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Gletschermumie: Pollenanalyse zeigt: Ötzi starb im späten Frühjahr

Das Rätsel um eine der ältesten Kriminalfälle der Menschheitsgeschichte ist wieder ein Stück entschlüsselt worden: Der Gletschermann Ötzi ist nach neusten Erkenntnissen im späten Frühjahr gestorben.

Der Steinzeitmensch Ötzi starb im späten Frühjahr. Das gehe aus Pollen in Stuhlproben der Gletschermumie hervor, schreibt das Heidelberger Magazin "Spektrum der Wissenschaft" in seiner Juli-Ausgabe. Die Proben aus dem Dickdarm enthielten demnach Pollen der Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia), die nur im späten Frühjahr und Frühsommer im Schnalstal blühe. Sie seien zum Todeszeitpunkt noch frisch gewesen. "Wahrscheinlich hat er die Pollen unbeabsichtigt mit dem Trinkwasser aufgenommen", erläuterte der Archäo-Botaniker Klaus Oeggl von der Universität Innsbruck.

Bislang hatten Forscher angenommen, Ötzi sei mit großer Wahrscheinlichkeit entweder im Frühjahr oder Spätherbst von einer Pfeilspitze getroffen worden und gestorben. Im Winter waren die meisten Pässe für bronzezeitliche Menschen unbegehbar. Der Sommer war ebenfalls ausgeschlossen worden, da die Leiche zu einer verhältnismäßig warmen Jahreszeit auch oberhalb der Gletschergrenze nicht so gut konserviert worden wäre. Mit Gentests und Computertomographien hatten Wissenschaftler herausgefunden, dass Ötzi Mitte 40 war - recht alt für einen Menschen vor 5000 Jahren. Zudem litt er an verkalkten Adern und Durchfall.

Erst kürzlich hatte der tschechische Schuh-Ingenieur Petr Hlavacek Ötzis Schuhwerk gepriesen. Die Schuhe seien besser für die Hochalpen geeignet gewesen als moderne Trekkingschuhe, sagte Hlavacek bei einer Vorstellung seiner Rekonstruktion des Ötzi-Schuhs im Offenbacher Ledermuseum. In dem mit Heu gefütterten Treter mit einer relativ dünnen Sohle aus Bärenleder bleibe der Fuß optimal temperiert, Schweiß gelange gut nach außen, und auch eindringendes Wasser sei schnell wieder verschwunden. Wasserdicht sei Ötzis vor mehr als 5000 Jahren handgefertigtes Schuhwerk jedoch keineswegs gewesen.

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