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Gentechnik: Gen-gestählte Moskitos gegen Malaria

Moskitos, die bei der Ausrottung der Malaria helfen sollen, Raupen, die Seiden für kugelsichere Westen spinnen - die Gentechnik macht es möglich.

Moskitos, die bei der Ausrottung der Malaria helfen sollen, Raupen, die Seiden für kugelsichere Westen spinnen - die Gentechnik macht es möglich. Und schon bald könnten derart genetisch veränderte Insekten im Freilandversuch zum Einsatz kommen. Bei Verbraucherschützern läuten schon die Alarmglocken.

Mögliche Auswirkungen auf den Menschen nicht absehbar

Anders als beim Pflanzenbau, wo gentechnisch modifizierte Exemplare noch einigermaßen gut von herkömmlichen abgegrenzt werden können, werden die Gen-Insekten gezielt zur Beeinflussung der natürlichen Populationen gezüchtet. So sollen die Malariamücken aus dem Labor das Gen gegen die gefährliche Tropenkrankheit auf ihre Artgenossen übertragen. Oder Tsetse-Fliegen sollen so die Fähigkeit verlieren, die tödliche Schlafkrankheit zu übertragen.

Die Hoffnungen sind groß, dass Gen-Insekten Krankheiten auslöschen und Millionen Menschen das Leben retten können. Groß ist aber auch die Furcht vor nicht absehbaren Auswirkungen. Verbraucher und auch zahlreiche Wissenschaftler rufen nach verschärften Regulierungen, um schädliche Konsequenzen für Mensch und Umwelt möglichst zu vermeiden. Untersuchungen über möglichen Folgen stecken ihrer Ansicht nach noch in den Kinderschuhen, obwohl so mancher Forscher bereits darauf dringt, seine genetisch veränderten Insekten aus dem Labor entlassen zu können.

In den USA hat diese Entwicklung die Pew-Initiative für Lebensmittel und Biotechnologie auf den Plan gerufen. Noch sei Gelegenheit für Schutzmaßnahmen, erklärt sie in einem in der vergangenen Woche veröffentlichtem Bericht. "Normalerweise ist die Biotechnologie den Vorschriften immer einen Schritt voraus", sagt Wissenschaftsleiter Michael Fernandez. "In diesem Fall haben wir noch die Zeit."

Bob Rose von der US-Landwirtschaftsbehörde betont, die Forschung von Biotechnologie-Insekten stehe noch am Anfang. Doch auch er räumt ein, dass detailliertere Regelungen nötig seien, um Schlupflöcher zu stopfen. Bei der Züchtung und Vermarktung des "Glofish", eines fluoreszierenden Zebrafischs, übernahm keiner die Aufsicht, weil keine Behörde diese Haustiere explizit in ihrem Zuständigkeitsbereich führte.

Drei Millionen Malaria-Tote jährlich

Anthony James von der University of California in Irvine sieht die Pew-Initiative allerdings mit Skepsis. Er fürchtet, dass Forderungen nach stärkerer Regulierung seine Forschung und den Kampf gegen Malaria bremsen könnten. James arbeitet an einem Gen, das das Immunsystem von Moskitos zur Abwehr der Malaria-Parasiten befähigen soll. Mehrere hundert Millionen Menschen erkranken jährlich an Malaria, mehr als drei Millionen sterben jedes Jahr daran.

Auch Thomas Miller, Forscher der University of California in Riverside, ist von der Gentechnik bei Insekten überzeugt. Sein Ziel ist es, Pflanzenschädlingen ihre Kraft zu nehmen und somit Ernten und Profite zu steigern. Mit einem Ein-Millionen-Stipendium der kalifornischen Baumwollindustrie will er Baumwollmotten so programmieren, dass sie ein tödliches Gen vererben und sich die Schädlinge selbst zerstören, bevor sie den Pflanzen schädlich werden können. Weitere Forschung sei aber unabdingbar, bevor die Tiere in die freie Natur entlassen werden können, räumt Miller ein. "Ich habe keine Ahnung, was sie da draußen machen werden."

Paul Elias, AP

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