hervorruft. Die anfangs gelblich-braunen kleinen Raupen werden später schwärzlich-grau und erreichen eine Länge von maximal fünf Zentimetern. Später werden dann unscheinbare, gräuliche und vor allem ungefährliche Schmetterlinge aus den Raupen. Ihren Namen haben die Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) von der Eigenart, als Raupen nachts in "Prozessionen" von ihren Nestern aus zum Fressen in die Kronen der Eichen zu wandern.

Fachmännische Entsorgung erforderlich

Bressen warnt davor, die Raupen zu berühren oder die Nester selbst zu beseitigen. "Das müssen Schädlingsbekämpfer machen, die vom Scheitel bis zur Sohle in einem Schutzanzug stecken", sagt er. "Hier sind besonders die Feuerwehrleute gefragt", sagt auch BBA-Mitarbeiter Wulf. Problematisch seien die bis zu einem Meter langen so genannten Gespinste, die die Raupen als Nester zwischen den Ästen bauen. Mit einem Wasserstrahl aber auch beim Abflämmen würden die giftigen Härchen oft nur verwirbelt. Bewährt hätte sich dagegen eine fachmännische Bekämpfung mit Bindemitteln.

Wer unfreiwillig Kontakt mit den Raupen hatte, sollte intensiv duschen und die Kleidung waschen. "Die Raupenhaare besitzen eine lange Wirkungsdauer, sammeln sich im Unterholz und haften an Kleidung und Schuhen", sagt Wulf. Selbst nach einem Jahr könnten sie noch gefährlich werden.

Anita Pöhlig/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel