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Virales Video: Seelöwen: ziemlich niedlich - potenziell tödlich

Große Kulleraugen und ein treuer Hundeblick: Seelöwen sind süß, doch ihr Aussehen lässt schnell vergessen, dass sie Raubtiere sind. Überwindet der Mensch die Grenzen zum Tier, kann das schlimme Folgen haben.

So viel vorab: Dem Mädchen geht es gut. Es dürfte lediglich einen riesigen Schrecken erlitten haben. Doch wer das Video, das derzeit auf YouTube millionenfach geklickt wird, gesehen hat, weiß: Der Vorfall, der sich am Steveston Fisherman's Wharf in Richmond, Kanada, zugetragen hat, hätte auch tragisch ausgehen können. Was war geschehen?

Eine Reisegruppe steht am Uferbecken und beobachtet einen , der im Hafenbecken schwimmt. Die umstehenden Menschen wundern sich über die Größe des Tieres, füttern es und stellen fest, dass es "riesig" ist. Die Atmosphäre ist entspannt, man lacht. Jemand sagt: "Wow!"

Im Hintergrund kichert ein kleines Mädchen und zieht damit plötzlich die Aufmerksamkeit des Tieres auf sich. Der Seelöwe nähert sich dem Beckenrand und schnellt aus dem Wasser. Das Mädchen kann dem Tier ausweichen, schreckt zurück und lacht. 

Mensch trifft auf Seelöwe: eine potenziell tödliche Begegnung

Doch dann begeht es einen entscheidenden Fehler: Es setzt sich auf die Kante des Beckens - und damit in Reichweite des Tieres. Der Seelöwe schießt erneut aus dem Wasser, beißt in das Kleid des Mädchens und reißt das Kind unter Wasser. Der Körper des Mädchens klappt von der Wucht der Beschleunigung zusammen, Arme und Beine fliegen nach vorn. Die umstehenden Menschen schreien. Ein älterer Herr springt sofort ins Wasser und zieht die Kleine aus dem Becken. Es ist Glück im Unglück: Beide kommen mit dem Schrecken davon und bleiben unverletzt.

Was hat das Tier dazu bewogen, das Mädchen unter Wasser zu ziehen? War es Neugier, wie Delaney Chambers von National Geographic, vermutet? Oder handelte das Tier doch aus anderen Absichten, etwa weil es in dem Mädchen ein potenzielles Beuteopfer sah?

Klar ist: Der Vorfall hätte für das Mädchen in beiden Fällen tödlich enden können. Selbst wenn das Tier nur spielen wollte, hätte es das Mädchen schwer verletzen oder solange unter Wasser tauchen können, bis es ohnmächtig geworden wäre.

Seelöwen sind und verfügen über enorme Kräfte. In der Regel machen sie Jagd auf kleinere Meerestiere: Fische zählen zu ihrer Beute, ebenso wie Tintenfische und Krebse. Auch Pinguine oder kleine Robben landen ab und an zwischen den spitzen Zähnen der Meeressäuger. Einige Seelöwen-Arten gelten als sehr aggressiv. In Zoos werden daher meist kalifornische Seelöwen gehalten, die als verträglicher gelten.

Mensch dringt in Lebensraum der Tiere vor

Attacken auf Menschen kommen nur sehr selten vor, können aber dramatisch enden. Vor einigen Jahren griff ein Seelöwe eine australische Surferin an. Medienberichten zufolge sei das Tier aus einer Welle aufgetaucht und habe sich im Nacken des Mädchens verbissen. Die 13-Jährige verlor damals drei Zähne und einen Teil ihres Wangenknochens. Sie überlebte schwer verletzt.

Vorfälle sind auch an der Ozeanküste vor Kalifornien bekannt: Schwimmer sollen dort in der Vergangenheit von Seelöwen gebissen worden sein. Offenbar hatte es sich dabei um männliche Tiere gehandelt, die ihr Territorium verteidigen wollten.


Auch das Seelöwen-Portal "Sealion-World" weist darauf hin, dass Attacken der Meeressäuger "selten" sind, aber "aggressiv" ausfallen können. "Wir müssen uns daran erinnern, dass wir immer weiter in das natürliche Habitat der Seelöwen vordringen und sie mit Dingen konfrontieren, die sie nicht kennen", heißt es auf der Homepage von "Sealion-World". Seelöwen hätten wie jede andere Tierart auch natürliche Instinkte und ihre eigene Verhaltensweise. "Wir können nicht von ihnen erwarten, dass sie sich dem Menschen anpassen, nur weil der Mensch seit langem bestehende Grenzen verschiebt."

Für den Umgang mit den drolligen Raubtieren bedeutet das: Abstand halten. Das Tier nicht bedrängen und seinen Freiraum respektieren. Auch wenn es schwer fällt und die Neugierde überwiegen mag. 

"Leider ist es nicht so wie bei Walt Disney, wo alle Tiere geknuddelt und geküsst werden wollen", erklärte Wildschützer Doug Coughran vor einiger Zeit im australischen Fernsehen. "Die Realität ist nun mal, dass sie gefährlich sein können."

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