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Sauropoden-Urahn: Forscher präsentieren neuen Dino

Forscher haben Dinosaurier-Skelette aus dem Niger analysiert und dabei eine bislang unbekannte Saurier-Art entdeckt. Der "Spinophorosaurus nigerensi", der Vorfahr der Sauropoden, lebte vor 170 Millionen Jahren und war bis zu 13 Metern groß.

Ein Forscherteam aus deutschen und spanischen Wissenschaftlern hat im Niger zwei Skelette einer bisher unbekannten Saurierart entdeckt. Paläontologen der Universität Bonn waren bei der wissenschaftlichen Bearbeitung dabei und schreiben nun im Online-Fachjournal "Plos One" über ihre neuen Erkenntnisse.

Der "Spinophorosaurus nigerensi" stapfte vor rund 170 Millionen Jahren über die Erde, war von der Schnauze bis zur Schwanzspitze etwa 13 Meter groß und hatte alle Merkmale eines "ordentlichen Sauropoden", so die Forscher. Dazu gehörten vier Säulenbeine und ein langer Hals mit einem kleinen Kopf. Der Name des Sauriers bedeutet übersetzt "stacheltragende Echse": Verknöcherte Dornen, die er zur Verteidigung auf seiner Schwanzspitze getragen haben könnte, seien ein Hinweis darauf, dass die neue Saurierart ein Vorfahr der Sauropoden war. Spätere Sauropoden, die zu den Pflanzenfressern gehören, hätten solche Abwehrmechanismen vermutlich aufgrund ihrer Größe nicht nötig gehabt.

Selbst für einen Dino richtig alt

Auch Merkmale im Bau der Wirbelsäule und des Schädels entlarven den Dinosaurier als den Urgroßvater der "Langhälse". Mit seinem Alter von etwa 170 Millionen Jahren ist der "Spinophorosaurus nigerensis" selbst für einen Dinosaurier ganz schön alt. "Die Entdeckung ist besonders wichtig, weil er am Beginn des Sauropoden-Stammbaumes steht", sagt Paläontologe Ulrich Joger vom Staatlichen Naturhistorischen Museum in Braunschweig.

Sauropoden stammen zumeist aus der Kreidezeit, die vor etwa 65 Millionen Jahren endete. Extrem rar seien dagegen Funde aus der Zeit vor etwa 200 bis 170 Millionen Jahren, als die Riesenechsen entstanden. "Die spätere Geschichte der Sauropoden kennen wir gut, aber über ihre frühe Evolution wissen wir erschreckend wenig", sagt der Bonner Paläontologe Kristian Remes. Vollständige Skelette von primitiven Formen waren bislang kaum vorhanden. Die Entdeckung zweier fast vollständiger Exemplare sei ein Glücksfall.

Der Fund des Paläontologen-Teams aus Deutschland und Spanien ermöglicht ganz neue Einblicke in die Evolution der Riesensaurier: So lebte "Spinophorosaurus nigerensis" im Norden des damaligen Großkontinents Gondwana, also im heutigen Nordafrika. Die vorher gefundenen Skelette primitiver Sauropoden kamen aus dem Süden Gondwanas - also dem heutigen Südamerika und Indien - sowie aus China. Zwischen den Verwandten gebe es Unterschiede, hieß es. "Vielleicht stellen die Sauropoden des südlichen Gondwana eine Spezialisierungslinie dar", sagt Remes. Der Süden des Superkontinents sei durch ein riesiges Wüstenband vom Norden getrennt gewesen. Die Vermutung des Experten: Feuchtwarmes Klima und eine üppige Vegetation riefen bei den Dinosauriern andere Entwicklungen hervor als die trockenen Sommer des Südens. "Bisher hatten wir keinen Beweis für klimatisch bedingte Spezialisierungen wie bei den Säugetieren", so Remes.

Tiere starben bei Überschwemmung

Sicher sei, dass im heutigen Niger vor Millionen von Jahren viele Dinosaurier lebten, so die Wissenschaftler. "Es gab dort ein weit verzweigtes Flusssystem. Die gefundenen Tiere sind vermutlich bei einer Überschwemmung ums Leben gekommen", sagt Joger. Weitere Funde seien nötig, um den Ursprung der Sauropoden und ihre Evolution - auch in Zusammenhang mit den klimatischen Bedingungen - zu verstehen.

Bei der Entdeckung der Skelette in der Sahara 2007 waren sich die Wissenschaftler zunächst der Ausmaße dieses Fundes nicht bewusst: "Damals dachten wir, wir hätten einen Dinosaurier aus der Gattung "Jobaria" gefunden", so Joger.

Ein Exemplar ist ab 21. Oktober in einer Sonderausstellung im Staatlichen Naturhistorischen Museum Braunschweig zu sehen.

AP/DPA/CK / AP / DPA