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Golf von Mexiko: Hoffnung auf ein Ende der Ölflut steigt

Operation "Top Kill" verläuft nach Plan: Laut US-Küstenwache konnte BP die Ölquelle im Golf von Mexiko vorerst stopfen. Der Schaden ist noch größer als bislang angenommen.

Hoffnung nach gut fünf Wochen Ölpest: Das Verstopfen der sprudelnden Quelle im Golf von Mexiko verlief am Donnerstag weitgehend nach Plan. Das sprudelnde Öl wurde nach Angaben der US-Küstenwache durch massiven Beschuss mit riesigen Schlamm-Mengen zumindest vorübergehend gestoppt. Der Einsatzleiter der Regierung, Admiral Thad Allen, habe die beispiellose Aktion aber "noch nicht zu einem Erfolg erklärt", relativierte eine Sprecherin der Küstenwache am Donnerstag einen Bericht der "Los Angeles Times".

Der Austritt von Öl und Gas aus dem Bohrloch sei lediglich zeitweise durch den Gegendruck des Schlamms, der in die Quelle gepumpt wurde, unterbrochen worden, erläuterte sie. "Admiral Allen hält fest, dass der Prozess weiterläuft, aber dass die Dinge nach Plan verlaufen", sagte eine Sprecherin. Andere Bestätigungen für die gelungene Maßnahme gab es zunächst nicht. Eine BP-Sprecherin in London sagte lediglich, die Aktion laufe weiter.

Zement soll Leck versiegeln

In dem Bohrloch habe zunächst noch ein geringer Druck geherrscht. Sobald er auf Null gesunken sei, solle das Loch mit Zement versiegelt werden, sagte Allen der "Los Angeles Times" zufolge.

Am Mittwoch hatte BP mit der bis dato einmaligen Operation begonnen, nachdem zuvor mehrere Versuche gescheitert waren, die sprudelnde Ölquelle in 1500 Metern Tiefe zu stoppen. Die Erfolgschancen der Aktion bezifferte der Konzern auf 60 bis 70 Prozent. Der Versiegelungsversuch am Meeresgrund wird von BP live per Video übertragen.

Experten der US-Regierung korrigierten derweil die Schätzungen über die Menge des sprudelnden Öls im Golf von Mexiko dramatisch nach oben. Wissenschaftler gingen mittlerweile von einer täglichen Menge zwischen etwa 1600 und 3400 Tonnen Rohöl aus, sagte die Direktorin der US-Geologiebehörde USGS, Marcia McNutt. Bislang war offiziell von rund 700 Tonnen die Rede. Zahlreiche Fachleute hatten diese Angabe jedoch angezweifelt.

Unglück schlimmer als das von 1989

McNutt betonte, auch die jüngsten Schätzungen seien nur vorläufig. Man betrachte "eine höchst dynamische, komplexe Lage". Seit dem Beginn es Öl-Dramas am 20. April seien insgesamt mehr als 36.700 Tonnen Öl ins Meer gelangt. Damit hätte die Ölpest im Golf von Mexiko - gemessen an der Menge - die von 1989 übertroffen. Damals war der Tanker Exxon Valdez vor der Küste Alaskas verunglückt und es waren schätzungsweise rund 35.000 Tonnen Öl ausgetreten.

Der Einsatz gegen die Ölpest kostete BP nach offiziellen Angaben bislang 750 Millionen Dollar (615 Millionen Euro). Die US-Regierung hat bisher 100 Millionen Dollar ausgeben müssen, die sie allerdings von dem Ölkonzern zurückerhalten soll.

Obama: "Ich habe mich geirrt"

Als Konsequenz aus der Katastrophe, die mindestens 160 Kilometer Küste vor dem US-Staat Louisiana verschmutzt hat, will US-Präsident Barack Obama ein Moratorium für neue Ölbohrungen in tiefen Gewässern um zunächst sechs weitere Monate verlängern. "Diese Ölpest hat gezeigt, wie sehr Reformen nötig sind", sagte er am Donnerstag in Washington. Er gestand ein, zu gutgläubig gegenüber der Ölindustrie gewesen zu sein. "Es war ein Fehler von mir zu glauben, die Ölkonzerne wüssten, was im Fall der Fälle zu tun sei", sagte der Präsident. "Ich habe mich geirrt." Es werde für die Firmen künftig wesentlich schwerer, Genehmigungen für Bohrungen in tiefen Küstengewässern zu erhalten. Außerdem würden die Sicherheitsanforderungen verschärft. Der Präsident sagte, er wolle die "behagliche und manchmal korrupte Beziehung" zwischen den Behörden und der Ölindustrie beenden.

Auf Eis gelegt werden soll zunächst auch die Ölforderung im Arktischen Ozean. Innenminister Ken Salazar fordert nach Angaben aus Regierungskreisen weitere Untersuchungen zur Bohrtechnologie und möglichen Reaktionen auf einen sogenannten Blowout, also das unkontrollierte Austreten von Öl ins Meer. Er lehnt demnach Genehmigungen für Explorationsbohrungen in der Arktis vor 2011 ab. Der Ölkonzern Shell wollte damit eigentlich in diesem Sommer beginnen.

AFP/APN/DPA / DPA