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67 Todesopfer bei Unruhen in Myanmar: Menschrechtler verlangen Schutz von Muslimen

Tagelange Unruhen, Dutzende Tote, hunderte Häuser zerstört - in Myanmar wächst die Gewalt gegen die muslimischen Minderheit. Menschenrechtler nehmen die Regierung ins Visier.

Nach tagelangen Unruhen mit Dutzenden Toten im Westen Myanmars haben Menschenrechtler die Regierung angeprangert. Sie müsse die muslimische Rohingya-Minderheit besser schützen, verlangten die Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch (HRW) und Amnesty International. In der im Krisengebiet gelegenen Stadt Sittwe versorgten Ärzte in Krankenhäusern die Schusswunden von mehr als zwei Dutzend Patienten, berichtete ein Fotograf der Fotoagentur epa.

Satellitenbilder zeigen nach HRW-Angaben, dass allein in der überwiegend von Rohingya bewohnten Küstenstadt Kyauk Pyu mehr als 800 Häuser und Hausboote zerstört wurden. In mindestens fünf Ortschaften habe es Gewalt gegeben. "Die Rohingya werden heftig attackiert. Die Regierung muss ihnen dringend Schutz gewähren", sagte Phil Robertson von HRW. "Wenn die Behörden der Ursache der Gewalt nicht auf den Grund gehen, kann es nur schlimmer werden." Die Regierung müsse den Kreislauf von Diskriminierung und Gewalt brechen, verlangte auch Amnesty International.

Nach Angaben der Staatsmedien in Myanmar kamen seit vergangenem Wochenende 67 Menschen ums Leben. Eine muslimische Partei hatte zunächst von mehr als 100 Toten gesprochen. HRW befürchtet eine weitaus höhere Opferzahl. Zehntausende Menschen seien auf der Flucht.

Keine Staatsbürgerschaft für die Rohingya

Der Staat grenzt die teils seit Generationen dort lebenden Rohingya aus und verweigert ihnen die Staatsbürgerschaft. Die überwiegend buddhistische Bevölkerung in Myanmar unterstützt die harte Haltung. Selbst Mönche haben gegen die Rohingya demonstriert. HRW kritisiert Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, weil sie ihre moralische Autorität nicht nutze, um den Schutz der Rohingya zu verlangen.

In Myanmar leben nach Schätzungen eine Million Rohingya, davon 800.000 im Nordwesten an der Grenze zu Bangladesch. Im Juni brachen Unruhen aus, nachdem Muslime eine Buddhistin vergewaltigt haben sollen. Eine Verhaftungswelle folgte. Nach HRW-Angaben waren die Sicherheitskräfte an der Gewalt gegen die Rohingya beteiligt. Fast 90 Menschen kamen ums Leben.

tib/DPA / DPA