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Eisbären: Der König und sein schmelzendes Reich

Sie sind die unangefochtenen Könige einer klirrend kalten Eiswelt. Doch während sich in Berlin die Zoobesucher vor Knuts Gehege drängeln, kämpfen die wilden Vettern des Eisbärbabys gegen die Folgen des Klimawandels.

Von Marcus Anhäuser

Knut ist gut. Wer wollte anderes behaupten, wenn selbst dem renommierten Fachmagazin "Nature" das Schicksal des kleinen Eisbären eine Meldung wert ist - natürlich mit Bild. Doch bei aller Begeisterung für den kleinen Knuddel: Am Ende ist er nur das süße Symbol einer vom Aussterben bedrohten Art. Denn während sich die Berliner Zoobesucher vor dem Gehege des kleinen Bären drängeln, kämpfen Knuts wilde Vettern gegen die Folgen des Klimawandels. Das Ende ist ungewiss.

Auch wenn man es dem kleinen Berliner Racker noch nicht ansieht, als Erwachsener wird er ein Vertreter der größten Landraubtierart auf dem Planeten sein. Mit einer halben Tonne Kampfgewicht sind Eisbärmännchen die unangefochtenen Könige der klirrend kalten Eiswelt rund um den Nordpol. Die Königinnen sind nur halb so schwer und bringen ein bis zwei kleine Knuts pro Jahr zur Welt.

Der Mythos vom lichtleitenden Fell

Eisbären sind die geborenen Killer aus der Kälte. "Eine elf Zentimeter dicke Speckschicht kombiniert mit besonderen Fell- und Hauteigenschaften isolieren den Körper exzellent und halten die Körpertemperatur von 37 Grad Celsius auch bei nachweislich minus 37 Grad konstant", sagt Scott Schliebe, einer der Autoren des kürzlich veröffentlichten Zustandberichtes über die Eisbären des U.S. Fish and Wildlife Services. Die schwarz pigmentierte Haut absorbiert Sonnenstrahlung und damit Wärme viel besser als die helle Haut anderer Säuger. Das dicke Fell isoliert den Körper zwar sehr gut, dank vieler kleiner Luftkammern in den Haaren. Allerdings werden die Eigenschaften der farblosen Fellhaare seit Jahren regelmäßig überschätzt.

Es sei ein nicht aus der Welt zu schaffender Mythos, dass die Haare die wärmenden Sonnenstrahlen wie Lichtleitfasern bis zur schwarzen Haut des Bären leiten, sagt Physiker Daniel Koon von der St. Lawrence University in Canton, USA. "Die Haare verhalten sich nicht wie Lichtleitfasern, weder im ultravioletten noch im sichtbaren Licht." Aufgekommen sei die Idee in den achtziger Jahren, als Wissenschaftler feststellten, dass das Eisbärfell im UV-Licht schwarz erscheint, also Ultraviolett absorbiert. "Meine Labormessungen zeigen, dass es gerade mal ein Tausendstel eines Prozents von rotem Licht durch ein Haar von einem Inch (2,54 Zentimeter) Länge schafft. Dieselbe winzige Menge UV-Licht schafft es nicht mal ein Fünftel der Strecke durch dieses Haar", schreibt er auf seiner Homepage.

Sie sind gefeit gegen Kälte - und gegen Hungerperioden

Doch der Eisbär, den die Inuit Nanuq nennen, verfügt über andere Waffen gegen die Kälte. Tatsächlich sind die Bären so gut gegen die Kälte geschützt, dass sie eher mit dem Problem kämpfen zu überhitzen. Es gibt nur wenige Stellen, an denen die Körperwärme einen Ausweg aus dem Speck isolierten Körper findet - wie Schnauze, Nase, Ohren, Fußpolster, die Innenseite der Schenkel und die Schulter, an der Blutgefäße wenige Millimeter unter der Haut verlaufen.

Eisbären sind nicht nur gegen die Kälte gefeit, sondern auch gegen längere Hungerperioden. "Sie haben die unter Bären einzigartige Möglichkeit, den Körper immer wieder nach Bedarf in einen Winterschlaf-ähnlichen Zustand zu versetzen", sagt Schliebe. So fahren sie den Stoffwechsel herunter und verhindern, dass die Fettreserven zu schnell aufgebraucht werden. "Das, zusammen mit der Fähigkeit Fett mit einer Effizienz von 98 Prozent zu verdauen, ist sicher die wichtigste Anpassung an die arktische Umwelt", sagt Schliebe.

Stundenlang harren sie vor den Atemlöchern aus

Das Reich der Eisbären wächst und schrumpft jedes Jahr aufs Neue - von rund 15 Millionen Quadratkilometern im winterlichen März auf etwa sieben Millionen Quadratkilometer im sommerlichen September, ein Verlust etwa so groß wie Australien. Denn was die meisten vergessen: "Etwa zwei Drittel der Arktis sind Meer", sagt Schliebe. Wenn die Temperaturen anziehen, wächst die Meereisgrenze nach Süden bis an die kontinentalen Grenzen Asiens und Amerikas. Dann ist Jagdsaison für die Eisbären. Und sie haben eine Vorliebe: Ringelrobben.

Wie sie jagen, wie sie leben und was ihre Zukunft bedroht

Knuts wilde Verwandte stürzen sich besonders gern auf Robbenbabys. Nach einer Schätzung kanadischer Forscher Anfang der neunziger Jahre töten Eisbären fast jedes zweite Jungtier im Frühjahr. "Das kann aber regional sehr unterschiedlich sein", beteuern Scott Schliebe und seine Co-Autoren. Nach der Robbenbabyzeit konzentrieren sie sich vor allem auf junge, unerfahrene Tiere.

Stundenlang können die Bären an den Atemlöchern der Robben ausharren, um dann im entscheidenden Moment blitzschnell und mit der ganzen Kraft ihrer Pranken und dem spezialisierten Raubtiergebiss die 60 Kilo schweren Meeressäuger aus dem Wasser zu zerren. Blutig roter Schnee um ein Eisloch markiert eine erfolgreiche Jagd in den Weiten der Eiswüste.

Sie jagen gewaltige Fleischberge wie Walrosse und Narwale

Den Sommer über zehren die Eisbären vor allem ihre Fettreserven auf. Anders als bei Grizzlys oder Schwarzbären besteht ihr Speiseplan fast nur aus Fleisch. Die braunen und schwarzen Verwandten sind Allesfresser, die auch mit Beeren, Nüssen oder anderen Pflanzenteilen über die Runden kommen. Ursus maritimus dagegen, wie der Eisbär wissenschaftlich genannt wird, macht seiner Stellung an der Spitze der Nahrungskette alle Ehre.

Die eisigen Riesen stürzen sich im Winter nicht nur auf die bevorzugten Ringelrobben, sondern auch mal auf so gewaltige Fleischberge wie Walrosse, Narwale oder Belugawale. Im Sommer ist dann die meist Fasten angesagt, auch wenn Bärenforscher vereinzelt berichten, der König der Arktis fresse menschlichen Müll oder grüne Kost.

Ohne das Meereis haben sie keine Chance

So gut die Eiskönige an die harschen Bedingungen ihres Riesenreiches auch angepasst sind: Die Spezialisierung wird ihnen in diesem Jahrhundert zum Verhängnis, ihre Welt schmilzt ihnen buchstäblich unter den Sohlen weg - und nicht nur für einen Sommer, sondern möglicherweise für immer. Verschiedene Modellrechnungen sagen voraus, dass das Meereis bis zum Ende des Jahrhunderts verschwinden könnte, weil es einfach nicht mehr kalt genug wird im Winter.

Forscher und Organisationen sind sich weitgehend einig: Ohne das jährlich wiederkehrende Meereis haben Knuts Verwandte so gut wie keine Chance. "Eisbärforscher weltweit machen sich wirklich Sorgen um das Überleben der Eisbären", sagt Kit Kovacs vom Norwegischen Polarinstitut in Tromsø. Verschwinde das Meereis oder bilde sich an immer weniger Stellen, werde es immer weniger Ringelrobben geben. Der Speiseplan der wählerischen Eisbären biete dann nichts mehr zum Überleben. Außerdem: "Damit verschwinden auch die traditionellen Wanderrouten zu den Geburtsplätzen und den Futterplätzen im Sommer", sagt Kovacs.

Wachsen die Lücken zwischen Eisplatten, müssten die Bären immer öfter Strecken schwimmend zurücklegen - der Energieverbrauch steigt. Mit schwer wiegenden Folgen nicht nur für die Bären: Hungrige Tiere sind aggressiver und schrecken auch nicht mehr vor menschlichen Siedlungen zurück. Russische WWF-Forscher meldeten im Dezember 2006 nächtliche "Belagerungen" des Ortes Vankarem durch bis zu dreißig Eisbären.

Erste Anzeichen vom Ende der eisigen Riesen?

Das arktische Meereis sei bereits messbar zurückgegangen. "Es taut früher im Jahr auf und bildet sich später", so der World Wildlife Fund (WWF). In der kanadischen Hudson Bay läutete das aufbrechende Eis 2004 den Frühling zwei Wochen früher ein als 1984. Die Western Hudson Bay Eisbärgruppe schrumpfte von etwa 1194 im Jahr 1987 auf 934 im Jahr 2004. Kit Kovacs: "Der Zustand der Erwachsenen hat sich verschlechtert, weil sie weniger Fettreserven anlegen, als sie sollten. Die Zahl der Jungtiere geht zurück", sagt Kovacs.

Bisher handelt es sich nur um statistische Zusammenhänge - ob der Rückgang tatsächlich mit dem früher einsetzenden Frühling zusammenhängt, dieser Verdacht muss sich noch erhärten. Aber: "Das ist die südlichste Verbreitung der Eisbären, und genau da würden wir die ersten Anzeichen für die Folgen des Klimawandels erwarten", sagt Kit Kowacs. Es wären die ersten Anzeichen vom Ende der eisigen Riesen.

Forscher vergleichen Eisbären inzwischen mit den Kanarienvögeln, die Bergleute früher in die Stollen mitnahmen. Die Tiere bemerkten als erste Sauerstoffmangel oder giftige Gase; sie wurden unruhig oder fielen tot von der Stange. Dann wurde es Zeit zu handeln.

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VERNUFT -- grundsätzlich als KRIMINELL definiert ??
Kinder und Hartz4-Empfänger werden „zur Vernunft“ diszipliniert. Persönliches Fortkommen, ohne Stillstand, ist das, was man vorgibt. Zweifel seien unvernünftiges Verhalten; Widerspruch, krankhaftes. Rationales oder pragmatisches Verhalten wird nur der „Führung“ (also dem Regierungs- und Verwaltungsapparat) zugebilligt. Nirgends ist ein demokratische Verhalten hinsichtlich der „Führung“ definiert. Demokratie bedeutet: man gibt der gewählten Führung den Auftrag, dem Volk (exakt dem Wohl des Einzelnen) zu dienen. Statt dessen werden Gruppeninteressen vertreten, die ein starkes Veto einlegen oder die Richtung (eigene Vernunft) straffrei umsetzen dürfen. Was ist Vernunft ? Wir kennen nur „unsinnige“ Gruppeninteressen, wie a) den Bau eines Schutzwalles gegen Imperialisten b) den Bau eines weltbedeutenden Drehkreuz-Flughafens (als Abschreckung der Konkurrenz) c) die Einführung von Hartz4 (Motto: nur Billig-Arbeit macht reich) d) eine Mobilität, wo Jedem erlaubt wird so schnell zu fahren, wie er sich es finanziell leisten kann e) ein gewinnorientiertes Verhalten, das „Schwache“ (entgegen der Gesetzeslage) „übertölpelt und ausraubt“; 1) Menschen werden kaufsüchtig / spielsüchtig / sexsüchtig gemacht, mit staatlicher Förderung >> Vogelfreiheit 2) der Enkeltrick ist eine Ableitung des kapitalistischen Systems >> SUB-Randgruppe gegen SUB-SUB-Randgruppe Vernunft heißt ursprünglich: „den eigenen Trieben Einhalt zu gebieten -- Anderen Freiheiten zu geben !!“ (Antikes Rechtsmotto) „Vernunft heißt, Anderen Frieden zu gewähren und Selbst im Gegenzug zu beziehen“ (Biblisches Gemeinwohl ) Warum geht das nicht in einer DEUTSCHEN Demokratie ? Fehlt den Deutschen die Einsicht ? Fehlt den Deutschen ein demokratisches Verständnis ? .. oder sogar Beides ? Oder kann sich in Deutschland nur jemand (verhaltensgestörtes Egozentrisches) politisch an die Spitze setzen, der BEIDES eben gerade nicht praktiziert und umsetzt, gegen die Schwächeren „vernünftig Handelnden“ ???? ... ähnlich, wie das bei kriminellen Banden die Regel ist ? Ist kriminelle Egozentrik nicht die beste Vernunft ? ... Resumee: das sollten die Kinder und Hartz4-Empfänger angeleitet werden, solches ebenfalls umsetzen ? ... sich nicht manipulirren / ausnutzen zu lassen, um nicht in einer Endlosschleife einer Opferrolle zu verharren ?