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Pandemie Corona-Falle Innenraum: Wie wir uns vor Aerosolen schützen können

Lüften gegen Corona-Aerosole
Weit geöffnete Fenster sorgen für viel Frischluft in kurzer Zeit. Noch schneller geht es, wenn gegenüberliegende Fenster geöffnet werden.
© dangrytsku / Getty Images
Wenn die Außentemperatur fällt, werden virenbeladene Aerosol-Partikel in Innenräumen zunehmend zum Problem. Doch es gibt Möglichkeiten, das Infektionsrisiko zu senken.

Ob beim Atmen, Sprechen, Husten oder Niesen: Alle Menschen produzieren Aerosole, ganz gleich, ob sie gesund sind oder nicht. Im Freien werden die feinen Schwebestoffe durch Winde zerstreut. In Innenräumen können sie sich dagegen mit der Zeit anreichern und durch Luftbewegungen verteilt werden. Sitzt eine infizierte Person über längere Zeit in einem geschlossenen Raum und stößt besonders viele virenbehaftete Aerosole aus – etwa weil sie laut spricht – reichen mitunter selbst Mindestabstände nicht mehr aus, um eine Ansteckung zu verhindern. Im Herbst und Winter kann das zum Problem werden: Wenn die Außentemperaturen in den kommenden Wochen fallen und sich Menschen wieder vermehrt in Innenräumen treffen, könnten Aerosole maßgeblich dazu beitragen, dass die Infektionszahlen mit dem Coronavirus steigen, fürchten Experten.

Wie schnell sich das Virus in geschlossenen Räumen ausbreiten kann, zeigte jüngst das Beispiel einer Busfahrt in China. Eine einzelne Reisende steckte während der 50-minütigen Hin- und Rückfahrt rund ein Drittel aller Mitreisenden mit dem Coronavirus an, darunter auch Menschen, die mehr als fünf Meter von ihr entfernt saßen. Schuld an den Mehrfachinfektionen waren wohl mehrere unglückliche Umstände. So reiste die Frau kurz bevor bei ihr die Symptome einsetzten – ihre Viruslast und die Menge an ausgestoßenen Partikeln dürfte entsprechend groß gewesen sein. Zudem war der Bus während der längeren Fahrtzeit voll besetzt, niemand trug Masken. Auch die Lüftung des Fahrzeugs dürfte eine Rolle bei der Verbreitung der Aerosole gespielt haben. Die Anlage wälzte die Luft im Bus um, anstatt Frischluft ins Fahrzeuginnere zu leiten.

Ob sich infektiöse Aerosole in der Raumluft befinden, ist in Alltagssituationen praktisch nicht festzustellen. Kohlendioxid-Messgeräte können zwar Hinweise liefern, wie es um die grundsätzliche Qualität der Raumluft bestellt ist, sagen aber nichts über das tatsächliche Infektionsrisiko aus. Schutzlos ausgeliefert ist man den virenbehafteten Partikeln damit aber nicht. Es gibt Möglichkeiten, die Aerosol-Konzentration in der Raumluft zu senken – oder sie gar am Entstehen zu hindern. 

Alltagsmasken helfen

Eine Möglichkeit sind Alltagsmasken. Sie bieten zwar keinen hunderprozentigen Schutz vor Aerosolen, da sie lediglich größere Tröpfchen abfangen und feinste Partikel an der Maske vorbei ein- und ausgeatmet werden. Dennoch können sie das Infektionsrisiko in bestimmten Situationen senken, erklärte der Berliner Virologe Christian Drosten jüngst anhand eines vereinfachten Alltagsbeispiels. Man möge sich vorstellen, man treffe eine Person zum Gespräch und diese habe Mundgeruch. "Dieser Mundgeruch – das sind Aerosole", sagte Drosten in der jüngsten Folge des Podcasts "Das Coronavirus-Update". Würden nun beide Personen eine Maske tragen, könne man den Mundgeruch kaum noch feststellen, was wiederum Einfluss auf das Infektionsrisiko hat. 

"Masken verringern Aerosole auch durch das Abfangen von größeren Tröpfchen, bevor diese in der Luft eintrocknen und zu leichten Aerosolpartikeln werden", präzisierte er seine Aussage wenig später auf Twitter

So geht gutes Lüften

Auch Frischluft hilft dabei, potenziell virenbeladene Partikel in der Raumluft zu verdünnen. Ein gekipptes Fenster allein bewirkt allerdings wenig. Stoßlüften mit weit geöffneten Fenstern sorgt dagegen für einen schnellen und effektiven Luftaustausch. Halten sich nur wenige Personen in einer normal großen Wohnung auf, sollte für mindestens 10 bis 15 Minuten gelüftet werden. Ist es draußen kalt, können auch fünf Minuten als Kompromiss ausreichen.

"Noch effektiver ist das Querstromlüften mittels Öffnens gegenüberliegender Fenster", heißt es in einer Stellungnahme der Kommission Innenraumlufthygiene am Umweltbundesamt. "Dann wird die Luft im Raum meist binnen weniger Minuten vollständig ausgetauscht." Halten sich viele Besucher in einem einzelnen Raum auf, sollten die Fenster nach Möglichkeit für die gesamte Dauer des Besuchs geöffnet bleiben – vorausgesetzt natürlich, die Außentemperatur lässt dies zu.

Auch Lüftungsanlagen können die Viren-Konzentration mindern, allerdings nur solche, die verbrauchte Luft nach draußen befördern und nicht wieder der Zuluft beimengen (Umluft). Nach Möglichkeit sollten die Anlagen mit 100 Prozent Frischluft arbeiten. Auch hochabscheidende Schwebstofffilter , sogenannte HEPA-Filter der Klassen H13 und H14, können Partikel aus dem Umluftstrom filtern. Unter Umständen lassen sich Lüftungsanlagen mit den Filtern nachrüsten. Im Alltag kommen diese Hochleistungsfilter bislang jedoch eher selten zum Einsatz. Sie sind beispielsweise in den Anlagen für OP-Säle in Krankenhäusern verbaut.

Neben Alltagsmaske, Lüften und Frischluft-Anlagen kann das Infektionsrisiko auch durch ausreichend große Abstände, Raumgröße und Personenanzahl beeinflusst werden. Grundsätzlich gilt: Je größer ein Raum und je weniger Personen sich darin aufhalten, desto besser. Auch die Aufenthaltsdauer ist entscheidend. Kontaktzeiten sollten möglichst auf ein Minimum reduziert werden.


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