Züchtigung Prügelstrafe für US-Schüler


Viele US-Schüler, die in diesen Tagen aus den Sommerferien zurückkehren, bringen besser ein gutes Polster mit - im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn in zahlreichen Klassenzimmern wird immer noch geprügelt. Zwar haben bis heute 28 Bundesstaaten das so genannte Paddling offiziell abgeschafft, doch in den übrigen 22 ist die körperliche Züchtigung weiterhin gestattet. Organisationen wie das Zentrum für effektive Disziplin in Ohio laufen seit Jahren Sturm gegen die Prügelstrafe an US-Schulen. Sie bewirken tatsächlich etwas, doch der Fortschritt kommt sehr langsam.

Das Wort Paddling kommt von Paddel - so sehen nämlich die rund einen Meter langen hölzernen Instrumente zur Züchtigung aus. Der Delinquent, Junge oder Mädchen, muss sich bücken und wird mit dem Holzpaddel auf das Hinterteil geschlagen. Das ruft zuweilen sogar Striemen und Blutergüsse hervor. "Dieses Schlagen ist erniedrigend, unmenschlich und einfach verrückt", sagt Nadine Block vom Zentrum für effektive Disziplin. Diese Art von Züchtigung führe zu einem Klima der Gewalt und Einschüchterung: "Dabei gibt es viele andere, gute Methoden, Disziplin zu erreichen."

Vor allem junge Eltern lehnen die Prügelstrafe ab

Der bisher letzte und damit 28. US-Bundesstaat, der das Paddling verbot, war im Jahr 2003 Delaware. Betrachtet man allerdings die Zahlen von geprügelten Schülern über die Jahre, wird eine positive Entwicklung deutlich: 1980 wurden nach Angaben des US- Bildungsministeriums landesweit 1.415.540 Schüler geprügelt. 1990 waren es noch 613.514 und im Jahr 2000 nur noch 342.038 (von insgesamt rund 46,3 Millionen). «Das liegt vor allem daran, dass immer mehr einzelne Schulbezirke das Paddling beenden, unabhängig von der Haltung ihres Bundesstaates», sagt Block. "Hinzu kommt, dass vor allem junge Eltern die Prügelstrafe für ihre Kinder ablehnen."

Es wird in den USA nicht überall gleichermaßen geprügelt. Besonders im so genannten Bible Belt, dem religiösen Bibel-Gürtel des Landes und in den Südstaaten greifen Lehrer eher zum Paddel. An der Spitze liegt Mississippi, wo im Jahr 2000 etwa 9,8 Prozent der Schüler das harte Holzbrett zu spüren bekamen. Dahinter liegen Arkansas mit 9,1 Prozent, Alabama mit 5,4 Prozent und Tennessee mit 4,2 Prozent, allesamt traditionelle Südstaaten. "Dort sind es oft auch gerade die Kirchen, die hinter dem Paddling stehen", sagt Block. "Sie sehen die körperliche Züchtigung im Alten Testament verankert."

Privatschulen regeln ihre Strafmethoden selbst

Schaut man nicht auf die Prozente, sondern auf die absoluten Zahlen, dann führt Texas beim Paddling: Hier wurden im Jahr 2000 insgesamt 73.994 Schülerinnen und Schüler geprügelt. Die Nationale Koalition zur Abschaffung der körperlichen Züchtigung an Schulen fand zudem heraus, dass Schwarze landesweit zwar nur 17 Prozent der Schülerschaft ausmachen, aber dass 39 Prozent der Geprügelten Schwarze sind. All diese Angaben gelten für öffentliche US-Schulen, denn die Privatschulen regeln ihre Strafmethoden selbst.

Die landesweiten Organisationen gegen das Paddling erwarten, dass mit den neuen Generationen das Schlagen langsam aus US-Schulen verschwinden wird. Und sie bieten Alternativen zum Prügeln an: Das Selbstbewusstsein der Schüler stärken, die Regeln fair, ruhig und gerecht durchsetzen, schwierigen Schülern spezielle Aufgaben erteilen und die Schüler an den Regeln und der Aufrechterhaltung der Disziplin beteiligen.

"Das Schlimmste ist nicht der Schmerz, sondern die Erniedrigung"

"Es waren immer dieselben Schüler, die gepaddled wurden. Das Prügeln hat ihr Verhalten nicht gebessert, es schien ihr Verhalten und ihre Missetaten sogar noch zu verschlimmern", meint der pensionierte Schuldirektor Sid Leonard aus Ohio. Viele der einst geprügelten Kinder haben keine guten Erinnerungen an die Schulzeit. Der heute 40-jährige Texaner Tim meint: "Das Schlimmste ist nicht der Schmerz, sondern die Erniedrigung. Es ist ganz einfach ein unmenschlicher Akt."

Jörg-Michael Dettmer, dpa


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