Nandus Einwanderungswelle in Mecklenburg


In der Wakenitzniederung muss es gemütlich sein, zumindest für wild lebende Nandus. Die Population des südamerikanischen Laufvogels hat sich dort dramatisch vermehrt - zum Leidwesen der Umweltschützer.

Nandus gehören eigentlich in die südamerikanische Grassteppe, die Pampa, aber seit einigen Jahren fühlen sich die straußenähnliche Laufvögel auch auf den Wiesen und Äckern der westmecklenburgischen Wakenitzniederung wohl. Sechs Tiere waren vor fünf Jahren einem Züchter im benachbarten Schleswig-Holstein entwischt und in das naturbelassene Ost-Gebiet an der ehemaligen innerdeutschen Grenze geflüchtet.

Weitere Nandu-Babys im Anmarsch

Der Laufvogel Nandu (Rhea americana) ist in den Grassteppen und Ebenen Südamerikas zu Hause. Er wird bis zu 1,60 Meter groß und erreicht ein Gewicht von bis zu 25 Kilogramm. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Gräsern, Früchten und Insekten. Wegen ihrer verkümmerten Flügel können Nandus kaum fliegen. Dafür sind sie schnelle und ausdauernde Läufer. Ihren Namen hat den Vögeln ihr Balzruf gegeben.

In Mecklenburg fanden Nanbus offensichtlich optimale Bedingungen vor, denn sie vermehrten sich bis heute auf 50 bis 100 Exemplare, wie Ilona Stadler vom Schweriner Umweltministerium berichtet. Das Frühjahr verspricht weiteren Nandu-Nachwuchs im geschützten Wakenitztal.

Enormer Zuzug wirbelt Ökosystem durcheinander

Bedenken hegen indes Umwelt- und Naturschützer, weil die Nandus "nun einmal nicht in die Gegend gehören", wie Martin Bauer vom Naturschutzbund Mecklenburg-Vorpommern meint. Zugezogene Pflanzen und Tiere, so genannte Neobioten, die allein in den vergangenen Jahren auf unterschiedlichsten Wegen in einem Umfang von rund 4000 Arten nach Deutschland kamen, können erheblichen Einfluss auf das heimische Ökosystem haben.

Dennoch spricht Bauer sich gegen das Ausrotten der Fremdlinge aus. Die Nandus haben inzwischen Akzeptanz bei der Bevölkerung gefunden, wie er sagt. Deswegen sollte seiner Meinung nach "lediglich reglementierend eingegriffen werden, um den Bestand nicht ausufern zu lassen". Aus diesem Grunde begrüßt er auch, dass inzwischen das Schweriner Umweltministerium für wissenschaftliche und fachliche Begleitung des Problems sorgt.

Jäger melden sich zu Wort

Kritischer sieht die Jägerschaft die Nandu-Kolonie in Westmecklenburg. Die Einwanderung und die Ausbreitung neuer Arten dürfe nicht ohne weiteres geduldet und schon gar nicht künstlich gefördert werden, sagte der Geschäftsführer des Landesjagdverbands, Rüdiger Brandt. Wenn Jäger zur Bestandsauffrischung Tiere auswilderten, bedürfe dies aus gutem Grund selbst bei heimischen Arten wie Fasanen oder Rebhühnern einer gesetzlichen Genehmigung. Bei ungenehmigter oder fahrlässiger Auswilderung gerade auch fremder Arten mit nicht absehbaren Folgen hafte rechtlich der Halter der Tiere. Diese Regelung gelte es auch im Fall der verwilderten Nandus durchzusetzen.

Lutz Jordan/ AP AP

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