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Besser als lüften Luftfilter gegen Corona-Aerosole – darauf muss man achten

Beim Kauf eines  Filters sollte man auch an die Zeit nach Corona denken.
Beim Kauf eines  Filters sollte man auch an die Zeit nach Corona denken.
© PR
Die Stiftung Warentest bestätigt, dass auch herkömmliche Luftfilter die gefährlichen Aerosole aus der Luft holen. Doch beim Einsatz muss einiges bedacht werden.

Jetzt ist es amtlich. Luftreiniger helfen gegen Covid, so das Ergebnis der Stiftung Warentest. Genau genommen filtern die Geräte nicht die Corona-Viren aus der Luft, die sind für Haushaltsgeräte viel zu klein, sondern die Aerosolbläschen, in denen sich die ansteckenden Viren wohlfühlen.

Der Effekt ist weit besser als Lüften, denn Lüften verwirbelt die Luft im Raum, während der Reiniger die Luft inklusive der Aerosole zu sich hin saugt. Dazu kommt: Die Effizienz beim Lüften hängt von baulichen Gegebenheiten ab. Nicht jeder Raum eignet sich für Durchzug. Der Ventilator eines Luftreinigers arbeitet dagegen immer gleich stark.

Der Test gibt allen recht, die Ähnliches vermutetet haben. Ich zum Beispiel habe zu Hause drei Geräte stehen. Auch zur Beruhigung, denn viele Menschen, die fiese Aerosole ausatmen können, kommen gar nicht in mein Homeoffice.

Große Räume hohe Kosten

Tatsächlich ist eine konsequente Luftreinigung nicht billig. Die Warentester beziehen ihre Ergebnisse auf einem bestimmten Versuchsaufbau. In einem 16 Quadratmeter beziehungsweise 40 Kubikmeter großen Raum werden Aerosole verteilt. Dann werden die Geräte angeschaltet und nach 20 Minuten waren über 90 Prozent der Aerosole verschwunden. 16 Quadratmeter sind aber nicht gerade viel. In einem etwas größeren Raum kann man sich damit trösten, dass der Reiniger nicht nur 20 Minuten arbeitet, sondern non-stop. Aber bei wirklich größeren Dimensionen von 30 oder 40 Quadratmetern kommt man nicht umhin mehrere Geräte aufzustellen. Zumindest dann, wenn sich mehrere Personen in dem Raum aufhalten. Denn sitzt eine infizierte Person in dem gleichen Raum, liefert sie immer neue infizierte Aerosole nach. Der Reiniger muss gegen jeden Atemzug gegenanarbeiten.

Außerdem produziert ein Luftreiniger keinen Luftstrom, der auf großen Flächen oder gar über mehrere Räume hinweg die Luft gleichmäßig austauscht. In einem zentralen Bereich wird die Luft gewechselt, darüber hinaus lässt der Austausch nach.

Diesen Effekt können auch leistungsstarke Geräte kaum ausgleiche. Der CADR-Wert (Clean Air Delivery Rate) gibt ab, wie viele Kubikmeter pro Stunde gefiltert werden. 160 m³/h würden beim Testaufbau bedeuten, dass die Luft im Raum alle 15 Minuten gefiltert wird. Geräte mit 400 CADR schaffen entsprechend mehr, doch solange es sich um ein einzelnes Standgerät handelt, wird es dann durch Ventilator und Luftstrom richtig laut.

Der Xiaomi 16028 Mi Air Purifier Pro hat einen CADR-Wert von 500. Im Test kam der Philips AC2889/10 auf den ersten Platz, er kostet 360 Euro. Auf Platz zwei liegt der Rowenta Intense Pure Air Connect PU6080 für 400 Euro. Das dritte Gerät, Soehnle Airfresh Clean Connect 500 (247 Euro), hatte Probleme mit der Alterung der Filter.

Wichtig zu wissen

Das Gerät selbst ist kaum etwas anderes als ein Ventilator in einem Gehäuse. Die Reinigungsleistung hängt allein vom Filter ab. Ein guter Filter ist zumindest zweistufig. Ein Vorfilter fängt den groben Dreck ab, der nachgeordnete Hepafilter dann die feinen Partikel. Der Vorfilter sollte regelmäßig gereinigt werden. Vor allem wenn die Geräte neu aufgestellt werden, saugen sie mehr Staub und Haare aus dem Raum an, als man für möglich hält. Aufwendige Filter bauen nach diesen Filterschichten noch eine weitere Schicht mit Aktivkohle ein. Das wird vor allem gemacht, um Geruchsbelästigungen wegzufiltern, dürfte aber auch bei Aerosolen nicht verehrt sein. Durch die Corona-Epidemie werden inzwischen auch Geräte mit Hepa-Filtern der besonders feinen Klasse H 13 angeboten.

Aber Achtung: Die Filter sind Verbrauchsteile, die spätestens nach etwa einem Jahr gewechselt werden müssen. Der Preis der Austauschfilter ist daher zumindest genauso wichtig, wie der Anschaffungspreis des Geräts.

Beim Aufstellen des Gerätes muss man den Luftstrom einplanen. Der Luftzug sollte von den Personen weg zu dem Gerät erfolgen. Weniger sinnvoll ist es, das Gerät so zu platzieren, dass es die Atemluft von einer Person zur nächsten leitet.

Worauf sollte man achten?

Ein Luftfilter macht auch nach Corona noch Sinn. Er reduziert den Hausstaub und sammelt etwa Pollen ein. Für diese Zeit sollte das Gerät unbedingt über eine Automatik verfügen, die den Partikelgehalt der Luft misst und die Leistung des Geräts entsprechend anpasst. Sollte man nicht ganz billig einkaufen, sollte sich das Gerät mit dem Wlan verbinden können, sodass es über eine App gesteuert wird.

Grenzen der Methode

Der Einsatz eines Luftreinigers bringt keine hundertprozentige Sicherheit. Man kann die Wirksamkeit mit Alltagsmasken und Lüften vergleichen. Die Chance, sich durch Aerosole zu infizieren, wird gesenkt – 90 Prozent weniger Aerosole sind ein eindrucksvoller Wert – aber sie wird nicht auf null reduziert. Man sollte sich also nicht in falscher Sicherheit wiegen.

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