Enten-Massenkeulung Tod durch Strom


Es war die größte Tötungsaktion dieser Art: Mehr als drei Tage lang wurden 205.000 Enten im bayerischen Schwandorf gekeult, aus Angst vor Vogelgrippe. Norbert Sandner, Direktor des Veterinäramtes Schwandorf, über Tötungsmaschinen, Tierärzte im Dauereinsatz und die Entsorgung der Kadaver.

Norbert Sandner ist Tierarzt und Direktor des Veterinäramtes Schwandorf

Herr Sandner, für die Keulung der 205.000 Enten wurden spezielle Maschinen benutzt, die die Tiere mit Strom töteten. Wie funktionierte das genau?

Das sind sogenannte Elektrotötungsanlagen, bei denen die Enten durch Eintauchen des Kopfes in ein Wasserbad durch Strom getötet werden. Ganz ähnlich wie bei der Betäubung im Schlachthof - nur länger. Die Ente wird dabei in ein Transportband eingehängt und dann automatisch in das Wasserbad abgesenkt.

Ist sie dann sofort tot?

Innerhalb von wenigen Sekunden.

Wie viele Anlagen hatten sie in Betrieb?

Bayern hat zwei dieser Tötungsanlagen vorrätig. Aufgrund des Umfangs der Aktion wurde noch eine Spezialfirma beauftragt, die eigene Anlagen mit eingebracht hat.

Die gefährliche H5N1-Virusvariante wurde in einem Nachbarbetrieb nachgewiesen, der mit diesem in Schwandorf Kontakt gehabt hatte. Doch direkt nachgewiesen bei den Enten in Schwandorf war das Virus nicht. Dennoch entschloss man sich zu dieser Aktion - warum?

Es wurden bei den Schwandorfer Enten Viruspartikel nachgewiesen. Dass die Enten tatsächlich die gefährliche H5N1-Variante hatten, wurde erst während der Keulung in einer Folgeuntersuchung bestätigt.

Das heißt, die Keulung begann, bevor das gefährliche H5N1-Virus nachgewiesen war - sozusagen als Vorsorgemaßnahme?

Ja, die Bestätigung erfolgte erst während der Aktion.

Pro Stunde wurden 10.000 Enten gekeult, mehr als drei Tage lang - war das nicht sehr belastend für die beteiligten Tierärzte?

Ja, teilweise waren die Leute bis zu 10 Stunden im Einsatz. Es gab Gruppen, die sich immer wieder abgewechselt haben.

Bekamen die Tierärzte psychologische Betreuung?

Nein.

Was passiert nun mit den Kadavern?

Die toten Enten werden zu Tiermehl verarbeitet und dann verbrannt.

Interview: Jens Lubbadeh

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