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Abu Ghreib: Anwälte: "Die Soldaten sind nur Sündenböcke"

Zwei US-Soldaten, denen die Misshandlung von Gefangenen im irakischen Gefängnis Abu Ghreib vorgeworfen wird, müssen nach den Worten ihrer Anwälte als Sündenböcke für die Fehler der US-Regierung und des Militärs hinhalten.

Javal Davis und Sabrina Harman seien gute Soldaten, die Opfer eines chaotischen Systems geworden seien, das die Misshandlungen erlaubt habe, argumentierten die Anwälte in den vorgerichtlichen Anhörungen am Samstag.

Die Anwälte von Davis erwirkten bei einem der zuständigen Richter eine Vorladung der zum Zeitpunkt der Misshandlungen für Abu Ghreib zuständigen Brigadegeneralin Janis Karpinski. Ihre Aussage werde die chaotischen Zustände in dem Gefängnis und die mangelhafte Ausbildung der dort tätigen Soldaten belegen, sagten die Anwälte. Davis drohen acht Jahre Gefängnis wegen Pflichtversäumnis und Misshandlung von Gefangenen. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, nackten Gefangenen, die zur Bildung einer Pyramide aus ihren Körpern gewzungen worden seien, heftig auf Finger und Zehen getreten zu haben.

Die Anklageschrift gegen Harman ist noch nicht abgeschlossen. Voraussichtlich wird jedoch auch ihr Misshandlung zur Last gelegt. Harman wurde bekannt durch Fotos, auf denen sie hinter nackt aufeinander liegenden Gefangenen steht und beide Daumen in die Höhe reckt. Von den im Zusammenhang mit den Vorfällen in Abu Ghreib angeklagten US-Militärpolizisten treffe Harman die geringste Schuld, sagte einer ihrer Anwälte.

Fotos der Misshandlungen hatten im April weltweit für Empörung gesorgt. Bislang wurden sieben Militärpolizisten und ein US-Geheimdienstmitarbeiter angeklagt. Eine hochrangige Untersuchungskommission nannte die militärische Befehlskette als Faktor bei der Schaffung der Bedingungen, unter denen die Misshandlungen möglich wurden.

Reuters

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