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Umweltverträglichkeit: Krieg der Tüten

Nicht weniger als eine Revolution sollte er auslösen - der französische "Néosac", eine Plastiktüte, die laut Hersteller vollständig biologisch abbaubar ist - tatsächlich zerfällt sie aber nur in Tütenstaub. Die deutsche Ökobranche reagierte verschnupft.

Von Lutz Kinkel und Boris Weber

Die Meldung, die am 21. April über die französische Nachrichtenagentur AFP lief, ließ aufhorchen. "Franzosen erfinden selbst auflösende Plastiktüte" lautete die Headline, und der Bericht verkündete ein kleines Wunder. Dem Chemiker Jacques Lemaire vom Forschungszentrum CNEP in Clermont-Ferrand sei es gelungen, eine Tüte zu entwickeln, die sich nach drei Monaten in natürliche Bestandteile auflöse. Das Produkt namens "Néosac" solle in Millionenstückzahlen unter das Volk gebracht werden. Der ökologisch geneigten Leser freute sich: Die Schmuddelbiografie der konventionellen Einkaufstüte, die nach Gebrauch auf Deponien dämmert, an Badestränden liegt oder im Baum hängt, schien ihrem verdienten Ende entgegen zu gehen.

Um die Probe auf's Exempel zu machen, ließ sich stern TV einen "Néosac" kommen und legte ihn neben eine herkömmliche Plastiktüte auf ein kleines Stück Rasenfläche auf dem Studiodach. Die Zuschauer konnten per Webcam verfolgen, wie die Zersetzung voran schreitet. Das Ergebnis war in der Tat frappierend: Während die normale Tüte nach einigen Wochen noch in voller Plastikfülle existierte, löste sich der "Néosac" zusehends auf. Beim Abbruch des Experiments waren nur noch ein paar Fetzchen übrig.

Kobalt aus der Tüte

Die Freude über dieses Ergebnis hielt sich indes in engen Grenzen, vor allem bei der deutschen Interessensgemeinschaft für Biologisch Abbaubare Werkstoffe (IBAW). Sie brachte ein Positionspapier in Umlauf, das Tüten wie den "Néosac" kritisiert, die wie herkömmliche Tüten aus Polyethylen (PE) gefertigt sind, aber Zusatzstoffe enthalten, die eine Zerfall ermöglichen. Verschnupft wies der IBAW darauf hin, dass solche Produkte weder der EU-Norm 13432 für biologisch abbaubare Verpackungen entsprächen noch irgendeinen erkennbaren Vorteil für die Natur brächten, im Gegenteil: Sie würden beim Zerfall Schwermetalle freisetzen.

Tatsächlich belegte ein Test, den stern TV beim imat-uve-Labor in Mönchengladbach in Auftrag gab, dass der Néosac bei der Verrottung eine hohe Dosis des Schwermetalls Kobalt freisetzt - das, wenn es eingeatmet wird, gesundheitsschädlich sein kann. Mit dieser Erkenntnis konfrontiert, sagte der Néosac-Erfinder Jacques Lemaire: "Unsere Untersuchungen mit Mikroorganismen zeigen, dass sie problemlos überleben. Das zeigt, dass der Tütenstaub nicht giftig ist." Der IBAW-Chef Harald Kaeb konterte: "Da findet man immer ein paar Tiere. Schaben überleben selbst einen Atomkrieg. So einfach kann es nicht sein." Ebenso wichtig wie der Hinweis auf das Schwermetall war dem IBAW-Chef die Erkenntnis, dass die vermeintlich ökologische Verrottung des Néosac nur eine optische Täuschung sei: "Sie sehen ihn [den Tütenstaub] nicht mehr, aber die Tüte ist nach wie vor vorhanden." Sie verteilt sich dann eben in kleinen Partikeln über die Lande, was am Ende des Tages auch niemandem hilft.

Preis versus Umwelt

Gegen Produkte wie den "Néosac" setzt der IBAW Folien, die - in Deutschland entwickelt und nach der besagten EU-Norm zertifiziert - tatsächlich biologisch abbaubar sind. Die Folien werden aus nachwachsenden Rohstoffen wie Stärke und Polymilchsäuren hergestellt und von Mikroorganismen auf dem Komposthaufen einfach weggefuttert und verstoffwechselt. Der Verbraucher kennt diese Folien hauptsächlich in Gestalt von Abfallsäcken für Biomüll, die besonders praktisch sind, weil sie mitsamt der Bananenschalen, Kartoffelreste und Kaffeefilter einfach auf den Kompost geworfen werden können. Biologisch abbaubare Einkaufstüten sind dagegen eine Seltenheit, weil sie in der Herstellung etwa vier Mal teuerer sind als herkömmliche PE-Tüten. "In Deutschland schauen die Leute eher auf den Preis, der Gedanke an die Umwelt ist in den Hintergrund getreten", sagt Friedrich von Hesler, Vorstand von Novamont, einem Unternehmen, das abbaubare Folien herstellt. Das gilt erst recht für die Handelsketten. Weil sie mit dem Verkauf von PE-Tüten gut verdienen, sind sie nicht unbedingt heiß darauf, teure Biotüten einzuführen und damit ihre Marge zu schmälern.

Jute Tüte!

Hoffnungen setzt das deutsche Biotüten-Business vor allem auf die dritte Novelle der Verpackungsverordnung, die im Mai in Kraft trat. Demnach brauchen Tüten aus biologisch abbaubaren Werkstoffen keinen „Grünen Punkt“, weil sie nicht recycelt werden müssen. Das könnte sie ein wenig billiger machen. Und wenn der Supermarkt um die Ecke trotzdem keine verkauft, gibt es ja immer noch eine ökologische Alternative: Das gute alte Einkaufskörbchen oder der legendäre Jutebeutel tun es auch. Schließlich ist der umweltverträglichste Müll immer noch der, der gar nicht erst entsteht.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(