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Ölpest im Golf von Mexiko: Operation "Top Kill" zeigt Wirkung

Die Operation "Top Kill" verzeichnet offenbar einen ersten Erfolg: Videobilder zeigen, dass womöglich nur noch Schlamm und kein Öl mehr aus dem Bohrloch austritt.

Der britische Energiekonzern BP kommt bei seinem neuen Versuch zur Abdichtung des Öl-Lecks im Golf von Mexiko offenbar voran. Auf den Videobildern sehe es so aus, als ob nur noch Bohrschlamm und kein Öl mehr aus dem beschädigten Bohrloch ausströme, sagte BP-Einsatzleiter Doug Suttles am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Louisiana.

Gewissheit habe man aber noch nicht, da das ausströmende Material nicht aufgefangen werden könne. "Wir wissen erst, dass wir erfolgreich waren, wenn nichts mehr fließt", sagte der BP-Manager.

Der Konzern hatte am Mittwoch um 20 Uhr MESZ damit begonnen, große Schlammmassen in das Bohrloch zu pumpen. Der Versiegelungsversuch am Meeresgrund wird live per Video übertragen.

Gewissheit erst am späten Donnerstagabend

Ob die sogenannte "Top Kill"-Methode wie erhofft das unablässig sprudelnde Öl stoppt, werde man frühestens in 24 Stunden wissen, sagte BP-Chef Tony Hayward im US-Fernsehen. Hayward verfolgte den Fortgang der Operation gemeinsam mit US-Energieminister Steven Chu im Kontrollzentrum in Houston.

BP-Manager Suttles erklärte, alles verlaufe soweit nach Plan. "Es ist aber noch zu früh zu sagen, ob die Aktion erfolgreich ist. In den nächsten 24 Stunden werden wir es wissen." Er betonte allerdings, die Operation könne unter Umständen auch noch länger dauern.

Verlaufe alles wie vorgesehen, wolle man die Quelle mit Zement versiegeln. Sollte die Operation aber fehlschlagen, gebe es weitere Optionen, den Ölfluss zu stoppen. Dazu zähle, am Bohrloch ein weites Sicherheitsventil auf dem bereits existierenden zu installieren.

BP hatte die Erfolgschancen des noch nie in 1500 Metern Tiefe angewandten Verfahrens zuvor auf 60 bis 70 Prozent beziffert. Eines der größten Risiken sei, dass sich das Leck durch den Beschuss mit Schlamm noch vergrößern könne, hieß es.

"Keine Nachrichten sind gute Nachrichten"

"Keine Nachrichten sind gute Nachrichten", sagte Admiral Thad Allen von der US-Küstenwache, der die umstrittene Operation überwachte. Nun müsse man abwarten. Bisher gebe es zumindest nichts Negatives zu vermelden.

Bei dem "Top Kill"-Verfahren werden mit Hilfe von Unterwasser-Robotern unter großem Druck pro Minute tausende Liter Schlamm durch das Sicherheitsventil ("Blowout Preventer"), das auf dem Bohrloch sitzt, dem ausströmenden Öl entgegengepumpt. Um zu verhindern, dass zu viel Schlamm nach oben aus dem Ventil entweicht, könnten zusätzlich geschredderte Reifen, Golfbälle und andere Gummiteile hineingeschossen werden.

160 Kilometer Küste vom Öl verschmutzt

Nach den Worten von Konteradmiral Mary Landry von der US-Küstenwache sind mittlerweile 160 Kilometer Küste in Louisiana durch das Öl betroffen. Es seien Strände wie auch Marschland verschmutzt worden. In einigen Fällen handele es sich um schweres Öl, in anderen lediglich um einen Film. Der Einsatz gegen die Ölpest kostete ihren Angaben zufolge BP bislang 750 Millionen Dollar (615 Mio Euro). Die US-Regierung habe bisher 100 Millionen Dollar ausgeben müssen, die sie allerdings von dem Ölkonzern zurückerhalte.

Unabhängig vom Ausgang der Operation will US-Präsident Barack Obama am Donnerstag deutlich schärfere Regelungen für Ölbohrungen im Meer ankündigen. Die Regierung werde strengere Sicherheitsstandards und rigidere Kontrollen auf Bohrinseln einführen, hieß es aus dem Weißen Haus. Die Ölindustrie sieht hohe Kosten und ein zu starr reguliertes System auf sich zukommen, berichteten US-Medien.

Obama und seine Regierung sind unter Druck geraten, weil sie Kritikern zufolge zu spät auf die Umweltkatastrophe reagierten. Am Freitag will der Präsident zum zweiten Mal die von der Ölpest betroffene Region in Louisiana besuchen.

Reuters/APN/DPA/AFP / DPA / Reuters