Elternhormone Warum Pinguine zu Kidnappern werden


Wenn ein Kind stirbt, ist es für die Eltern ein schwerer Schlag - auch bei Kaiserpinguinen. Die Tiere reagieren auf bizarre Weise: Für ein paar Stunden kidnappen sie ein fremdes Jungtier. Forscher wissen nun, was das Verhalten auslöst.

Kaiserpinguine rauben nach dem Verlust eines Jungen oft den Nachwuchs ihrer Artgenossen - nur um die entführten Küken nach ein paar Stunden ihrem Schicksal zu überlassen. Ursache für dieses sinnlos erscheinende Verhalten ist ein ungewöhnlich hoher Spiegel des Elternhormons Prolaktin, haben französische Forscher nun herausgefunden. Wird der Hormonspiegel bei den Wasservögeln künstlich gesenkt, kommen die Entführungen sehr viel seltener vor. Über ihre Entdeckung berichten Frederic Angelier vom biologischen Forschungszentrum in Chize und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "The Journal of Experimental Biology".

Prolaktin verhindert Kidnapping in den meisten Fällen

Der bei Kaiserpinguinen häufige Kinderraub hat weder für den Kidnapper noch für das Opfer ersichtliche Vorteile, da das Küken meistens bereits nach wenigen Stunden allein zurückgelassen wird. Warum dieses Verhalten trotzdem so verbreitet ist, war bisher ein Rätsel. Angelier und seine Kollegen vermuteten jedoch, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Hormon Prolaktin und den Entführungsfällen geben könnte, da das Hormon für das Brutpflegeverhalten bei den Tieren verantwortlich ist.

Um ihre Vermutung genauer zu untersuchen, fingen die Wissenschaftler einige Elterntiere nach dem Verlust ihrer Küken ein und bestimmten die Prolaktinkonzentration im Blut. Anschließend senkten sie bei der Hälfte der Pinguine den Prolaktinspiegel mit dem Wirkstoff Bromocriptin künstlich ab, während die andere Hälfte der Tiere eine wirkungslose Injektion erhielt. Die Forscher ließen alle Pinguine wieder frei und beobachteten ihr Verhalten. Das Ergebnis: Zwar kam Kinderraub auch bei den mit Bromocriptin behandelten Pinguinen noch vor, die Wahrscheinlichkeit für eine Entführung war aber 4,5-mal kleiner als bei Tieren der Kontrollgruppe.

Lange Trennungen beeinflussen den Hormonspiegel

Im Gegensatz zu den meisten anderen Vogelarten hängt der Prolaktinspiegel bei einigen Pinguinarten nicht vom Verhalten oder auch nur der Anwesenheit eines Kükens ab, so dass er auch nach dem Verlust von Nachwuchs oder Gelege auf unverändert hohem Level bleibt. Ein Grund dafür könnten die langen Reisen in eisfreie Gegenden sein, die Kaiserpinguine während der Brutpflege zur Futtersuche unternehmen müssen.

Der gleichbleibend hohe Prolaktinspiegel soll das Elterntier wahrscheinlich dazu motivieren, auch nach langer Trennung wieder zu seinem Jungtier zurückzukehren, erklären die Forscher. Dies könnte, zusammen mit dem kollektiven Brüten in der Pinguinkolonie und dem Fehlen definierter Territorien, der Grund für den häufigen Kinderraub bei Kaiserpinguinen sein.

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