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Wetter: April bricht alle Rekorde

"April, April, macht was er will" - in diesem Jahr heißt das: Sonne satt. Noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war der April so trocken und sonnig. Das freut die Sonnenanbeter - und macht Bauern und Meteorologen Sorgen.

Nach der wochenlangen Trockenheit ist die Waldbrandgefahr in Deutschland dramatisch gestiegen. Für April ist das äußerst ungewöhnlich. "Wir haben jetzt flächendeckend Gefahrenstufen wie sonst im Juli oder August", sagte Andreas Friedrich, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach. "Ein kleiner Funke genügt jetzt schon, um einen Brand auszulösen."

Obwohl es in der Nacht zum Dienstag endlich auch in der Mitte und im Süden Deutschlands etwas geregnet hat, wird sich die Situation in den nächsten Tagen nicht entschärfen. Laut DWD gab es bis zu sechs Liter Niederschlag auf einem Streifen zwischen Ems, Weser und Elbe bis hin zum Bayerischen Wald. "Nicht gerade der Brüller, aber wenigstens ein Tropfen auf den heißen Stein", kommentiert Meteorologe Helmut Malewski.

Um die Waldbrandgefahr signifikant zu senken, ist seinem Kollegen Friedrich zufolge aber ein typischer Landregen nötig, bei dem an ein bis drei Tagen mehr als zehn Liter Niederschlag pro Quadratmeter fallen. Doch bis zum Monatsende sieht es nicht nach Regen aus. Das macht auch den Bauern Sorge: Die Vegetation gerät ins Stocken, frische Saaten auf den Feldern gehen nicht auf.

Täglich zehn bis zwölf Stunden Sonne

Wenige Tage vor Monatsende erwarten die Meteorologen für Deutschland einen dreifachen Rekord: Der April 2007 werde vermutlich als trockenster und sonnigster und möglicherweise auch als wärmster April seit Beginn der flächendeckenden Aufzeichnungen vor über hundert Jahren in die Geschichte eingehen, sagt Friedrich. Schuld ist eine so genannte Omega-Wetterlage, die auch im Super-Sommer 2003 in Deutschland die Rekorde purzeln ließ.

In punkto Sonnenschein ist der Rekord angesichts der Wetteraussichten für die letzte April-Woche schon sicher: 202 Stunden Sonnenschein zählte der DWD bereits am 22. des Monats. Der bisherige Rekord liegt bei 216,9 Stunden im Jahr 1968. "Das werden wir toppen", versichert Friedrich. Täglich seien zehn bis zwölf Stunden Sonne zu erwarten.

Noch gar kein Regen in Dresden, Gießen, Karlsruhe, Freiburg

Wenn sich die Hoffnung der Landwirtschaft auf ergiebigen, sanften Landregen bis zum Monatsende nicht erfüllt, bricht vermutlich auch die April-Trockenheit in diesem Jahr alle Rekorde. Bis zum 22. des Monats registrierten die Messstationen des Wetterdienstes einen durchschnittlichen Niederschlag von drei Litern je Quadratmeter, der bisher trockenste April brachte es 1974 auf 21,3 Liter je Quadratmeter. In vielen Regionen ist in diesem April überhaupt noch kein Regen gefallen, etwa in Dresden, Gießen, Bendorf bei Koblenz, Karlsruhe und Freiburg. Im Rhein-Main-Gebiet gab es am 24. März den letzten nennenswerten Niederschlag.

Allerdings sind die Meteorologen bei der Prognose der Regenmengen vorsichtig: "Im Prinzip kann das Monats-Soll an einem Tag fallen", sagt DWD-Klimatologe Gerhard Müller-Westermeier. Ein derart großer Rückstand wie in diesem Jahr sei aber vermutlich nur örtlich bei einem kräftigen Gewitterguss aufzuholen und kaum flächendeckend in ganz Deutschland. Im Schnitt fehlen zum Normal-Wert von 59 Litern je Quadratmeter in diesem April noch 95 Prozent. An einzelnen Orten gab es im April auch schon in früheren Jahren überhaupt keinen Regen - 1964 in Schwerin und 1993 in Karlsruhe. Ein signifikanter Rückgang der Niederschläge werde für den Sommer erwartet, sagte der Präsident des Deutschen Wetterdienstes, Wolfgang Kusch, im ZDF-Morgenmagazin. "Das zeigen auch unsere Statistiken jetzt schon."

"Renate" schwächelt in der Wochenmitte

"Mit großer Wahrscheinlichkeit wird auch der April-Wärme-Rekord gebrochen", sagt Friedrich. Der wurde 1961 aufgestellt, als der April 3,2 Grad wärmer ausfiel als im langjährigen Mittel. Am 22. April dieses Jahres registrierten die DWD-Meteorologen bereits eine Abweichung von 2,7 Grad nach oben. Da für die letzten Tage des Monats wieder sommerliche Temperaturen vorhergesagt sind, sei ein neuer Wärme-Rekord zu erwarten. Sicher ist bereits, dass der April der achte Monat in Folge ist, der in Deutschland zu warm ausfällt.

Der Anstieg der Temperaturen lasse sich vor allem bei der langfristigen Wetterbeobachtung feststellen, sagte Kusch. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen seien die Temperaturen stets gestiegen. Seit 1901 habe sich die durchschnittliche Temperatur in Deutschland von knapp acht auf knapp neun Grad plus um 0,9 Grad erwärmt. "Immerhin mehr als zehn Prozent", sagte Kusch, "Das sind ganz gravierende Veränderungen."

Von den zehn wärmsten Jahren dieser Periode lägen neun in der Zeit zwischen 1989 und jetzt. Der Anstieg habe sich beschleunigt. "Von 1990 bis 2000 war das absolut wärmste Jahrzehnt", sagte der Chef des Wetterdiensts. "Und dieses Jahrzehnt ist wieder auf Rekordkurs." Nicht nur die Mitteltemperatur nehme zu, auch die Extreme würden zunehmen, sagte er voraus. Gerade der Nordosten Deutschlands werde deutlich trockener.

DPA/AP / AP / DPA