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Sinkender Sauerstoffgehalt: Den Ozeanen geht die Luft aus

Wüsten gibt es nicht nur an Land. Unter Wasser nehmen Gebiete zu, die kaum noch Leben zulassen. Eine aktuelle Studie zeigt: In den vergangenen Jahrzehnten ist der Sauerstoffgehalt in den Ozeanen stetig gesunken. Forscher sprechen von eine weitreichenden Bedrohung für das Ökosystem Meer.

Das Wasser der Weltmeere heizt sich auf. Wärmeres Wasser kann jedoch nicht mehr so viel Sauerstoff speichern. Gerade in polaren Regionen sinkt weniger sauerstoffreiches Wasser in tiefere Regionen ab. Die Folge: Der Ozean wird weniger belüftet und vielen Meerestieren geht der überlebenswichtige Sauerstoff aus, berichtet eine Forschergruppe um den Kieler Meereswissenschaftler Lothar Stramma in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals "Science".

Das Team von Wissenschaftlern aus den USA und Deutschland hat für seine Studie Beobachtungsdaten der vergangenen 50 Jahre in den tropischen Ozeanen ausgewertet sowie aktuelle Messungen durchgeführt. Das Ergebnis ist besorgniserregend: Der Sauerstoffgehalt der tropischen Ozeane ist in den letzten Jahrzehnten gesunken - in manchen Gebieten bis zu 15 Prozent. Besonders die Wasserschicht in 300 bis 700 Meter Tiefe soll betroffen sein. "Die größte Sauerstoffabnahme in dieser Zone haben wir im tropischen Nordostatlantik beobachtet", sagt Stramma.

Eine Folge des Klimawandels?

Ein geringerer Sauerstoffgehalt hat möglicherweise weitreichende Folgen für das Ökosystem Ozean. "Vor allem größere Meereslebewesen sind auf sauerstoffreiches Wasser angewiesen sind. Können diese dort nicht länger existieren, könnte das auch Auswirkungen auf die Fischerei haben", sagte Stramma.

Heute weiß man, dass die Sauerstoffverteilung im Ozean nicht gleichmäßig ist. An den Rändern der tropischen Meere existieren in einer Tiefe von 200 bis 800 Metern Bereiche mit niedrigem Sauerstoffgehalt, sogenannte Sauerstoffminimumzonen. Die Daten der Forscher zeigen, dass sich diese in den vergangenen Jahren immer weiter ausgedehnt haben.

Inwieweit die beobachteten Veränderungen mit dem Klimawandel in Zusammenhang stehen, müsse allerdings noch geklärt werden. "Mit Messungen alleine können wir nicht die Ursachen der Änderungen erklären. Auch natürliche Prozesse können die beobachtete Abnahme des Sauerstoffgehalts verursacht haben", so Stramma. Das Ergebnis passt allerdings gut zu den Klima-Modellrechnungen, die auch für die Zukunft eine weitere Abnahme prognostizieren: Da der Klimawandel nicht nur das Land, sondern auch das Wasser aufheizt, erwarten die Forscher, dass die Sauerstoffmenge in den Meeren immer weiter abnimmt.

DPA / DPA
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