Schadstoffe im Essen Nicht nur Vitamine


Obst und Gemüse enthalten nicht selten Spuren verschiedenster Pflanzenschutzmittel. Grenzwerte regeln aber nur die Höchstmenge für jeden einzelnen Schadstoff. Müssen die Schwellen für die Höchstbelastung überarbeitet werden?

Bei Trauben, Paprika oder Erdbeeren, die außer Vitaminen auch Rückstände von Pflanzenschutzmitteln enthalten, bleibt manchem Verbraucher der Bissen im Halse stecken. Regelmäßig verunsichern Meldungen über Schadstoffe all jene, die eigentlich gesund leben und viel Gemüse und Obst essen wollen. Exakte Grenzwerte für einzelne Pflanzenschutzmittel gibt es. Doch wie steht es mit dem Apfel, in dem gleich fünf Pestizide zu finden sind? Ist die Gesamtbelastung der Frucht zu hoch - auch wenn sie für jeden einzelnen Schadstoff unter den Grenzwerten liegt? In Berlin beraten Wissenschaftler und Verbraucherschützer dies derzeit auf einem Forum des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gemeinsam an einem runden Tisch.

"Generell ist die Situation so: Der Verbraucher will aus gutem Grund gar keine Pflanzenschutzmittel essen. Der Agrarfachmann hingegen hat gute Gründe sie einzusetzen - und zwar auch verschiedene, um Resistenzen zu verhindern", sagt BfR-Präsident Andreas Hensel. Alles dreht sich deshalb darum, das für den Menschen dauerhaft unschädliche Maß der Herbizide oder Fungizide festzulegen. "Daran arbeiten wir seit Jahren. Aber es ist wichtig, dass Deutschland das nicht im Alleingang macht, sondern Grenzwerte europaweit gelten."

Über das Zusammenspiel ist wenig bekannt

Derzeit werden Pflanzenschutzmittel nur dann zugelassen, wenn sie sowohl in der Langzeitaufnahme (ADI-Wert) als auch in der akuten Giftigkeit (AfRD-Wert) unter den vorgeschriebenen Höchstgrenzen liegen. Für das Zusammenspiel verschiedener Wirkstoffe gibt es jedoch noch kein wissenschaftlich endgültig überzeugendes Instrumentarium.

Selbst geringste Spuren können Unsicherheit auslösen

Ein Ansatz, den Experten aus den USA, Großbritannien und den Niederlanden empfehlen und der auch beim BfR verfolgt wird: Stoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen sollen als einzelne Stoffe bewertet werden. Stoffe mit gleichem Wirkmechanismus hingegen sollten zusammengerechnet werden - unter Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen Wirkstärke. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Viele Verbraucher- und Umweltschützer gehen davon aus, dass Stoffgemische auch bei unterschiedlichen Wirkweisen der Teile stärker belasten als Einzelstoffe. Auch das Bundesverbraucherschutzministerium hat gefordert, die "gleiche Wirkweise" noch umfassender zu erforschen.

"Wir dürfen nicht vergessen, dass sich die Diskussion jedoch teilweise um Mengen nahe der analytischen Nachweisgrenze dreht", fügt Hensel hinzu. In der Tat gibt es mittlerweile so exakte Analysemethoden, dass selbst geringste, gesundheitlich unbedenkliche Rückstandspuren ausfindig zu machen sind - deren Vorkommen beim Verbraucher prompt Unsicherheit erzeugt und das diffuse Gefühl, im Handel werde ihm ein bedenkliches Produkt angeboten.

Bio-Lebensmittel sind selten belastet

Um künftig verlässliche Aussagen über die Belastungshöchstmengen - auch in der Kombination miteinander - treffen zu können, brauchen die Wissenschaftler aber auch eines: Mehr Informationen zum Konsum. Eine nationale Verzehrstudie soll hier helfen. "Wir müssen wissen, wer wie oft Rosinen, Trauben oder Kohl isst." Eins kann Hensel jedoch jetzt schon sagen: "Die Gefahr wächst für den, der sich extrem einseitig ernährt."

Auf der sichereren Seite dürften die Verbraucher stehen, die Bio-Lebensmittel kaufen. Von knapp 900 Bio-Proben wiesen nur 2,3 Prozent eine Mehrfachbelastung auf, während laut EU-Kommission rund 20 Prozent aller Proben konventionellen pflanzlichen Ursprungs mehrfach belastet waren, so der Bundesverband Naturwaren - über die Höhe der Belastung hingegen gab es keine Angaben.

Andrea Barthélémy/DPA DPA

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