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Zurück auf die Seychellen: Geschlüpfte Meeresschildkröten fliegen nach Hause

Glücklicher Ausgang einer Schmuggelgeschichte: Fünf seltene und streng geschützte Meeresschildkröten von den Seychellen, die in Frankfurt aus beschlagnahmten Eiern geschlüpft sind, reisen noch in dieser Woche zurück in ihre Heimat.

Glücklicher Ausgang einer Schmuggelgeschichte: Fünf seltene und streng geschützte Meeresschildkröten von den Seychellen, die in Frankfurt aus beschlagnahmten Eiern geschlüpft sind, reisen noch in dieser Woche zurück in ihre Heimat. Von dort hatte eine Urlauberin die Eier im März illegal als Souvenir mitgebracht und war am Frankfurter Flughafen erwischt worden. Im Zoo wurden die Eier in den Brutkasten gelegt - "sie waren zwar ein bisschen verschrumpelt, aber sie rochen noch gut", sagte Zoodirektor Manfred Niekisch am Mittwoch.

Vier Tage später staunten die Experten: Echte Karettschildkröten (Eretmochelys imbricata) krabbelten heraus, sie gehören zu den seltensten Meeresschildkröten. Wie viele Tiere noch in Freiheit leben, ist nicht bekannt. Wegen ihres Panzers, aus dem Brillengestelle oder Kämme gemacht wurden, waren die Tiere fast ausgerottet worden.

Sogleich wurde der Plan gefasst, die Tiere auf die Seychellen zurückzubringen, denn anders als in den meisten Fällen von Artenschmuggel ist der Herkunftsort diesmal genau bekannt. "Es ist ein ganz besonderer Glücksfall, wir vertrauen fest darauf, dass sie ihren Weg finden", sagte Niekisch. Der Zoodirektor stellte die braungemusterten Tiere mit der charakteristischen Panzerform am Mittwoch vor. Die inzwischen 20 Zentimeter großen und 800 Gramm schweren Schildkröten sind gesund, in der Natur können sie mehr als 75 Kilo schwer und 100 Jahre alt werden, ihr Panzer wird einen guten Meter lang.

An ihrem Heimatstrand, wo die Eier illegal eingesammelt worden waren, sollen sie wieder in die Freiheit entlassen werden. "Dann werden wir sie nie wiedersehen", hofft Dirk Hausen vom Bundesamt für Naturschutz (BfN), der die Holzkiste mit den fünf Tieren auf dem Flug begleitet. Die Transportkosten übernimmt die Fluggesellschaft Condor.

Bis zu 1000 lebende Tiere werden nach Auskunft von BfN-Referent Franz Böhmer jedes Jahr in Deutschland im Gepäck von Reisenden entdeckt und beschlagnahmt, denn der Handel mit ihnen ist verboten. Oft sind es Exoten wie Vogelspinnen, Reptilien oder Falken. In Frankfurt arbeitet der Zoll mit speziell trainierten Artenschutz- Suchhunden, die auch die Schildkröteneier in der Reisetasche der Frau aufspürten.

Allein diese Hunde wurden in diesem Jahr bereits 52 Mal fündig. Der illegale Handel mit geschützten Arten sei ein Milliardenmarkt wie der Handel mit Drogen oder Waffen, sagte eine Zollsprecherin. Der Frankfurter Flughafen ist dabei eine wichtige Drehscheibe.

In den allermeisten Fällen müssen die Tiere im Land bleiben, wenn sie die Reise überhaupt überleben, und werden an Zoos oder private Halter vermittelt. Ausnahme seien vor drei Jahren zwei Transporte lebender Falken aus der Mongolei gewesen, sagte Böhmer. Je acht Vögel wurden in Berlin in zwei Koffern entdeckt und später wieder in der Mongolei ausgewildert.

Niekisch appellierte an Urlauber, keine Tiere oder Tierprodukte mitzubringen: "Leute, lasst die Finger weg von solchen Souvenirs." Ihre Ahnungslosigkeit hat der Frau nichts geholfen, sie wurde nach BfN-Angaben zu 5000 Euro Geldstrafe verurteilt.

DPA / DPA