Verhaltensforschung Alle dem Roboter nach!


Auch Kakerlaken müssen Entscheidungen treffen, was sie meist im Team erledigen. Allerdings lassen sie sich dabei leicht von Roboter-Insekten in die Irre führen, wie belgische Forscher jetzt herausgefunden haben.

Sie haben keine Flügel, Fühler oder Insektenbeine, aber das scheint die echten Kakerlaken nicht zu stören. Mit den typischen Duftstoffen beträufelt, werden die kleinen, auf Rädern fahrenden Roboter als neue Kakerlaken-Kollegen akzeptiert. Belgische Forscher der Université Libre in Brüssel bauten die Roboter, um das Verhalten von Kakerlakengruppen zu untersuchen. Die Insektenroboter simulieren dabei das soziale Miteinander und nehmen an den Entscheidungsprozessen der Gruppe teil, wie die Forscher um José Halloy im Wissenschaftsmagazin "Science" berichten. Die Forscher programmierten den Robotern Verhaltensweisen ein, die typisch für Kakerlaken sind. Dazu gehört es, dunkle Rückzugsräume zu suchen und sich an den Bewegungen der anderen Tiere zu orientieren. Die Roboter bewegten sich mit diesem Programm autonom in der Kakerlakengruppe, also ohne Fernsteuerung.

Vier Roboter locken zwölf echte Insekten ins Licht

Wie gut die Tiere und ihre Roboterkollegen zusammenarbeiteten, testeten die Forscher in verschiedenen Situationen. Dazu präparierten sie zwei "Schutzräume" - 15 Zentimeter breite Schirme, unter denen es zuerst gleich dunkel war. Die zwölf Kakerlaken und vier Robo-Simulanten in den Tests verhielten sich tatsächlich wie eine einheitliche Gruppe: Sie verteilten sich gleichmäßig unter beiden Schirmen, wie es Modellrechnungen und ein Trupp von 16 echten Kakerlaken erwarten ließen. Dann machten die Forscher einen Schirm transparenter und damit den Schutzraum heller. In 73 Prozent der Versuche versammelten sich die Krabbeltiere nun unter dem dunklen Schirm, nur in 27 Prozent der Fälle unter dem hellen. Jetzt ersetzten die Forscher vier Kakerlaken durch Roboter, die darauf programmiert waren, hellere Schutzräume aufzusuchen. Und tatsächlich konnten sie der ganzen Gruppe in 61 Prozent der Versuche ihr Verhalten aufzwingen. In den anderen 39 Prozent der Fälle zogen die Roboter sich hingegen mit dem Gesamttrupp in die dunkle Nische zurück. Die Forscher konnten mit ihren Versuchen zeigen, dass es künstlichen Artgenossen gelingt, das Verhalten einer ganzen Tiergruppe zu beeinflussen und manchmal auch zu lenken.

DDP DDP

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