VERHÜTUNG Antibabyschall für den Mann


Sterilisation durch Beschallung der Samenleiter - eine neue unblutige Methode ist so verlockend harmlos, dass sie die Rolle des »starken Geschlechtes« bei der Verhütung aufwerten könnte.

Vasektomie besitzt höhere Erfolgsraten als weibliche Sterilisation

Beschallung mit intensiven Ultraschall-Stößen könnte Männern eine Sterilisation in Zukunft erleichtern. Für eine Vasektomie - ein Eingriff, bei dem die Samenleiter des Mannes durchtrennt werden - war bislang eine Operation nötig. Möglicherweise könnten sich so mehr Männer zu dem Eingriff bewegen lassen.

Alleine in den USA unterziehen sich jährlich mehr als eine halbe Million Männer einer Vasektomie. Die Vasektomie ist billiger als die operative Sterilisation der Frau und besitzt eine höhere Erfolgsrate mit zugleich geringeren Komplikationen.

Dennoch lassen sich doppelt so viele Frauen in den Vereinigten Staaten sterilisieren als Männer, dagt Nathaniel Fried von der John Hopkins Medical School in Baltimore, Maryland.

Bei den meisten Vasektomien wird vom Chirurgen ein etwa 1,5 Zentimeter großer Bereich des Samenleiters entfernt. Die Schnittstellen werden danach entweder durch Verödung verschlossen oder mittels eines Silikonpropfens versiegelt. Bei einer neueren Methode wird der Samenleiter nur mit einem implantierten Plastikclip zugedrückt, sodass keine Spermien mehr hindurch gelangen können.

Samenleiter-Gewebe durch Schall »gekocht«

Laut Fried und seinen Kollegen können mit der neu entwickelten Methode die Samenleiter auch ohne Einschnitte blockiert werden. Dazu wird der Samenleiter durch Fühlen des Hodensacks lokalisiert und mit einer Plastikklemme in einer Hautfalte fixiert. In die Klemme eingebaut ist ein elektronischer Umwandler, der Ultraschall mit einer Leistung von fünf Watt produziert.

Der Umwandler ist zugleich so geformt, dass die Ultraschallwellen genau fokussiert auf einen Bereich nur wenige Millimeter unterhalb der fixierten Haut treffen. »Die Intensität des Ultraschalls ist unterhalb der Haut rund tausendmal größer als auf der Hautoberfläche«, erläutert Fried.

Durch Abfeuern dieses intensiven Ultraschallpulses für 20 bis 50 Sekunden wird der Samenleiter auf über 50 °C erhitzt. Dies zerstört Zellen in der Wand des Leiters, die daraufhin ausklumpen und den Samenleiter verschließen. »Letzten Endes wird das Gewebe gekocht«, sagt Fried. Nach dem Eingriff sich herausbildendes Narbengewebe verstärkt den Verschluss noch zusätzlich.

Um zu verhindern, dass während und nach dem Eingriff die Hautoberfläche nicht verbrannt wird, hat Fried in der Plastikklemme noch einen wassergefüllten Latexballon angebracht, der für ausreichende Kühlung sorgt.

An Hunden erfolgreich

Bislang wurde die Methode allerdings nur an Hunden getestet. Dennoch ist Fried zuversichtlich: Die Einfachheit und Schnelligkeit der neuen Ultraschall-Methode, die chirurgische Eingriffe völlig überflüssig macht, ist so attraktiv, dass sie schon bald routinemäßig eingesetzt werden könnte.

»Besonders in Entwicklungsländern, wo Menschen nicht immer sofortigen Zugang zu qualifizierten Chirurgen und sterilen Krankenhäusern besitzen, könnte das Verfahren besonders nützlich sein«, glaubt Fried.

Bevor die Ultraschall-Technik aber am Menschen zum Einsatz kommt, muss sie allerdings erst noch unter Beweis stellen, ob sie tatsächlich eine effektive und ständige Blockade der Spermienleitung darstellt und keinerlei Schädigungen der Haut bei der Behandlung hervorruft.

»Eine Vasektomie, die keine hundertprozentige Sicherheit darstellt, taugt nichts«, meint Fried.

(Quelle: New Scientist)


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