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Mäuse, Ratten, Rinder, Schweine Warum die Zahl der Tierversuche drastisch gestiegen ist

Eine Maus sitzt in einem Käfig
Drastische Zunahme: Die Zahl der Tierversuche hat sich in den letzten Jahren fast verdreifacht
© GettyImages
In Deutschland wird immer häufiger an Mäusen, Ratten, aber auch an Nutztieren wie Rindern geforscht. Einige Versuche seien ethisch nicht zu vertreten, kritisieren Tierschützer.

Die Nutzung von Gentechnik in Deutschland hat laut einer Studie zu einem starken Anstieg von Tierversuchen geführt. Zwischen 2004 und 2013 habe sich die Zahl der Versuche mit gentechnisch veränderten Tieren wie Mäusen und Ratten, aber auch Rindern und Schweinen, fast verdreifacht, heißt es einer Studie der Bundestagsfraktion der Grünen. 2013 seien so knapp eine Million Gentech-Tiere in Versuchen "verbraucht" worden.

Für 2014 und 2015 hat das Bundeslandwirtschaftsministerium nach Grünen-Angaben noch keine Zahlen vorgelegt. Der Anstieg bis 2013 aber widerspreche "eklatant" dem Ziel von Bundesregierung und EU-Kommission, Tierversuche zu reduzieren, kritisieren die Grünen. Sie fordern von der Bundesregierung mehr Mittel, um alternativen Methoden in der Grundlagenforschung zum Durchbruch zu verhelfen.

Gentechnisch veränderte Tiere leiden oft ein Leben lang

Die gentechnische Veränderung von Säugetieren führe "in jedem Fall" zu Leiden und Schmerzen, heißt es in der Studie. Für die Erzeugung einzelner gentechnisch veränderter Säugetiere müssen demnach "hohe Tierverluste" in Kauf genommen werden, da viele Tiere aufgrund von Gendefekten nicht lebend geboren werden oder aber getötet werden müssen, weil sie krank sind.

Tiere würden als Leihmütter, Eizellen- oder Embryonen-Spender genutzt, was ebenfalls mit Leiden und Schmerzen verbunden sei. Bei Nutztieren wie Kühen sind laut Studie einige hundert Versuche nötig, um einzelne erwünschte Gentech-Tiere zu erhalten. Erfolgreich gentechnisch veränderten Tiere litten oft lebenslang an ihren gewollten oder ungewollten Gendefekten.

Trotz millionenfachen Tierleids sei der gewünschte Durchbruch zur Bekämpfung von menschlichen Krankheiten bislang nicht erreicht worden, kritisierte die Tierschutzsprecherin der Grünen, Nicole Maisch. Seit mehr als 20 Jahren etwa werde an gentechnisch veränderten Schweinen für Organspenden geforscht – bislang ohne Nutzen für die Humanmedizin.

Versuche an Nutztieren "nicht zu rechtfertigen"

"Besorgniserregend" sei zudem, dass zunehmend auch an gentechnisch veränderten Nutztieren geforscht werde, erklärte der Sprecher der Grünen für Gentechnik, Harald Ebner. Tieren Schmerzen und Leid zuzufügen mit dem Ziel, mehr Muskelmasse oder eine andere Milchzusammensetzung zu erreichen, sei ethisch nicht zu rechtfertigen. Auch aus Verbrauchersicht verböten sich Tierversuche zur Optimierung von Nutztieren, betonte Maisch: "Niemand will Gentechnik oder Klonfleisch auf dem Teller."

Erstellt wurde die Studie vom Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie (Testbiotech). Darin heißt es auch, dass die Forschung mit und an gentechnisch veränderten Tieren vom wirtschaftlichen Interesse an der Patentverwertung angetrieben werde. Es lohne sich für Unternehmen umso mehr, je mehr Tiere "erzeugt" und verwendet werden.

"Tiere werden als Ware, zum Beispiel als kundenspezifisch manipulierte Nager beworben", kritisierte Ebner. Das zeuge von einem "Maschinendenken, das Fragen nach dem Tierwohl komplett ausblendet".

ikr AFP

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