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Mikro-Staub: Gefährliche Partikel im Wohnzimmer

Auch in den eigenen vier Wänden sind wir nicht sicher vor krank machendem Mikro-Staub. Forscher Olf Herbarth erklärt, wie er entsteht und was er im Körper bewirkt.

Professor Herbarth, Epidemiologe am Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, arbeitet an einer Studie zur Wirkung von Feinstaubpartikeln in Innenräumen Herr Professor Herbarth, in der gegenwärtigen Feinstaub-Diskussion geht es vor allem um Dieselmotoren als Schadstoffquelle. Aber machen Feinstäube, die zu Hause oder im Büro entstehen, nicht auch krank?

Fahrzeuge, vor allem Dieselautos, sind für etwa die Hälfte der gesundheitsschädlichen Feinstaubbelastung mit ultrafeinen Partikeln verantwortlich. Von daher ist das schon der richtige Hebel, um etwas gegen das Problem zu unternehmen. Aber auch in Innenräumen gibt es zahlreiche Quellen für diese winzigen Partikel. Gesundheitlich besonders problematisch in diesem Zusammenhang ist Zigarettenrauch, aber auch, wenn in größerem Umfang Räucherstäbchen oder Kerzen verbrannt werden. Dadurch bekommen wir im Nu in Innenräumen wesentlich höhere Konzentrationen als draußen an einer viel befahrenen Straße. Hinzu können Emissionen durch Braten in der Küche kommen, durch offene Verbrennungsprozesse wie bei Gasflammen und Kaminen oder Ausdünstungen aus Teppichböden, Möbeln und Wandbeschichtungen, die sich mit feinen Staubpartikeln verbinden. Und auch die Sporen bestimmter Schimmelpilze sind häufig ein Bestandteil von Feinstaub in Wohnungen und Büros.

Welche Rolle spielen Bürogeräte?

Diese Frage ist Bestandteil einer Untersuchung, an der wir gerade arbeiten. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor, aber so viel kann ich schon sagen: Im Vergleich zu einem Raucher im Büro ist die Feinstaubabgabe von einem mit Toner arbeitenden Faxgerät oder Drucker als eher gering einzustufen. Aber der Mensch neigt ja dazu, die selbst verursachten Risiken weniger ernst zu nehmen als die fremdverursachten.

Wie wirkt feiner Staub auf den Körper?

Zum einen können Feinstäube an der Entstehung von Atemwegserkrankungen und Allergien beteiligt sein. Vor allem bei verkehrs- und industriebedingten Feinstäuben kommt aber hinzu, dass daran zum Teil giftige Chemikalien gebunden sind. Bei einigen dieser Substanzen wurden bereits krebsauslösende Wirkungen nachgewiesen. Andere anhaftende Stoffe können entzündlich wirken oder stehen im Verdacht, maßgeblich zu Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems beizutragen. Es besteht allerdings noch viel Forschungsbedarf. Besonders über die Wirkung der Ultrafeinstäube gibt es kaum verlässliche wissenschaftliche Daten. Einige dieser Stoffe können bis ins Herz, die Leber oder sogar bis ins Hirn vordringen.

Bei den Messungen wird bislang ja nicht zwischen "fein" und "ultrafein" unterschieden.

Richtig, es wird lediglich pauschal die Menge der Staubteilchen unter zehn Mikrometer untersucht - und das reicht nicht. Nicht nur die Masse, sondern auch und vor allem die Größe der Teilchen ist entscheidend. Die Ultrafeinstäube tragen zur Masse kaum etwas bei, sind physiologisch aber äußerst problematisch. Mit unseren Geräten können wir bereits ab fünf Nanometer messen. Das Verfahren ist derzeit jedoch noch zu aufwendig, um es flächendeckend in den Messstationen der Landesämter einzusetzen.

Das klingt, als wäre das Ultrafeinstaub-Problem bislang unterschätzt worden.

Die Wirkung der kleinsten Staubpartikel und gasförmigen organischen Stoffe auf den menschlichen Organismus wurde bei Maßnahmen zur Luftreinhaltung weitgehend vernachlässigt - weil wir bislang einfach zu wenig wussten. Wenn wir aber genau messen und dokumentieren können, welche Staubpartikel auf welchem Wege in den Organismus eindringen, wenn wir sagen können, welche Gesundheits-risiken damit im Einzelnen verbunden sind, haben wir ein Etappenziel erreicht. Dann geht es darum, die kombinierten Wirkungen vieler luftgetragener Schadstoffe zu ergründen. Und danach endlich können wir dem Gesetzgeber Fakten vorlegen, die nicht vom Tisch zu wischen sind. Auch Automobilhersteller könnten die Ergebnisse nutzen, um luftfreundlichere Autos zu entwickeln.

Was können Sie bis dahin den Anwohnern viel befahrener Straßen raten?

Auch wenn es schlicht klingt: Sie sollten nicht allzu oft während der Hauptverkehrszeiten lüften.

Rüdiger Braun / print
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