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Traumberuf Zootierfänger: Zwei Haie und drei Seepferdchen bitte

Im Tiergarten fehlt das Seepferd-Weibchen, um den Bestand zu sichern? Dann ist Peter Faltermeier der richtige Ansprechpartner: Der Mann ist Zootierfänger - spezialisiert auf Wassertiere.

Schmusestunde mit "Otto": Wenn der Krake seine langen Arme mit einer Spannweite von 80 Zentimetern um Peter Faltermeier schließt, dann ist das eine Einladung zum Spielen. Oder zum Putzen: "Wenn ich mit einer Bürste die Scheiben sauber mache, schnappt sich das Tier die Bürste und ahmt die Putzbewegungen nach", erzählt Faltermeier. Der 40-Jährige hat neben der liebevollen Pflege von "Otto" viele Berufe und alle drehen sich um seine große Leidenschaft: Wassertiere.

Ziehvater von "Otto", "Susi" und Co

Als zoologischer Direktor im Erlebnis- und Lernaquarium "Sea-Star" in Coburg kümmert sich Peter Faltermeier um seine vielen "Kinder": um Moräne "Susi", den Hundshai "Hundi", um die zehnarmigen Tintenschnecken, den Zackenbarsch "Macho" und viele andere. Vor kurzem habe er auch ein Fachbuch über Haie geschrieben, sagt der 40- jährige Mann. Doch hauptberuflich und mit Leib und Seele sei er Zootierfänger. Nach eigenen Angaben einer von drei in ganz Europa.

"Ein Zootierfänger fängt Tiere im Auftrag von zoologischen Gärten", erklärt Faltermeier seinen Beruf. Er hat sich auf Wassertiere spezialisiert und beliefert nach eigenen Angaben europaweit Tiergärten mit Fischen, Kraken, Krebsen, Seepferdchen und Schnecken, die nicht über den normalen Handel zu beschaffen seien. "Ganz konkret heißt das, dass mich etwa der Zoo in Münster anruft und sagt, er braucht ein Weibchen der Sorte X zum Paaren", berichtet Faltermeier.

Lebensretter der Speisetiere

Dann finde er heraus, wo diese Tierart lebe, kontaktiere die jeweiligen Behörden, beantrage regionale Lizenzen zum Fangen, suche das Tier und transportiere es mit aller Vorsicht nach Münster. "Meist fange ich die Tiere nicht selbst, sondern kaufe sie Fischern vor Ort ab." Bedenken, die Tiere aus ihrer gewohnten Umgebung herauszureißen und sie in einen Zoo zu bringen, habe er nicht. Diese Wassertiere seien sowieso in ihren Heimatländern zu 99 Prozent Speisetiere und würden sonst gegessen oder verfüttert. Er sehe sich eher als Retter für Seepferdchen und Co.

Seine Leidenschaft für Tiere hat bald angefangen. Als 14-Jähriger brachte er aus dem Italienurlaub zwei Hai-Eier mit. Wenig später spielte er mit den Babyhaien, für die er Meerwasser aus Salzen aus der Apotheke anmischte. Nach zwei Jahren seien die Tiere gestorben und dann habe ihn endgültig das Haifieber gepackt. "Ich wollte lernen, warum sie gestorben sind, wollte alles über Haie wissen, über Pflege, Gewohnheiten, Leben, Haltung", erzählt Faltermeier.

"Faszination Hai"

Schließlich habe er neue kleine Haie gezüchtet, die im ausgewachsenen Zustand etwa 90 Zentimeter lang seien, und habe angefangen, mit verschiedenen Tiergärten zu tauschen. So war er schnell Besitzer von acht verschiedenen Haiarten. Aus dieser Liebe und dem Schrecken, dass sowohl in Privathaushalten als auch in Tiergärten Haie falsch gehalten werden, sei dann in zehnjähriger Arbeit das Fachbuch "Faszination Hai" mit Co-Autor Rolf Meyer entstanden.

Die Liebe zu den anderen Wassertieren habe er in Thailand entdeckt. In seinen Jugendjahren habe er nach einem abgebrochenen BWL-Studium zwei Jahre lang für ein Meeresbiologisches Institut in Phuket Tiere gefangen und sich anschließend in Europa als Zootierfänger einen Namen gemacht. Die außergewöhnlichsten Arten habe er schon gefangen, in verschiedenen Meeren, im Atlantik, im Pazifik und im Indischen Ozean.

Margot Weber/DPA / DPA