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TANKERUNGLÜCK: Erste Ölspuren an der nordspanischen Küste

An einigen Stellen hat das Öl das Ufer erreicht. »Auf dem Wasser sind dickflüssige Ölflecken zu sehen«, sagte ein Sprecher des Zivilschutzes in der Gemeinde Muxía bei La Coruna.

Drei Tage nach dem Tankerunglück vor dem Nordwesten Spaniens hat der Öl-Teppich am Samstag die Küste erreicht. Betroffen waren vor allem Fischerorte wie Camariñas und Muxía an der »Todesküste« Galiciens, wie die Behörden in La Coruña mitteilten. Im Kampf gegen eine Ölpest wurden zwar schwimmende Barrieren und Spezialpumpen eingesetzt. Doch ein Sturm mit Windgeschwindigkeiten bis zu 80 Kilometern in der Stunde und sechs Meter hohen Wellen erschwerte die Arbeiten. Überdies wurde der havarierte Großtanker »Prestige« bis auf 100 Kilometer wieder an die Küste getrieben. Er könne jederzeit auseinander brechen, betonten Experten.

Umweltkatastrophe unwahrscheinlich

Agrar- und Fischereiminister Miguel Arias Cañete schloss eine Umweltkatastrophe dennoch aus. Der Tanker sei weit genug entfernt. »Auch die Fischerei wird nicht betroffen sein.« Dem widersprachen Umweltschützer. Der WWF (World WildLife Fund) sprach von einem »Desaster für die Umwelt und die Fischerei«. Mindestens 3000 Tonnen ausgelaufenes Schweröl würden eines der artenreichsten Gebiete des Atlantiks schädigen. »Der Tanker ist eine schwimmende Zeitbombe«, sagte WWF-Experte Raúl García. Die restlichen 77 000 Tonnen Öl müssten unbedingt abgepumpt werden. Damit wurden niederländische Spezialisten beauftragt, die zusammen mit französischen Fachleuten vor Ort sind.

An den Stränden entdeckten Helfer inzwischen 15 verschmutzte Seevögel, darunter Kormorane und einen Tölpel, wie der Rundfunk meldete. »Der Meeresschaum ist nicht mehr weiß, sondern schwarz«, berichtete ein Bewohner der betroffenen Gegend, die vor allem vom Fischfang und der Muschelzucht lebt. An manchen Stellen seien die zähflüssigen Öl-Flecken bis zu 40 Zentimeter dick.

Altersschwacher Tanker

Die altersschwache »Prestige« befand sich am Nachmittag nur noch rund 100 Kilometer von der Küste entfernt. Obwohl das Schiff von vier Schleppern gesichert wird, konnten diese nicht verhindern, dass es von der Strömung 20 bis 30 Kilometer in Richtung Festland getrieben wurde. Der 243 Meter lange und 26 Jahre alte Tanker droht auseinander zu brechen, da im Rumpf an der Steuerbordseite ein fast 50 Meter großer Riss klafft. Unklar war, wie viel Öl in diesem Fall zusätzlich entweichen könnte.

Der Delegierte der Regierung in Galicien, Arsenio Fernàndez de Mesa, zeigte sich dennoch optimistisch. Das Meer sei an der betreffenden Stelle 4000 Meter tief. Das Schweröl verfestige sich im kalten Wasser und sinke zu Boden, so dass die Folgen in Grenzen gehalten werden könnten. Dennoch forderte Madrid von der Versicherungsfirma des Tankers eine Bankbürgschaft von 60 Millionen Euro, um etwaige Schäden abzusichern.

Kapitän verhaftet

Der griechische Kapitän des unter der Fahne der Bahamas fahrenden Schiffes wurde nach seiner Festnahme am Samstag dem Haftrichter vorgeführt. Die Justiz wirft ihm Umweltverbrechen und mutwillige Behinderung der Bergungsarbeiten vor. So habe er sich zunächst geweigert, nach der Havarie am Mittwoch die Motoren wieder anzuwerfen und ein Feuer im Maschinenraum vorgetäuscht.

Diplomatischen Verstimmungen

Das Tankerunglück droht zudem zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Spanien und Großbritannien zu führen. Madrid beharrt darauf, das Schiff habe mehrmals den Hafen der britischen Kolonie Gibraltar angelaufen, sei dort aber entgegen der in Europa gängigen Praxis nicht untersucht worden. Auch diesmal sei Gibraltar der Zielhafen gewesen. Die britische Botschaft wies dies kategorisch zurück. Die »Prestige« habe sich auf dem Weg nach Singapur befunden, ein Stopp in Gibraltar sei nicht vorgesehen gewesen.

Bei dem Streit könnte eine Rolle spielen, dass Spanien seit fast 300 Jahren die britische Kolonie beansprucht. Seit Juli 2001 verhandeln beide Länder über eine Co-Souveränität des 6,5 Quadratkilometer großen »Affenfelsens«.