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Stars der Bio-Kiste Die Topinambur


Die Indianer verfütterten sie an Tiere. Friedrich der Große zog ihr die Kartoffel vor. Diese Knolle hat mehr Beachtung verdient!

Topi- was? Der Name klingt wie eine Insel bei Papua-Neuguinea, ein dickes Borstentier der Serengeti, wie ein Codewort, das sich CIA-Agenten für die Liquidierung eines indischen Waffenschiebers zuraunen. Die Realität ist viel profaner: Es ist Gemüse, ein ziemlich unscheinbares noch dazu. Krumm und buckelig kommt es daher, mit knubbeligen Beulen und Spitzen.

Indianer im heutigen Neuengland nutzten Topinambur als Nahrungsmittel, verfütterten es aber auch an ihre Tiere. Im 17. Jahrhundert brachten Seefahrer die Wurzelknollen nach Frankreich, wo man ihren artischockenartigen Geschmack entdeckte und ihnen den Namen eines - widersinnigerweise brasilianischen - Indianerstammes verpasste. In Deutschland wurde Topinambur ab Mitte des 18. Jahrhunderts weitgehend von der Kartoffel verdrängt, deren Anbau Friedrich der Große vorantrieb. Dabei ist die Erdartischocke durchaus nahrhaft: Sie enthält Inulin, einen Ballaststoff, der besonders gut sättigt, dazu viel Kalium, Vitamin B1 und Eisen. Die Volksmedizin setzt sie als Mittel bei Erkrankungen von Leber, Magen und Galle ein, nennt Topinambur sogar "Geschenk des Himmels".

Ein kurzes Comeback erlebte sie in der Hungerzeit nach dem Zweiten Weltkrieg, dann verschwand sie wie die Steckrübe aus der Küche. Probieren Sie Topinambur gedünstet als nussiges Püree, als Cremesuppe mit Sahne und Steinpilzen, als Rohkost zu Feldsalat, als Puffer mit Kräutercreme, und Sie werden sich fragen, wie es dazu kommen konnte.

Ruth Hoffmann GesundLeben

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