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Zugvögel: Teichrohrsänger lassen sich nicht reinlegen

Manche Zugvögel haben eine Art innere Landkarte, mithilfe der sie sich orientieren. Um das zu prüfen, haben Biologen 13 Teichrohrsänger in einem Flugzeug mehr als 1000 Kilometer weit verschleppt. Beirren ließen sich die Tiere dadurch nicht.

Teichrohrsänger sind wahre Navigationskünstler. Sie finden ihr Ziel selbst dann wieder, wenn sie im Flugzeug weit vom Kurs abgebracht werden. Das berichten Forscher um Professor Henrik Mouritsen von der Universität Oldenburg im Journal "Current Biology" (online vorab veröffentlicht). Sie haben herausgefunden, dass die Vögel nicht nur den Breitengrad erkennen, sondern auf noch nicht bekannte Weise auch den korrekten Längengrad ihrer aktuellen Position. Diese neuen Resultate ziehen die These in Zweifel, nach der Vögel in erster Linie entlang der Nord-Süd-Achse navigieren.

Vögel im Flugzeug

In dem Experiment hatte Mouritsen mit seinen Kollegen der Russischen Akademie der Wissenschaften die Vögel in der Gegend von Kaliningrad an der Ostseeküste gefangen. Die Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) waren zu dieser Zeit in nordöstlicher Richtung unterwegs und hätten daher alsbald Estland, Lettland und Litauen überflogen. In einem Flugzeug wurden die Tiere dann 1000 Kilometer in Richtung Osten verfrachtet und in der Region von Swenigorod wieder freigelassen - an einem ganz anderen Längengrad.

Das ursprünglich angepeilte Ziel der Vögel lag nun im Nordwesten statt im Nordosten. Genau dorthin flogen die Teichrohrsänger auch, und orientierten sich damit exakt in Richtung ihrer ursprünglich angestrebten Brutplätze. "Das zeigt, dass sie die geographische Länge feststellen können, obwohl wir nicht wissen, wie sie das tun", sagt Nikita Tschernezow vom russischen zoologischen Institut. Die geographische Breite - also die Position entlang der Nord-Süd-Achse - könnten die Tiere hingegen verhältnismäßig einfach mit Hilfe des Sonnenstands ermitteln.

Schutz bedrohter Arten

Wie die Vögel den Längengrad feststellen, wollen die Forscher mit weiteren Experimenten untersuchen. Mouritsen spekuliert, dass die Tiere vielleicht eine besonders feine Wahrnehmung von Magnetfeldern besitzen und so auch zwischen Ost und West unterscheiden können. "Russland eignet sich als großes Land für diese Experimente besonders gut, weil wir die Vögel über große Strecken versetzen können, ohne Grenzen zu überqueren. Hier in Europa müssten wir dafür erst Anträge stellen und Verzögerungen in Kauf nehmen", sagt der Oldenburger Biologe. Das Wissen über die Navigation der Vögel habe auch praktischen Nutzen: "Wenn es gelingt, das Zugverhalten der Vögel zu verstehen, können bedrohte Arten vor dem Aussterben geschützt werden."

DPA / DPA