HOME

Globale Erwärmung: Klimawandel trifft den Osten besonders hart

Heißere Sommer und mehr Regen im Winter - auch Deutschland bleibt von der Erderwärmung nicht verschont. Das erfordert Anpassung: Klimaforscher sehen teure Zeiten kommen, besonders für den Osten.

Immer weiter steigt die durchschnittliche Temperatur auf der Erde an, mit verheerenden Folgen für die Umwelt. Das Eis am Nordpol schmilzt schneller denn je, und der Meeresspiegel steigt stetig. Auch Deutschland bleibt nicht verschont: Der Klimawandel könnte Ostdeutschland in den kommenden Jahrzehnten spürbar mehr zu schaffen machen als dem Westen der Republik. Das geht aus den neuesten Klima-Szenarien des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (Pik) hervor, die am Montag in Berlin vorgestellt wurden.

"Ostdeutschland wird durch größere Hitzewellen im Sommer und mehr Niederschläge im Winter wahrscheinlich härter getroffen", erläutert Pik-Direktor Hanns Joachim Schellnhuber. Bei jetziger Gesetzeslage müssten sogar Kraftwerke an Flüssen zeitweise abgeschaltet werden, weil das Kühlwasser zu warm werde. Insgesamt treffe die Erderwärmung aber jede Region anders.

Temperaturen könnten um rund vier Grad Celsius steigen

Erstmals haben Klimaforscher des Pik und der Berliner Humboldt-Universität die Auswirkungen der Erderwärmung bis zum Jahr 2100 bis auf die deutschen Landkreise heruntergebrochen. Gleichzeitig zeigen sie mögliche Effekte auf Land-, Forst- und Energiewirtschaft auf. Die Wissenschaftler rechnen dabei nicht mit Horror-Modellen, sondern orientieren sich an den Temperaturmessungen in Deutschland seit 1901. Allein zwischen 2001 und 2010 wurde es den Angaben zufolge hier je nach Region zwischen 0,25 und zwei Grad wärmer.

Geht das genauso weiter, steigen die Temperaturen nach den Pik-Szenarien zwischen 2011 und 2100 um 3,6 bis 4,1 Grad Celsius. Deutlich weniger Niederschläge könnten die Wasserbilanz im ohnehin schon trockenen Brandenburg weiter verschlechtern. Für den Westen sei der ausbleibende Regen nicht so dramatisch, erläutert Pik-Forscher Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe. Denn bis auf Teile des Rheingrabens gibt es dort heute noch vergleichsweise hohe Niederschlagsmengen. Die Unterschiede machen das eher maritim geprägte Klima in Westdeutschland und das eher kontinental beeinflusste Klima im Osten der Republik aus.

"Wir müssen uns anpassen", folgert HU-Klimaforscher Wilfried Endlicher. Droht Trockenheit, können Regionen zum Beispiel durch Wasserrückhaltebecken oder künstliche Bewässerung Vorsorge treffen. Auch der Winterregen sollte besser nicht durch Drainagen abgeleitet werden, sondern versickern. Das hebt den Grundwasserspiegel. Landwirte müssen sich dann aber den Experten zufolge darauf einrichten, dass ihre Felder bis Februar unter Wasser stehen können.

Investitionen für Anpassungen an das veränderte Klima sind notwendig

Auch auf Großstädte kommen neue Aufgaben zu. "Bei Hitzewellen verdoppelt sich die Sterblichkeit", sagt Endlicher. Es müsse mehr Gesundheitsvorsorge für alte Menschen geben - und es werde dazu noch deutlich mehr alte Menschen geben als heute. "Das ist alles noch nicht in unseren Köpfen drin", ergänzt er. Auch Straßenbäume und grüne Lungen bekämen ein ganz neues Gewicht. "Wir dürfen in den Innenstädten nicht alles zubauen."

Gleichzeitig müssen Forstwirte in deutschen Wäldern weiter vorausdenken als heute. Denn für Buchenwälder tauge das neue Klima wenig. Monokulturen wie Kiefern verdunsteten zu viel Wasser. Die Lösungen sehen Klimaforscher im bewussten Pflanzen von Mischwäldern - das könne Klimaschäden bei einer Baumart am sichersten kompensieren. Der Klimawandel kann aber auch kuriose Folgen haben: Ostdeutschland würde ein exzellentes Weinanbaugebiet, an der Mosel könnten Winzer von weißem Riesling auf Rotburgunder umstellen.

Insgesamt trifft der Klimawandel Deutschland bei weitem nicht so hart wie die Eisbären in der Arktis, denen buchstäblich die Scholle unter den Pfoten wegschmilzt. Auf die leichte Schulter nehmen wollen Klimaforscher den möglichen Wandel hier aber auch nicht. "Wir brauchen erheblich mehr Investitionen für Anpassungen, besonders im Osten", sagt Gerstengarbe. Das Problem seien nicht nur Dürreperioden, sondern auch Hochwasser im Winter. "Die letzte Elbeflut hat zehn Milliarden Euro gekostet", ergänzt der Wissenschaftler. "Wenn das viermal hintereinander passiert, geht auch Deutschland in die Knie."

as/DPA / DPA
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?