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Klimawandel: Problemzonen des Planeten

Erstmals haben Forscher berechnet, wie sich die Klimazonen bis zum Ende des Jahrhunderts verschieben könnten. Sie zeigen, welche Länder Gewinner und Verlierer der Erderwärmung sind. Der stern präsentiert exklusiv ihre Karten.

Delegierte zahlreicher Nationen beraten derzeit beim Klimagipfel auf Bali darüber, was sie gegen den Klimawandel tun können. Doch nicht alle Länder müssen dramatische Folgen der Erderwärmung befürchten. Schon jetzt ist klar, dass sich das Klima nicht an allen Orten der Erde gleichermaßen ändert. Wo Hungersnöte die Menschen bedrohen werden und welche Länder erfreulichen Entwicklungen entgegenblicken, zeigen nun zwei Klimatologen anhand detaillierter Karten.

Basierend auf den Erkenntnissen des UN-Klimarats (IPCC) haben Franz Rubel von der Universität Wien und Markus Kottek von der Wiener Zentralanstalt für Meteorologie erstmals errechnet, wie sich Klimazonen bis zum Jahr 2100 verschieben könnten. Als Grundlage dienten ihnen dabei die Ergebnisse der IPCC-Klimasimulationen für die Jahre 2076 bis 2100 - basierend auf der Annahme, dass der Mensch mit Autos, Kraftwerken und Fabriken verstärkt Kohlendioxid in die Luft pustet.

Zu den Verlierern zählen demnach einige Mittelmeeranrainer - in Spanien, Marokko, Algerien, Tunesien und auf Zypern wird sich voraussichtlich Steppe ausbreiten. Das gleiche Schicksal droht Ostbrasilien und der Zentraltürkei. Gletscher in den Alpen, den Anden und im Himalaya werden durch die zunehmende Wärme schmelzen. In Afrikas Süden wächst die Wüste. Auch im Süden der USA und in Mexiko werden sich Wüste und Steppe ausbreiten.

Positiv werden dagegen die Folgen für Indien sein. Dort erwarten die Experten vermehrt Niederschläge, die die großen Steppen des Landes verschwinden lassen. Tropisches Klima breitet sich aus. Wo heute nur spärlich Gräser und Sträucher sprießen, könnte fruchtbareres Land entstehen. Auch Osteuropa und Mittelasien zählen zu den Gewinnern. Fruchtbares mildes Klima wird kühles Klima weiter nach Norden verdrängen. Skandinavien, Russland, Ukraine und Kaukasus werden warmgemäßigt, was die Chancen für den Ackerbau verbessert. Warmgemäßigt wird auch das Klima in Südalaska werden.

Strittig ist bislang, wie sich der Klimawandel in Sibirien und Nordkanada auswirkt. Einerseits könnte die Erwärmung des Permafrostbodens eine landwirtschaftliche Nutzung möglich machen. Andererseits besteht nach Meinung mancher Klimaforscher die Gefahr, dass gespeichertes Methan frei wird und den Treibhauseffekt anheizt.

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