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Medikamenten-Entwicklung: "Ohne die Pharmaindustrie läuft gar nichts"

Die Entwicklung eines neuen Medikaments ist teuer, zeitaufwändig und erfordert ausgiebige Studien an Freiwilligen. So bitter es ist - manche seltene Krankheit lohnt sich daher einfach nicht für die Pharmaindustrie.

Für viele Patienten ist es eine Horrorvorstellung: Sie werden vom Arzt in klinischen Studien als Versuchskaninchen missbraucht. "In Wirklichkeit müssen Patienten in klinischen Studien immer die bestmögliche Behandlung angeboten bekommen", sagt Bernd Mühlbauer, Leiter des Kompetenzzentrums für Klinische Studien in Bremen. Einfach so drauflos forschen darf der Arzt nicht. Werden die Tests über neue Therapieverfahren ohne Einwilligung des Patienten vorgenommen, droht dem Mediziner eine mindestens einjährige Gefängnisstrafe.

Die Wissenschaft kann auf klinische Studien nicht verzichten: "Ohne sie würde es keinen medizinischen Fortschritt geben", sagt der Pharmakologe. Denn nur mit umfangreichen Tests könne herausgefunden werden, ob beispielsweise ein Krebsmedikament zu einer wirksameren Behandlung führt. "Sonst könnte ja jeder kommen und unsichere vermeintliche Heilmittel anbieten", sagt der Professor.

Tests nicht immer risikofrei

Viele wirksame Behandlungsverfahren wären nach Angaben der Deutschen Krebshilfe ohne solche Studien gar nicht entdeckt worden. Wurde Brustkrebs-Patientinnen früher in der Regel die ganze Brust und der große Brustmuskel entfernt, ist dies heute oft nicht mehr nötig. Eine Studie an mehreren tausend Patientinnen konnte zeigen, dass eine Brust erhaltende Operation, die Körper und Seele deutlich weniger belastet, ebenso wirksam ist wie die so genannte Totaloperation.

Gerade unheilbare Krebspatienten haben laut Mühlbauer großes Interesse, an einer Studie teilzunehmen. Denn für sie sind die in Erprobung befindlichen Arzneimittel oft der letzte Strohhalm. Allerdings sind die Tests nicht immer ohne Risiko. Denn schließlich soll ja schrittweise herausgefunden werden, welche Nebenwirkungen beispielsweise ein Arzneimittel hat oder wie die beste Dosierung ist. "Wenn Risiken bekannt sind, muss für den Patienten der Therapieeffekt immer größer sein", betont Mühlbauer.

Doppelblind-Studien werden angestrebt

Vor und während einer Studie prüft eine Ethikkommission, ob der Patient richtig aufgeklärt wurde und seine Sicherheit gewährleistet ist. Gibt die Kommission grünes Licht, und ist der Wirkstoff im Labor und im Tierversuch erfolgreich getestet worden, kommt das Medikament in eine so genannte Phase-I-Studie. Dort wird es erstmals am Menschen getestet. In der Phase II werden die so gewonnenen Studienergebnisse erneut überprüft.

In Phase-III-Studien schließlich werden mehrere hundert oder tausend Patienten untersucht. Meist werden zwei Gruppen nach dem Zufallsprinzip gebildet, wovon eine die Standardtherapie und die andere die neue Behandlung erhält. So ist ein direkter Vergleich zwischen "alt" und "neu" möglich. Gibt es für eine Erkrankung bislang keine Behandlungsmöglichkeit, kann ein Placebo zum Einsatz kommen.

Die Studien sollten nach Möglichkeit "doppelblind" sein, das heißt, weder Arzt noch Patient dürfen wissen, welches Präparat ein Teilnehmer erhält. Erst wenn die Studienergebnisse in Phase III erfolgreich verlaufen sind, kann das Arzneimittel zugelassen werden. In Phase-IV-Studien wird schließlich das Medikament nach der Zulassung erneut überprüft.

Seltene Krankheiten lohnen sich nicht für die Pharmaindustrie

Etwa 90 Prozent all dieser Untersuchungen werden laut Mühlbauer von der Pharmaindustrie gefördert. "Ohne dieses Geld läuft in der klinischen Forschung gar nichts", sagt der Mediziner. Doch nicht immer ist klar, was klinische Studien überhaupt aussagen. "Oft braucht man mehrere Studien, die die therapeutische Wirksamkeit einer Behandlung belegen", sagt Mühlbauer. Es komme immer wieder vor, dass die Untersuchungen fehlerhaft geplant worden seien. Außerdem sei nicht alles gut, was neu sei.

Zu wenige Untersuchungen gibt es bei seltenen Krankheiten oder bei Kindern. "Die Studien lohnen sich für die Pharmaindustrie finanziell nicht", sagt Mühlbauer. Die Folge sei, dass keine neuen Therapien und damit Heilungschancen entwickelt würden oder man nicht wisse, welche Dosierung ein Kind erhalten solle. "So gibt es ein Herzrhythmusmittel, das Kinder überdosiert bekommen müssen, um überhaupt wirksam zu sein", sagt Mühlbauer. Ein längerer Patentschutz auf Medikamente könnte die Pharmaindustrie dazu animieren, auch Studien bei Kindern oder bei seltenen Krankheiten durchzuführen, meint der Experte.

Frank Leth, AP

DPA
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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(