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Weltklimarat IPCC: Der Report der Pandora

Dürren in Afrika und Südeuropa, Überschwemmungen, der Untergang der Inselstaaten. Kriege, Krankheiten und das Ende ganzer Ökosysteme. Der Klimareport von Valencia liest sich wie das Drehbuch eines Science-Fiction Film, sagt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon braucht nur einen sehr kurzen Satz, um den Klimareport von Valencia zusammenzufassen. Dessen 23 Seiten seien so furchterregend wie ein Science-Fiction Film. Aber statt unerbittlicher Kreaturen aus dem All ist der Mensch selbst dabei, seine Lebensgrundlage zu gefährden. Daran gibt es seit dem Spruch des Weltklimarates IPCC keinen Zweifel mehr.

Spätestens 2015 muss das Maximum des Treibhausgas-Ausstoßes erreicht werden, sagt IPCC-Chef Rajendra Pachauri nach sechsjähriger Arbeit. Er und seine rund 2500 Kollegen werden gehört, und sie erhalten am 10. Dezember den Friedensnobelpreis für ihre Mühen, unmissverständlich vor der Erderwärmung zu warnen.

Die Welt bekommt mit der unbequemen Zusammenfassung genau das, was sie 1988 selbst in Auftrag gegeben hat. Damals gründeten die Vereinten Nationen den IPCC, um den Staaten ein klares Bild vom Klimawandel, dessen Folgen und der möglichen Abhilfe zu liefern. Nun liegt die Zusammenfassung des vierten Reports vor. Demnach bedroht sich die Menschheit selbst mit dem millionenfachen Tod, wenn die Temperatur auf ihrem Planeten weiter steigt.

Dürre in Afrika und Südeuropa, Überschwemmungen der Flussdeltas und der Verlust fruchtbaren Landes in Asien, starke Niederschläge und Stürme in Nordeuropa, das Schwinden des Grönland- und Polareises und der damit verbundene Untergang der kleinen Inselstaaten, mehr Kriege, mehr Infektionskrankheiten, das Aussterben vieler Tier- und Pflanzenarten und das Ende ganzer Ökosysteme - die Schreckensliste lässt sich mit dem Blick in den Report seitenweise fortsetzen.

Der stellvertretende Vorsitzende der IPCC-Arbeitsgruppe III, Professor Olav Hohmeyer von der Universität Flensburg, fasst das alles so zusammen: "Ja, der Mensch ist schuld am Klimawandel. Ja, wir können etwas tun. Ja, wir haben bereits jetzt alle Mittel dazu in der Hand. Aber: Wir müssen sofort anfangen." Das Problem: Kohlendioxid, das heute aus Motoren, Kraftwerken oder abgeholzten Wäldern strömt, entfaltet seine dramatische Wirkung erst später.

Thilo Resenhoeft/DPA